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Schmerzmedizin

, Volume 35, Issue 6, pp 56–56 | Cite as

Interview

DMP Rückenschmerz: Einschreibung ab 2020?

  • Springer Medizin
DGS
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Die Einrichtung des DMP „Chronischer Rückenschmerz“ ist wichtig und richtig. Doch es gibt noch offene Fragen der praktischen Umsetzung.

„Wir sind überzeugt, dass das DMP Rückenschmerz sich auch volkswirtschaftlich rechnen wird.“

Dr. Thomas Cegla

Chefarzt der Schmerzklinik am Helios Universitätsklinikum Wuppertal und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. (DGS)

? Seit 1. Oktober 2019 gelten die Anforderungen für das neue Disease Management Programm (DMP) „Chronischer Rückenschmerz“. Wie bewerten Sie das Programm?

Dr. Thomas Cegla: Es ist gut, dass damit anerkannt wird, wie bedeutsam Rückenschmerzen in unserer Gesellschaft sind. Nun kommt es darauf an, diese Hülle mit Inhalten zu füllen. Da sehen wir als Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin noch einige offene Fragen bei der praktischen Umsetzung. So sollen in erster Linie Hausärzte die Koordination der teilnehmenden Therapeuten und Fachdisziplinen übernehmen. Dabei ist die flächendeckende hausärztliche Versorgung bereits heute nicht überall gesichert, ganz abgesehen von den vielfältigen Aufgaben, die die Hausärzte bereits übernehmen müssen.

Genannt werden auch Orthopäden und Unfallchirurgen. Aber ausgerechnet jene Arztgruppe, die sich konsequent an biopsychosozialen Schmerzmodellen orientiert und an der Qualitätssicherungsvereinbarung Schmerztherapie teilnimmt, also Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Schmerztherapie, werden im G-BA-Beschluss nicht erwähnt. Gewundert hat mich auch, dass bei den Beratungen seitens der Patientenorganisationen die Deutsche Schmerzliga nicht einbezogen worden ist. Wir sind aber überzeugt, dass das DMP Rückenschmerz eine gute Sache werden und sich letztlich auch volkswirtschaftlich rechnen wird.

? Teilnahmevoraussetzung ist, dass die Kreuzschmerzen länger als zwölf Wochen bestehen, mit deutlichen Aktivitätseinschränkungen einhergehen und nicht auf die leitliniengerechte Therapie angesprochen haben. Wie interpretieren Sie das?

Cegla: Das kann man so oder so sehen. Hat der Patient bereits physiotherapeutische Maßnahmen wahrgenommen? In der Regel ja. Hat er bereits eine empfohlene analgetische Therapie erhalten? Wahrscheinlich schon. Hat er psychologische Verfahren bekommen? Wahrscheinlich nicht. Ich würde es im Moment so interpretieren: Die Patienten sind bereits in einer Weise behandelt worden, die den meisten normalerweise hilft.

? Ein kontroverser Diskussionspunkt bei den Beratungen waren Schulungen der Patienten ...

Cegla: Die Idee ist richtig. Im Augenblick haben wir aber nur die Überschrift und keinen Text dazu. Wie diese Schulungen aussehen sollen, welche Rolle sie im Gesamtkonzept spielen werden und wer sie mit welcher Qualifikation anbieten kann, auch das bedarf noch Antworten. Hier werden die schmerzmedizinischen Fachgesellschaften sicher Angebote machen.

? Ab wann, schätzen Sie, werden sich Patienten einschreiben können?

Cegla: Die Zusteuerungskriterien müssen noch definiert, die einzelnen Akteure im DMP zusammengebracht werden und ich habe noch keine Informationen zur Honorierung. Sollte es gelingen, diese und weitere Punkte zügig zu regeln, könnten sich im Laufe des kommenden Jahres womöglich die ersten Patienten einschreiben.

! Herr Dr. Cegla, vielen Dank für das Gespräch.

Literatur

  1. Das Gespräch führte Thomas Meißner.Google Scholar

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