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Schmerzmedizin

, Volume 34, Issue 5, pp 12–12 | Cite as

Welches Cannabis-Präparat für welchen Schmerzpatienten?

  • Barbara Kreutzkamp
Literatur kompakt
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Patienten mit chronischen Schmerzen und auch Migräne erhalten nicht zuletzt zur Einsparung anderer Medikamente Cannabis-Präparate. Eine Datenbankanalyse zeigt erstmals, welche Cannabis-Arten beziehungsweise Wirkstoffprofile für welche Schmerzarten bevorzugt eingesetzt werden.

Viele Therapeuten wünschen sich differenzierte Informationen zur Wirksamkeit von Cannabis-Zubereitungen bei verschiedenen Schmerzentitäten und der möglicherweise unterschiedlichen Response auf verschiedene Cannabis-Arten mit ihrer variierenden qualitativen und quantitativen Zusammensetzung Inhaltsstoffen wie Cannabinoiden und Terpenen. Eine erste Studie versuchte nun, die Wirksamkeit unterschiedlicher Cannabis-Zubereitungen bei verschiedenen Schmerz-Phänotypen zu dokumentieren.

In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert.

© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

Einbezogen in die Datenbankstudie waren 2.032 Patienten mit Kopfschmerzen, Arthritis und Schmerzzuständen aufgrund anderer Erkrankungen, deren demografische und medizinische Daten mit dem Cannabis-Verordnungsverhalten unter anderem in Hinblick auf Häufigkeit, Menge und bevorzugter Cannabis-Spezies beziehungsweise bevorzugtem Cannabis-Präparat korreliert.

42,4 % der Patienten hatten Schmerzsyndrome, 29,4 % chronische Schmerzen, 9,3 % Arthritis und 3,7 % Kopfschmerzen. Über alle 21 Erkrankungsindikationen wurde das Symptom Kopfschmerz bei 24,9 % der Patienten mit Cannabis behandelt. In der Befragung von Kopfschmerzenpatienten mit Hilfe des ID-Migräne-Fragebogens hatten 88 % dieser Gruppe mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Migräne. Bei allen Patienten-Subtypen waren Cannabis-Hybriden aus C. sativa- und C. indica-Kreuzungen die bevorzugt verordnete Medikation, bei den Patienten mit einer vermuteten Migräne speziell der Hybrid-Stamm „OG Shark“ mit einem hohen Gehalt an Tetrahydrocannabinol und einem relativ niedrigen Gehalt an Cannabidiolsäure.

Die meisten Patienten versuchten mit der Cannabis-Verordnung Opiate und Opioide zu ersetzen. Das traf auch auf die Patienten mit Kopfschmerz zu, zusätzlich sollten aber auch Antidepressiva und Anxiolytika, nicht steroidale Entzündungshemmer, Triptane, Antikonvulsiva, Muskelrelaxanzien oder Ergotalkaloide eingespart werden.

Fazit: Unter den Schmerzpatienten mit einer Cannabis-Verordnung befanden sich häufig auch Patienten mit einer vermuteten Migräne. Diese Patienten bevorzugten Cannabis-Arten mit hoher analgetischer Potenz sowie antiinflammatorischen und antiemetischen Eigenschaften. Durch die Cannabis-Verordnung wollten die Kopfschmerzpatienten insbesondere Opiate beziehungsweise Opioide einsparen.

Literatur

  1. Baron EP et al. Patterns of medicinal cannabis use, strain analysis, and substitution effect among patients with migraine, headache, arthritis, and chronic pain in a medicinal cannabis cohort. J Headache Pain 2018;19(1):37CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Barbara Kreutzkamp
    • 1
  1. 1.

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