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Schmerzmedizin

, Volume 34, Issue 5, pp 20–20 | Cite as

Leserbrief zu Cegla T. Schmerzmedizin 2018; 34 (4):11

„Neurochirurgen in die Schmerztherapie einbeziehen!“

  • Hendrikus Seyer
Fortbildung
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In der Ausgabe 4/2018 der Zeitschrift „Schmerz- medizin“ erschien eine Pro-und-Kontra-Debatte zu neuromodulativen Verfahren. In seinem Beitrag „Kontra: Invasive Therapiemaßnahmen als monotherapeutischer Ansatz sind abzulehnen“ hat Herr Dr. Thomas Cegla Recht, wenn er anmerkt, dass „Diagnostik und Therapie ... chronischer Schmerzen nur in einem interdisziplinären Team unter Einbeziehung verschiedener Berufsgruppen sinnvoll“ sind. In wieweit aber wird eine Berufsgruppe wie die Neurochirurgen überhaupt einbezogen? Auf den Frankfurter Schmerzkongressen dominiert eine medikamentöse Schmerztherapie, und die Industrieausstellung informiert kaum jemals über invasive Möglichkeiten wie Radiofrequenzläsion, Cryoläsion oder Neurostimulation. Neurochirurgen sind dort eine seltene Randerscheinung. Dabei sollten solche Therapieoptionen in der von Cegla geforderten „Interdisziplinarität und Methodenvielfalt“ als mögliche Bausteine der Schmerzmedizin wahrgenommen und auch wertgeschätzt werden. Die PROCESS-Studie von Kumar et al. [1, 2] ergab, dass die Kombination von Rückenmarkstimulation und Medikamenten wesentlich bessere Ergebnisse bei Failed Back Surgery Syndrome erzielt (48 % Zielerreichung), als die medikamentöse Behandlung allein (9 %). Hier zu fordern, der Patient müsse erst alle anderen konservativen Therapien durchlaufen haben, bis er invasiv behandelt werden dürfe („when all else fails“), trägt vielleicht gerade auch zur weiteren Chronifizierung bei, und wird von den amerikanischen Autoren schon längst nicht mehr so gesehen.

Cegla hat auch Recht, wenn er eine aktive Mitarbeit des Patienten fordert und vor „passivem Konsumverhalten des Patienten“ warnt. Aber: So passiv ist der Patient bei Neuromodulation gar nicht! Wer jemals eine Testelektrode gelegt hat, weiß, wie sehr man auf die Mitarbeit des Patienten für eine effektive Stimulation angewiesen ist. Und auch später, nach endgültiger Implantation, funktioniert die Therapie nur, wenn Stimulationspausen eingelegt werden, die Stimulation je nach Körperlage und Beschäftigung angepasst wird, und der Patient regelmäßig zu Programmierkontrollen kommt.

Fazit: Neuromodulation ist in der Behandlung chronischer Schmerzen kein monotherapeutischer Ansatz, sondern kann im Team der interdisziplinären Schmerzkonferenz als wirksamer Baustein einbezogen werden. Neuromodulation gehört auch nicht notorisch ans Ende der Therapieoptionen, sondern unter Wahrnehmung entsprechender Studien dorthin, wo sie nachgewiesenermaßen wirkt. Damit: ein klares Pro zum Einbeziehen in die Multimodalität!

Literatur

  1. 1.
    Kumar K et al. Spinal Cord Stimulation vs. Conventional Medical Management: A Prospective, Randomized, Controlled, Multicenter Study of Patients with Failed Back Surgery Syndrome (PROCESS Study). Neuromodulation. 2005 Oct; 8(4): 213–8CrossRefGoogle Scholar
  2. 2.
    Kumar K et al. Spinal cord stimulation versus conventional medical management for neuropathic pain: a multicentre randomised controlled trial in patients with failed back surgery syndrome. Pain. 2007 Nov; 132 (1–2):179–88Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Hendrikus Seyer
    • 1
  1. 1.Neurochirurg, SchmerzmedizinErlangenDeutschland

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