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Schmerzmedizin

, Volume 35, Issue 6, pp 16–16 | Cite as

Migräne bei heranwachsenden Mädchen

Je früher die Pubertät, desto höher das Migränerisiko

  • Lamia Özgör
Medizin aktuell
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Die Pubertät beginnt bei jungen Mädchen heutzutage früher als in den Generationen zuvor und auch die erste Regelblutung setzt bei ihnen immer früher ein. Dass all das mit einem erhöhten Risiko für Migräne verbunden ist, untermauert eine Arbeitsgruppe aus Cincinnati.

Vor allem die Östrogenkonzentrationen während der Pubertät scheinen über das Migränerisiko zu entscheiden.

© golero / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Den Zusammenhang zwischen dem Alter, in dem Mädchen bestimmte Stadien der Pubertät erreichen, und dem Auftreten von Migräne bei Heranwachsenden behandelte Professor Vincent Martin, Ko-Direktor des „Headache and Facial Pain“-Programms der Universität von Cincinnati, USA, in seinem Vortrag auf dem diesjährigen Kongress der American Headache Society in Philadelphia. Bei Mädchen käme es immer früher zur Menarche, erklärte der Neurologe, bei den zwischen 1980 und 1984 Geborenen setzte die erste Regelblutung etwa in einem Alter von durchschnittlich 12,4 Jahren ein, bei Mädchen, die vor 1920 geboren waren, war das noch ein Jahr später. Als mögliche Gründe dafür nannte Martin den Einfluss von Chemikalien im Plastik, veränderte Lebensumstände, aber auch Faktoren wie Übergewicht.

Einen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Menarche und der Migräneprävalenz sowie der Prävalenz für andere Schmerzerkrankungen in heranwachsenden Mädchen hatten bereits andere Gruppen festgestellt [1, 2]. „Bislang wurde aber immer nur die Menarche untersucht, niemand hat je überprüft, ob es auch eine Assoziation mit anderen Stadien der Pubertät gibt“, erklärte Martin. Dabei spielten in unterschiedlichen Pubertätsstadien ganz unterschiedliche Hormone eine Rolle. In der Thelarche etwa käme es erstmals zu einer großen Zunahme der Östrogene im Körper und während der Pubarche kämen vor allem Androgene zum Tragen.

Mit 15 Jahren hatten 11 % der Mädchen Migräne

Um sich einen differenzierten Überblick über den Zusammenhang zwischen dem Einsetzen eines bestimmten Pubertätsstadiums und dem Auftreten von Migräne zu verschaffen, begleiteten Martin und sein Team mehr als 1.200 Mädchen zwischen 6 und 8 Jahren über einen Zeitraum von nahezu 10 Jahren und bestimmten anhand der Tanner-Stadien Thelarche, Pubarche und Menarche. Am Ende der Studie — die Mädchen waren nun durchschnittlich 15,6 Jahre alt — wurde anhand eines Fragebogens eine mögliche Migräne erfasst. Insgesamt hatten unter den Studienteilnehmerinnen 11 % eine Migräne, 7 % womöglich Migräne und 82 % hatten keine Migräne.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Mädchen, die an Migräne litten, tatsächlich tendenziell früher das Thelarche-Stadium erreicht hatten als Mädchen ohne Migräne (mit durchschnittlich 8,91 Jahre vs. 9,34 Jahren, p = 0,0075). Einen Zusammenhang gab es auch beim Zeitpunkt der Menarche: Heranwachsende mit Migräne hatten ihre erste Regelblutung im Schnitt ein halbes Jahr vor denen, die keine Migräne hatten (11,82 Jahre vs. 12,32 Jahre, p = 0,003). Für die Menarche und Thelarche galt, dass mit jedem Jahr, mit dem sich der Beginn dieses Stadiums in den Mädchen verzögert, das relative Risiko, eine Migräne zu entwickeln, um circa 25 % abnahm. Für die Pubarche ließ sich kein solcher Zusammenhang feststellen. Das könne bedeuten, diskutierte Martin, dass es das Risiko für Migräne in heranwachsenden Mädchen erhöhe, früh in der Entwicklung Östrogenen ausgesetzt zu sein.

Literatur

  1. 1.
    Maleki N et al. Age at menarche and risk of developing migraine or non-migraine headaches by young adulthood: A prospective cohort study. Cephalalgia 2017;37:1257–63CrossRefGoogle Scholar
  2. 2.
    Aegidius KL et al. Increased headache prevalence in female adolescents and adult women with early menarche. The Head-HUNT Studies. Eur J Neurol 2011;18:321–8CrossRefGoogle Scholar

Literatur

  1. Vortrag “Pubertal maturation and its association with migraine headache in adolescent girls”, 61. Kongress der American Headache Society (AHS), Philadelphia/USA, 13. Juli 2019Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Lamia Özgör
    • 1
  1. 1.

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