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Schmerzmedizin

, Volume 35, Issue 3, pp 21–21 | Cite as

Behandlungsversuch mit lokalem Ambroxol bei therapieresistenter Trigeminusneuralgie

  • Barbara Kreutzkamp
Literatur kompakt
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Die topische Gabe des als Expektorans bekannten Ambroxol reduziert bei therapieresistenter Trigeminusneuralgie Schmerzintensität und Attackenhäufigkeit, so das Ergebnis einer Fallserie mit fünf Patienten. Vermittelt wird der Effekt durch eine Natriumkanalblockade.

Die Behandlung von Patienten mit einer Trigeminusneuralgie ist nach wie vor unbefriedigend. Mittel der ersten Wahl sind Inhibitoren der spannungsaktivierten Natriumkanäle (NaV), in erster Linie die Antiepileptika Carbamazepin und Oxcarbazepin. Neben Unverträglichkeitsreaktionen limitieren vor allem bei Carbamazepin auch zahlreiche Wechselwirkungen den Einsatz. In der Zweitlinie stehen dann unspezifische NaV-Inhibitoren wie andere Antikonvulsiva oder trizyklische Antidepressiva zur Verfügung. Spezifische NaV-Blocker zur Analgesie bei Trigeminusneuralgie sind in Entwicklung.

Doch schon jetzt bietet sich mit topischem Ambroxol eine neue Option an. Die bisher vorwiegend als Expektorans eingesetzte Substanz wirkt stark anästhesierend (40 mal stärker als Lidocain) und hemmt bevorzugt den Natriumkanal-Subtyp NaV-1.8, der sich vor allem auf nozizeptiven C-Fasern findet und beim trigeminalen Schmerz eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Verarbeitet als Creme kommt Ambroxol bereits bei anderen neuropathischen Schmerzentitäten wie der postherpetischen Neuralgie oder der postoperativen Neuralgie zum Einsatz. Eine retrospektive Fallauswertung zeigt das Potenzial der neuen Option bei der Trigeminusneuralgie.

Beschrieben werden die Fälle von fünf Patienten mit Trigeminusneuralgie, überwiegend therapierefraktär gegen Carbamazepin oder Oxcarbazepin. An drei verschiedenen Schmerzzentren erhielten sie eine 20 % Ambroxol-Creme, aufgetragen zwei- bis dreimal täglich auf den schmerzenden Bereichen.

Vor Behandlungsbeginn berichteten alle Patienten über triggerbare Schmerzattacken mit Intensitäten zwischen 4 und 10 auf der numerischen Schmerzskala (NRS), drei Patienten hatten zusätzlich auch spontane Schmerzattacken. Der analgetische Effekt der Creme trat innerhalb von 15 bis 30 Minuten auf und hielt über 4–6 Stunden an. Die Attackenfrequenz ging bei allen Patienten zurück, bei einem Patienten waren die Schmerzen nach einer Woche vollständig verschwunden. Die Schmerzintensität reduzierte sich auf 2–8 NRS-Punkte. Hautveränderungen oder andere Nebenwirkungen traten nicht auf, bei zwei der fünf Patienten konnte die orale Therapie reduziert werden.

Fazit: Bei Patienten mit einer therapieresistenten Trigeminusneuralgie lohnt ein Therapieversuch mit einer 20 %igen Ambroxol-Creme. In einer kleinen Fallserie mit fünf Patienten gingen Attackenhäufigkeit und Schmerzintensität zurück, Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.

Literatur

  1. Kern KU et al. Topical ambroxol 20% for the treatment of classical trigeminal neuralgia — a new option? Initial clinical case observations. Headache 2019;59:418–29CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Barbara Kreutzkamp
    • 1
  1. 1.

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