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Schmerzmedizin

, Volume 34, Issue 5, pp 41–41 | Cite as

Typischer Symptom-Cluster lenkt den Verdacht auf ein Fibromyalgie-Syndrom

  • Thomas Meißner
DGS Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V.
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Das Fibromyalgie-Syndrom ist seit über 25 Jahren ein anerkanntes Krankheitsbild. Definition, Klassifikation und Diagnose des Beschwerdebildes sind aber nach wie vor umstritten.

Beim Fibromyalgie-Syndrom (FMS) handelt es sich um chronische Schmerzen der Muskulatur und/oder der Sehnen-Knochenübergänge in mehreren Körperregionen, und dies in Verbindung mit nicht erholsamem Schlaf und Erschöpfungsneigung. Begleitet werden die Symptome gegebenenfalls von kognitiven Symptomen und vegetativen Beschwerden, etwa des Gastrointestinaltrakts, der Harnwege oder des Herzens.

Das FMS wird also durch ein Symptom-Cluster definiert. Seit das American College of Rheumatology (ACR) im Jahre 2010 seine Kriterien zum FMS aktualisiert hat, ist die früher geforderte Druckschmerzhaftigkeit von mindestens 11 von 18 Tenderpoints nicht mehr unbedingt erforderlich. „Das Fibromyalgie-Syndrom ist keine reine Ausschlussdiagnose mehr, sondern beruht auf einem typischen klinischen Symptomenkomplex“, betonen Dr. Oliver Emrich aus Ludwigshafen und seine Kollegen in der PraxisLeitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS).

Auch in der 2017 aktualisierten AWMF-Leitlinie heißt es vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Auffassungen zum FMS ausdrücklich, dass das Syndrom nicht pauschal gleichzusetzen sei mit einer anhaltenden somatoformen oder chronischen Schmerzstörung oder mit einer somatischen Belastungsstörung. Denn nur ein Teil der FMS-Patienten habe entsprechende Störungen. Sie seien deshalb als Komorbiditäten des FMS aufzufassen. Das FMS wird also als funktionelles somatisches Syndrom angesehen, das mit psychischen Störungen einhergehen kann (Schmerz 2017; 31(3): 231–238).

Derzeit wird davon ausgegangen, dass in den westlichen Industrienationen zwei Prozent der Bevölkerung an FMS leiden, vor allem Frauen zwischen 40 und 60 Jahren. Im Vordergrund steht der Schmerz, die Intensität der anderen Symptome kann sehr unterschiedlich ausfallen. Der etablierte ACR-Fragebogen zum FMS liegt auch in deutscher Übersetzung vor. Das Resultat sei „ein wichtiger Hinweis, beweist aber keineswegs das Vorliegen eines FMS“, heißt es in der DGS-PraxisLeitlinie. Initial sollen Ursachen, die ähnliche Symptome auslösen können, ausgeschlossen werden.

Fehlen bei typischem Beschwerdekomplex klinische Hinweise auf andere Erkrankungen, sollen weitere technische Untersuchungen unterlassen werden. Empfohlen wird dagegen ein Screening auf Ängste und Depressionen. Die Leitlinien-Autoren erachten es als wichtig, den Patienten zu vermitteln, dass FMS nicht zur Invalidität führt und die Lebenserwartung nicht herabgesetzt ist. Heilbar ist FMS allerdings kaum.

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Authors and Affiliations

  • Thomas Meißner
    • 1
  1. 1.

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