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Schmerzmedizin

, Volume 35, Issue 3, pp 21–21 | Cite as

Wie steht es in Deutschland mit den Opioiden?

  • Christine Starostzik
Literatur kompakt
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In einer aktuellen Studie wurde bei einem Viertel der Patienten unter Langzeittherapie mit Opioiden wegen chronischer Nichtkrebsschmerzen eine Opioidsubstanzstörung diagnostiziert.

Angesichts der Opioidkrise in den USA wollten Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Bonn abschätzen, ob ähnliches auch hierzulande denkbar wäre. Um den Anteil der Patienten mit Opioidsubstanzstörung („opioid use disorder“, OUD) zu erfassen, befragten sie 204 ambulante Patienten aus vier Kliniken im Raum Bonn. Beim Abholen ihres Rezepts füllten die im Schnitt 62-jährigen Studienteilnehmer einen Fragebogen aus. Alle Patienten waren wegen chronischer Nichttumorschmerzen seit mehr als sechs Monaten unter Opioiden, zumeist wegen Rücken-, Gelenk- oder Nackenschmerzen. 59 % der Teilnehmer wurden bereits mehr als vier Jahre mit Opioiden behandelt. Mindestens zwei von elf Kriterien mussten für die Diagnose OUD zutreffen. Unter anderem wurde gefragt, ob Opioide häufig in größeren Mengen oder über einen längeren Zeitraum als vorgesehen eingenommen würden und die Einnahme willentlich schlecht kontrolliert werden könne. Auch wurden Fragen nach der Leistungsfähigkeit in Schule und Job unter wiederholter Opioidanwendung gestellt.

Bei 26,5 % der Befragten wurde eine OUD festgestellt, in 9,3 % der Fälle als moderat oder schwer eingestuft. In der Regressionsanalyse zeigte sich als einzige signifikante Korrelation das Alter der Patienten: Mit jedem zusätzlichen Lebensjahr sank die Wahrscheinlichkeit für eine OUD um 3 %. Die in dieser Studie ermittelten Daten liegen im Bereich der OUD-Raten anderer Länder, mit 21–41 % in den USA sowie 21 % in Australien.

Gemäß ihrer Daten raten die Autoren, Personen unter Opioid-Langzeittherapie wegen chronischer Nichtkrebsschmerzen als Risikogruppe für OUD anzusehen. Vor allem bei moderaten oder schweren OUD benötigten sie Unterstützung durch einen Suchtexperten.

Fazit: Mehr als ein Viertel der Nichtkrebspatienten unter einer Langzeittherapie mit Opioiden erfüllt die Kriterien der Diagnose OUD. Jedoch beziehen sich die Studiendaten nur auf vier Kliniken im Raum Bonn.

Literatur

  1. Just JM et al. Opioid use disorder in chronic non-cancer pain in Germany: a cross sectional study. BMJ Open 2019;9(4):e026871CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Christine Starostzik
    • 1
  1. 1.

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