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Notfall + Rettungsmedizin

, Volume 16, Issue 8, pp 627–636 | Cite as

mSTaRT Trauma & Intox

Erweiterter mSTaRT-Algorithmus für einen Massenanfall von Verletzten unter Berücksichtigung von chemischen Intoxikationen
  • K.I. Hiereth
  • P. Hornburger
  • F. Eyer
  • S. Gerstenhöfer
  • G. Schmöller
  • S. Prückner
  • U. Kreimeier
  • M. Angstwurm
  • K.-G. Kanz
Konzepte - Stellungnahmen - Leitlinien / Concepts - Statements - Guidelines

Zusammenfassung

Hintergrund

Ein Massenanfall von Verletzten stellt sowohl eine große materielle als auch personelle Herausforderung an den jeweilig betroffenen Rettungsdienstbereich dar. Durch eine mögliche vorherrschende ABC-Lage wird das ohnehin nicht alltägliche Einsatzgeschehen weiter erschwert. Umso wichtiger ist es somit, dass ein Triage-Algorithmus auch diesen Fall in geeigneter Art und Weise mit abdeckt, ohne den Ablauf der Triage unnötig zu verkomplizieren.

Methoden

Genau dieser Aspekt wurde durch eine Expertengruppe im Rahmen der Weiterentwicklung des mSTaRT-Algorithmus infolge des Reizgasanschlags in einer Münchner Einkaufspassage als eine wesentlich notwendige Neuerung identifiziert und in den neuen mSTaRT-Algorithmus Trauma & Intox umfassend eingearbeitet. Dieser Algorithmus ist als neuer Einsatzstandard für einen Massenanfall von Verletzten für den Rettungsdienstbereich München festgelegt und beinhaltet die Feststellung einer möglichen ABC-Lage, die Vorsichtung, die Notfallbehandlung und die Festlegung der Transportpriorität. Die Erkennung einer möglichen Kontamination der Patienten mit einer Noxe und die dementsprechend notwendigen Maßnahmen wie eine Dekontamination sind im Sichtungsprozess jeweils für die einzelnen Patientenkategorien implementiert. Des Weiteren wurden die kritischen Befunde im Bereich der Nachsichtung im Hinblick auf ein Schädel-Hirn-Trauma, ein Inhalationstrauma mit Stridor und eine mögliche Intoxikation eingehend nach den Erkenntnissen neuester Untersuchung und Leitlinien ausgearbeitet.

Ergebnis

Dieses neue Konzept schafft vor dem Hintergrund möglicher terroristischer Bedrohungen eine umfassende Grundlage zur Abarbeitung eines Massenanfalls von Verletzten, wobei auch eine mögliche Kontamination mit Noxen in den Ablauf sinnvoll integriert ist.

Schlüsselwörter

Sichtung Triage Massenanfall von Verletzten Intoxikation Dekontamination 

The extended mSTaRT

Algorithm for mass casualty incident and hazmat management

Abstract

Background

Any kind of mass casualty incident poses a tremendous challenge to emergency medical services regarding both material and human resources. The possible presence of hazardous materials on the scene aggravates such a severe incident significantly. Therefore a triage system should adequately address this problem without needlessly complicating the triage procedure.

Methods

Following a tear gas assault in a shopping arcade in Munich, an expert group has identified and included this relevant aspect as an essential and necessary improvement to the new mSTaRT-Algorithm Trauma & Hazmat. The algorithm has come into effect as new official operational standard for all Munich fire and emergency medical services regarding mass casualty incidents. It covers the aspects of identifying the possible presence of hazardous materials, triage, emergency treatment and transport priorities. The recognition of a possible contamination as well as the appropriate reaction are implemented for each patient category. Moreover, the specific diagnoses of head trauma, inhalation trauma with stridor and possible intoxication have been included as part of the retriage procedure, taking evidence of recent studies into account.

Results

This new algorithm for mass casualty incidents adequately covers any possible contamination with chemical agents.

Keywords

Hazardous substances Chemical hazard release Disaster Intoxication Decontamination 

Notes

Einhaltung der ethischen Richtlinien

Interessenkonflikt. K.I. Hiereth, P. Hornburger, F. Eyer, S. Gerstenhöfer, G. Schmöller, St. Prückner, U. Kreimeier, M. Angstwurm und K.-G. Kanz geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht. Dieser Beitrag beinhaltet keine Studien an Menschen oder Tieren.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013

Authors and Affiliations

  • K.I. Hiereth
    • 5
  • P. Hornburger
    • 1
  • F. Eyer
    • 3
  • S. Gerstenhöfer
    • 1
  • G. Schmöller
    • 1
  • S. Prückner
    • 2
  • U. Kreimeier
    • 2
  • M. Angstwurm
    • 4
  • K.-G. Kanz
    • 6
  1. 1.Branddirektion MünchenMünchenDeutschland
  2. 2.Klinik für AnästhesiologieKlinikum der Universität MünchenMünchenDeutschland
  3. 3.Klinische ToxikologieKlinikum rechts der Isar, Technische Universität MünchenMünchenDeutschland
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  5. 5.Sanitätsdienst der BundeswehrMünchen-
  6. 6.Klinik und Poliklinik für UnfallchirurgieKlinikum rechts der Isar, Technische Universität MünchenMünchenDeutschland

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