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Schmerzmedizin

, Volume 35, Issue 6, pp 19–19 | Cite as

Biologika bei Schmerzen im unteren Rücken: Bisher noch nicht überzeugend

  • Barbara Kreutzkamp
Literatur kompakt
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Ob antiinflammatorische Biologika wie TNF-α-Blocker Patienten mit chronischen Schmerzen des unteren Rückens oder Ischialgie helfen, ist nicht eindeutig geklärt. Ein narratives Review fasst die Evidenz zusammen.

In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert.

Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

Schmerzen im unteren Rücken („low back pain“, LBP) und radikuläre, ausstrahlende Schmerzen bei Ischialgie sind meist selbstlimitierend, können aber auch chronifizieren und die Patienten in vielen Lebensbereichen stark belasten. Sind alle gängigen Therapieverfahren ausgereizt, stehen zytokinhemmende Biologika als Therapiereserve auf der Liste — vor allem Inhibitoren des Tumornekrosefaktors-α (TNF-α) und des Nervenwachstumsfaktors (NGF).

Rationale für deren Einsatz sind die entzündlichen Komponenten in der LBP- oder Ischias-Pathologie, hervorgerufen unter anderem durch die Nerven- oder Bandscheibenkompression. Über den Stellenwert der antientzündlich wirksamen Biologika in der LBP-Behandlung wird derzeit aber noch gestritten.

Ein interdisziplinäres Autorenteam erstellte deshalb ein narratives Review, in das sowohl Metaanalysen als auch zusätzliche Einzelstudien einbezogen wurden. Das Ergebnis bestätigt die derzeitige Kontroverse: In einigen Beobachtungsstudien mit TNF-α-Inhibitoren war tatsächlich ein Effekt auf Schmerzintensität und Funktion bei LBP-Patienten messbar, in randomisierten kontrollierten Studien und Metaanalysen ließ sich dagegen insgesamt kein statistisch signifikanter Therapieeffekt errechnen. Lediglich das Risiko für einen invasiven Eingriff wurde durch die Biologika etwas reduziert. Etwas besser sah es bei Anti-NGF-Medikamenten wie Tanezumab aus. In kontrollierten Phase-II-Studien besserten sich zwar Schmerz und Funktion etwas, die klinische Relevanz fiel nach Einschätzung der Autoren aber allenfalls mäßig aus.

Für eine allgemeine Schlussfolgerung waren die Studien jedoch zu heterogen, diskutieren die Autoren. Psychologische Faktoren, Dosierung und möglicherweise ein zeitlich verzögertes Einsetzen eines klinischen Effekts wurden bisher zu wenig berücksichtigt. Weitere Studien mit verbesserter Methodik und stringenterer Probandenselektion sollten folgen und dabei auch Biologika berücksichtigt werden, die andere proinflammatorische Zytokine wie Interleukin-1 (IL-1), IL-1β oder IL-6 beziehungsweise Chemokine oder Prostaglandine beeinflussen.

Fazit: Chronische Schmerzen im unteren Rücken mit und ohne Ischialgie sprechen auf eine Behandlung mit antientzündlichen Biologika wie TNF-α-Inhibitoren bisherigen Studien zufolge kaum an. Gezieltere Untersuchungen, etwa mit schwer betroffenen jüngeren Patienten oder zum Einsatz von Biologika mit anderen Zielzytokinen, stehen aber noch aus.

Viele Studien zur Frage, ob Biologika bei Schmerzen im unteren Rücken wirken, widersprechen sich.

© BigBlueStudio / stock.adobe.com

Literatur

  1. Dimitroulas T et al. Biologic drugs as analgetics for the management of low back pain and sciatica. Pain Med 2019;20:1678–86CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Barbara Kreutzkamp
    • 1
  1. 1.

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