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Notfall + Rettungsmedizin

, Volume 21, Issue 6, pp 445–446 | Cite as

Massenanfall von Verletzten durch Terror

Teil 2: Der Blick in die Präklinik
  • B. Friemert
  • K.-G. Kanz
Einführung zum Thema
  • 69 Downloads

Mass-casualty incidents in terror

Part 2: The view into the scene

Im zweiten Teil unseres Themenhefts stellen Eichen et al. für die Terror- bzw. Amoklage eines „school shootings“ die spezifische Einsatztaktik und das entsprechende notfallmedizinische Management dar. Insbesondere in der Initialphase kann nur ein schnelles Handeln der Einsatzkräfte der Polizei Menschenleben retten. Das taktische Einsatzziel besteht darin, den Täter und die Gefahrenlage schnellstmöglich zu kontrollieren. Rettung und Verletztenversorgung können dadurch schnellstmöglich und sicher durchgeführt werden.

Eine Altersgrenze zwischen Kindern und Erwachsenen, die die besonderen Bedingungen eines MANV berücksichtigt, ist bisher nicht ausreichend definiert. Ohne eine entsprechende Übereinkunft ist damit zu rechnen, dass bei einem MANV Kinder mit jungen Erwachsenen um die ohnehin schon limitierten kinderchirurgischen Ressourcen konkurrieren müssen. Thies et al. stellen dar, wie durch das Verfahren eines nominalen Gruppenprozesses eine einheitliche Altersdefinition von Kindern für den Rettungsdienstbereich München konsentiert und implementiert werden konnte.

Ladehof et al. stellen in zwei Beiträgen ausdrücklich für Bedrohungslagen die Einsatztaktik bei einem MANV und mit tacSTART einen hierfür adaptierten Sichtungsalgorithmus dar. Wesentlich ist, dass die Einsatzleitung in diesen Fällen zunächst bei der Polizei liegt. Zudem kann das Erkennen einer Bedrohungslage oft schwierig sein. Entscheidend sind deshalb die Lagebeurteilung, die Abstimmung mit der Polizei und das Halten von ausreichendem Abstand. Der tacSTART-Algorithmus beinhaltet insbesondere die frühe Reaktion auf eine kritische Blutung und eine an die Gefährdungszone angepasste Sichtung.

Laible et al. stellen schließlich für das initiale Management in der Klinik einen an mSTaRT adaptierten Algorithmus vor. Wesentlich in diesem Konzept sind die Berücksichtigung der aktuellen Leitlinien des Deutschen Rates für Wiederbelebung (GRC) und anerkannter Behandlungskonzepte wie des ABCDE-Schemas gemäß ATLS® (Deutschen Gesellschaft für Chirurgie) sowie die Berücksichtigung aktueller Publikationen zur Bildgebung. Wesentliche Komponenten sind die Sichtung der in der Klinik eintreffenden Patienten, die Einteilung der zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten sowie initiale Notfallmaßnahmen und der Einsatz des Computertomographen.

Während bei einem „normalen“ MANV eine rettungsdienstliche Lage besteht, liegt bei einem TerrorMANV zunächst eine polizeiliche Lage vor. Der Begriff umfasst explizit die potenzielle Gefährdung des Personals der Rettungsdienste und der aufnehmenden Kliniken. Inwieweit dieser Begriff auch für einen Amoklauf oder einfach für „Kollateralschäden“ bei ethnischen Konflikten oder durch rivalisierende Banden gilt, ist zu diskutieren. Entscheidend ist jedoch, dass ein Umdenken im Rettungsdienst erfolgt, dass bei derartigen Bedrohungslagen die Polizei den Einsatz führt.

Bei der Abstimmung der verschiedenen Beiträge für die beiden Themenhefte haben wir mit den Autoren und Gutachtern feststellen müssen, dass in Bezug auf die Thematik MANV bisher keine einheitlichen Definitionen und abgestimmten Verfahrensweisen vorliegen.

Konsensuskonferenz Leitlinie MANV dringend erforderlich

Unseres Erachtens ist die Einberufung einer nationalen Konsensuskonferenz zur Entwicklung einer Leitlinie Massenanfall von Verletzten (MANV) auch unter Berücksichtigung der verschiedenen Bedrohungslagen (TerrorMANV) dringend erforderlich.

Diese sollte unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) unter Einbindung des Sanitätsdiensts der Bundeswehr erarbeitet werden. An diesem Konsensusprozess sollten neben der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI), der Deutschen Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA), der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) sowie den diversen chirurgischen Fachgesellschaften auch die Tactical Rescue and Emergency Medicine Association (TREMA), der Deutsche Berufsverband Rettungsdienst (DBRD), die Deutsche Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie (DGWMP), die Deutsche Gesellschaft für Katastrophenmedizin (DGKM) sowie Feuerwehren und insbesondere die Polizei beteiligt werden.

Benedikt Friemert

Karl-Georg Kanz

Notes

Interessenkonflikt

B. Friemert und K.-G. Kanz geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Rekonstruktive und Septische Chirurgie, SporttraumatologieBundeswehrkrankenhaus UlmUlmDeutschland
  2. 2.Klinik und Poliklinik für UnfallchirurgieKlinikum rechts der Isar, Technische Universität MünchenMünchenDeutschland

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