Advertisement

Schmerzmedizin

, Volume 34, Issue 5, pp 37–37 | Cite as

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Walter Zieglgänsberger

Pionier der Schmerzforschung erhält Bundesverdienstkreuz

  • Johannes Horlemann
  • Gerhard H. H. Müller-Schwefe
Article
  • 10 Downloads

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. gratuliert Professor Dr. med. Dr. h.c. Walter Zieglgänsberger von Herzen und mit großer Freude anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Sein Wirken, insbesondere seine Forschungsarbeit werden mit dieser hohen Auszeichnung angemessen gewürdigt.

Walter Zieglgänsberger beschäftigte sich forschend mit chronischem Schmerz bereits in einer Zeit, als der Begriff und die Mechanismen der „Schmerzchronifizierung“ weder bekannt noch akzeptiert waren. Er hat maßgeblich die molekularen Grundlagen dieser Chronifizierungsprozesse bei Schmerzpatienten aufgedeckt, sodass ein grundlegend besseres Verständnis komplexer, zentraler und peripherer Prozesse entstand, nicht nur in der Forschung, sondern auch bei den Behandlern. Aus den Ergebnissen der Grundlagenforschung veränderte sich die Therapie in der Praxis, umgekehrt hat die praktische Umsetzung, in enger Zusammenarbeit mit praktisch tätigen Schmerzmedizinern insbesondere in der DGS e.V., die Ausrichtung der Forschungstätigkeit von Zieglgänsberger inspiriert.

Zieglgänsberger wurde 1940 in Landshut geboren. Er studierte Humanmedizin am der LMU in München und fertigte 1967 eine Dissertation am Max Planck-Institut (MPI) für Psychiatrie in München an. Diesem Institut blieb er lebenslang verbunden. 1976 habilitierte er sich in den Fächern Physiologie und Pharmakologie. Er forschte in vielen Ländern in Europa und den USA, ab 1984 leitete er bis zu seiner Emeritierung 2005 die Arbeitsgruppe „Klinische Neuropharmakologie“ am MPI München. Er ist Mitglied zahlreicher hochrangiger medizinischer Kommissionen und Gesellschaften und Träger zahlreicher Preise, unter anderem erhielt er den Sertürner Preis für sein Lebenswerk.

Forscher und Lehrer

Zieglgänsberger kann mit Fug und Recht als Pionier der Schmerzforschung bezeichnet werden — und dies seit Jahrzehnten. Neben seiner Forschung ist er Lehrer und Vortragender für Studenten und Schüler sowie auf Kongressen. Im Laufe seiner wissenschaftlichen Tätigkeit hat er mehr als 250 Originalarbeiten hochrangig publiziert. Höhepunkt seiner schmerzmedizinischen Forschung waren Arbeiten zur neuronalen Plastizität auf der Ebene des Hinterhorns des Rückenmarks (Vergrößerung und Verkleinerung der rezeptiven Felder von Hinterhornneuronen durch Glutamat und GABA). Zwischen 1969 und 1971 hatte Zieglgänsberger seine wissenschaftlichen Arbeiten über glutamaterge synaptische Übertragungsmechanismen im Rückenmark begonnen. Diese Mechanismen sind heute als Grundlage neuronaler Plastizität im Lernen und in Gedächtnisfunktionen anerkannt.

Ein Meilenstein in der Forschung waren erste Untersuchungen zu NMDA in Deutschland (Glutamat als Transmitter). Intensiv hat er sich mit der Hemmwirkung von Opiaten auf inhibitorische Interneurone auseinandergesetzt und diese erstmals nachgewiesen. Auch hat der sich mit Toleranz- und Abhängigkeitsentwicklung beschäftigt. Stets hat er sich bemüht, molekularbiologische Ergebnisse mit der praktischen Medizin abzugleichen, um eine zeitgerechte multimodale Schmerzmedizin zu unterstützen.

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin hat Walter Zieglgänsberger bereits erstmals 1990 für seine bahnbrechenden Forschungen zur Neuroplastizität und erneut 1999 für sein Lebenswerk mit dem Deutschen Schmerzpreis geehrt. Wir freuen uns, dass mit dieser erneuten Ehrung das herausragende Engagement von Walter Zieglgänsberger öffentlich gewürdigt wird. Von Seiten der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. übersenden wir unsere herzlichsten Glückwünsche.

Prof. Dr. Dr. h. c. Walter Zieglgänsberger erhält das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse aus den Händen von Staatsministerin Melanie Huml.

© Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Johannes Horlemann
    • 1
  • Gerhard H. H. Müller-Schwefe
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations