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Gefässchirurgie

, Volume 24, Issue 5, pp 388–398 | Cite as

Kompetenzlevel in der Wundbehandlung

Empfehlungen zur Verbesserung der Versorgungsstruktur für Menschen mit chronischen Wunden in Deutschland
  • M. StorckEmail author
  • J. Dissemond
  • V. Gerber
  • M. Augustin
  • Expertenrat Strukturentwicklung Wundmanagement
Leitthema
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Zusammenfassung

Menschen mit chronischen Wunden sehen sich vielfältigen wund- und therapiebedingten Einschränkungen im Alltagsleben ausgesetzt. Verbunden sind damit neben körperlichen Beeinträchtigungen (z. B. Schmerzen, Geruch und Exsudatmengen) auch Einschränkungen der Selbstständigkeit, des sozialen Lebens und Einschränkungen in Bezug auf ihr Selbstbild. In Deutschland existieren keine Empfehlungen zur Vereinheitlichung einer rechtzeitigen Diagnostik und Therapie, mit dem Ziel einer frühen Intervention. Es wurde daher eine Expertengruppe aus verschiedenen Sektoren des Gesundheitswesens gegründet, um einen Konsensus zu formulieren. In den Empfehlungen sind die interprofessionellen Zuständigkeiten sowie ein Zeitpunkt einer rechtzeitigen Einbeziehung von Fachärzten/spezialisierten Wundzentren definiert. Durch Implementation der erarbeiteten Empfehlungen in das bestehende System kann die Versorgungsqualität von Patienten mit chronischen Wunden flächendeckend verbessert werden.

Schlüsselwörter

Chronische Wunden Versorgungsqualität Frühintervention Wundzentren Expertenkonsens 

Competence levels in wound care

Recommendations for improvement of care structures for patients with chronic wounds in Germany

Abstract

Patients with chronic wounds are highly limited with respect to the activities of daily life due to many wound and treatment-related aspects. Among those limitations are physical impairments (e.g. pain, amount of exudate and odor) and impairments of self-sufficiency and social life including a distortion of the self-image. In Germany, no uniform recommendations exist with respect to early and sufficient diagnostics and treatment of chronic wounds, with the specific aim of an early intervention. Therefore, a multidisciplinary expert group including healthcare providers, insurance companies and a member of the Ministry of Health was constituted to elaborate a consensus statement. In the recommendations the interprofessional responsibilities and the timing of inclusion of specialised physicians and specialized wound centers for the care of such patients are defined. The quality of care of patients with chronic wounds can be improved if the suggested recommendations are comprehensively implemented in the existing healthcare system.

Keywords

Chronic wounds Quality of health care Early Intervention Wound centers Expert consensus 

Einleitung

In Deutschland dauert es im Durchschnitt 3,5 Jahre, bis ein Patient mit einer chronischen Wunde fachärztlich behandelt und einer kausalen Therapie unterzogen wird [1, 2]. Frühere nationale Expertenrunden haben sich bereits mit der Frage einer geeigneten Dokumentation von Therapie und Outcome beschäftigt [3]. Eine Wunde, die nach 8 Wochen nicht abgeheilt ist, wird per Definition als „chronisch“ bezeichnet. Unabhängig von dieser zeitlich orientierten Definition, gibt es Wunden, die von Beginn an als chronisch anzusehen sind, da ihre Behandlung eine Therapie der weiterhin bestehenden Ursache erfordert. Hierzu gehören beispielsweise das diabetische Fußulkus, Wunden bei PAVK, Ulcus cruris venosum oder Dekubitus.

Fest steht, dass die Chance, eine Abheilung zu erreichen, umso höher ist, je früher eine chronische Wunde diagnostiziert und die fachgerechte und medizinisch notwendige Therapie eingeleitet wird.

Es sollte daher auf eine möglichst frühe Intervention und Überleitung in sichere Behandlungspfade gesetzt werden. Die frühere AWMF-Leitlinie zur Lokaltherapie chronischer Wunden setzt dabei eher am Ende der Therapiekette, nämlich bei der Wundauflage nach abgeschlossener Kausaltherapie an [4].

Vor diesem Hintergrund wurde vom Expertenrat das vorliegende Positionspapier entwickelt und konsentiert. Die Empfehlungen treffen sowohl Aussagen zur Diagnostik als auch zur Therapie über alle medizinischen und nicht medizinischen Behandlungsebenen und -institutionen hinweg. Insbesondere ein einheitliches und zielgerichtetes Handeln aller an der Behandlung von chronischen Wunden Beteiligten sowie eine frühe und schnelle Intervention ist von elementarer Bedeutung für eine rasche Wundheilung und somit ein wesentlicher Einflussfaktor auf die Lebensqualität des Patienten.

Rechtzeitige diagnostische Maßnahmen verbessern das Outcome und die Lebensqualität

Die Diagnostik und Therapie sind unabhängig von der jeweiligen Qualifikation der versorgenden Experten und erfolgen für alle Menschen mit chronischen Wunden nach denselben Prinzipien. Je nach Wissen und Erfahrung sollten behandelnde Ärzte und nichtmedizinische Versorger zur Verbesserung der Lebensqualität des Patienten und mit dem Ziel einer schnellstmöglichen Wundheilung weiteres Expertenwissen hinzuziehen. Definierte Diagnostikansätze und Behandlungspfade schaffen eine Übersicht über nötige Einzelschritte, die je nach Erfahrung der behandelnden Ärzte und je nach Indikation in unterschiedlichen Stufen jeweils Diagnoseschritte und Behandlungsziele definieren, die es zu erreichen gilt.

Die beteiligten interprofessionellen und interdisziplinären Kooperationspartner arbeiten in einer offenen Netzwerkstruktur, um zum Wohl der Betroffenen die Versorgung für Menschen mit chronischen Wunden ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich auszurichten. Dies hilft Versorgungsbrüche, Unter‑, Über- und Fehlversorgungen zu vermeiden.

Methode

In 3 Arbeitsgruppen (Diagnostik, Therapie und Versorgungsstruktur) wurden auf der Grundlage von Expertenwissen die Schritte für eine notwendige Frühintervention und die Weiterleitung in eine geordnete und strukturierte Wundversorgung entwickelt.

In mehreren Workshops wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen anschließend diskutiert und konsentiert.

Qualifikation

Der Expertenrat legt Mindestqualifikationsstandards für Handelnde in der chronischen Wundversorgung zugrunde. Der Nachweis erfolgt durch Fortbildung oder spezifisches Erfahrungswissen in der Behandlung chronischer Wunden. Als Basis dient dabei ein von Prof. Dr. Augustin für den Bundesverband der AOK entwickelter Ansatz, der aber weiterentwickelt wurde. Dieses erweiterte Konzept wird am Ende des Artikels dargestellt (Abb. 6).

Zur speziellen Einbindung und Prävention von Risikopatienten wird folgendes Vorgehen (Abb. 1) empfohlen.
Abb. 1

Schema zu Prävention und Therapie chronischer Wunden

Anhand des Schemas haben die Arbeitsgruppen die weiteren Schritte für eine notwendige Frühintervention und die Weiterleitung in eine geordnete und strukturierte Wundversorgung ausformuliert.

Diagnostik

Die ärztliche Basisdiagnostik, die weiterführende Diagnostik und die unterschiedlichen Indikationen und Level der Behandlungsschritte sind wesentliche Eckpunkte einer adäquaten Versorgung chronischer Wunden. Beschrieben werden in diesem Papier dabei die Einzelschritte der Diagnostik nach bestehenden Standards. Sollte ein behandelnder Arzt nicht über bestimmte Diagnostikmöglichkeiten verfügen, so ist anzustreben, den Diagnoseschritt durch entsprechende Netzwerkpartner zu erreichen. Damit dies gewährleistet ist, bedarf es einer engmaschigen Verlaufskontrolle bis zum Erreichen einer vollständigen Diagnose. Erst danach ist es möglich, einen der Situation angemessenen Therapieplan zu erstellen (Abb. 2).
Abb. 2

Diagnostikschritte für chronische Wunden für verschiedene Indikationen

Therapie

Die anzuwendenden Therapien für unterschiedliche Indikationen und Diagnosen sowie die eingebundenen Versorgungspartner wurden durch die Arbeitsgruppe Therapie bearbeitet und strukturiert dargestellt (Abb. 34 und 5). Als Orientierung hat die Expertengruppe zusätzlich Anforderungen an einen Mindestqualifikationsstandard der Therapieakteure aufgeführt.
Abb. 3

Ziele und therapeutische Maßnahmen für verschiedene Indikationen einschließlich der Behandlungsebenen und Kompetenzen (Teil 1). DFS Diabetisches Fußsyndrom

Abb. 4

Ziele und therapeutische Maßnahmen für verschiedene Indikationen einschließlich der Behandlungsebenen und Kompetenzen (Teil 2)

Abb. 5

Ziele und therapeutische Maßnahmen für verschiedene Indikationen einschließlich der Behandlungsebenen und Kompetenzen (Teil 3). DFS Diabetisches Fußsyndrom, PAVK periphere arterielle Verschlusskrankheit

Empfehlung: Versorgungsstruktur in Form eines Netzwerks

Die Arbeitsgruppe Versorgungsstruktur empfiehlt unbedingt den Aufbau eines Versorgungsnetzwerks für die Behandlung von Patienten mit chronischen Wunden.

Im Folgenden wurden drei Thesen formuliert, die für die Schaffung eines interprofessionellen Netzwerks von elementarer Bedeutung sind.

Thesen einer interprofessionellen Arbeitsgruppe im Rahmen der jeweiligen Versorgungsstruktur

  1. 1.

    Keine Berufsgruppe kann eine adäquate Wundversorgung chronischer Wunden alleine bewältigen. Die Herausforderungen für eine interprofessionelle, interdisziplinäre und transsektorale Versorgung im Bereich von chronischen und/oder palliativen Wunden sind groß.

     
  2. 2.

    Grundlage für die verschiedenen Phasen der Versorgung ist ein partnerschaftliches Miteinander auf Augenhöhe unter Beachtung und Anerkennung der gegenseitigen Kompetenzen.

     
  3. 3.

    Es sollte ein Ablauf angestrebt werden, der für alle beteiligten Berufsgruppen transparent, kontinuierlich und qualitätsgesichert ist. So können sich alle Beteiligten auf die Vorarbeiten der anderen Berufsgruppen verlassen und auf diesen aufbauen.

     

Aufgaben und Zielsetzung des Netzwerks

  • Das Netzwerk sichert die interprofessionelle, interdisziplinäre und transsektorale Versorgung im Bereich von chronischen Wunden und/oder palliativer Wundbehandlung.

  • Vernetzte Versorgung vermeidet Unter‑, Über- und Fehlversorgung.

  • In diesem Netzwerk arbeiten die Versorgungsbereiche und die an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen transparent, kontinuierlich und qualitätsgesichert zusammen. Die Zusammenarbeit erfolgt schnittstellenübergreifend.

  • Die am Netzwerk Beteiligten erarbeiten zunächst die in der Region notwendigen Struktur- und Prozesskriterien, um dann gemeinsam die Aufgaben, die Verantwortlichkeiten und den Weg der Kommunikation zu definieren.

  • Zur Selbstorganisation benennt das Netzwerk eine Netzwerkkoordination.

  • Das Netzwerk entwickelt Standards für alle erforderlichen Prozessschritte für eine hochwertige Versorgung von chronischen Wunden.

  • Das Netzwerk stellt sicher, dass ein Lotse für jeden Wundpatienten zur Verfügung steht. Aufgabe des Lotsen ist die Koordination der Versorgung und der beteiligten Netzwerkpartner.

  • Jeder Netzwerkpartner ist eigenverantwortlich und verpflichtet sich, die Versorgung leitliniengerecht und in der geforderten Sorgfalt, Vollständigkeit, Richtigkeit und Qualität zeitgerecht durchzuführen.

  • Die umfassende Dokumentation aller durchgeführten Schritte ist verpflichtend.

  • Das Dokumentationssystem sollte in der jeweiligen Region aufeinander abgestimmt werden.

  • Das Netzwerk schafft eine gemeinsame Kommunikationsplattform, um einen routinemäßigen, niedrigschwelligen und strukturierten Informationsaustausch zwischen den Beteiligten zu ermöglichen.

  • Das Netzwerk führt regelmäßig Netzwerktreffen, Fallkonferenzen und Qualitätszirkel durch.

Empfehlungen für den Netzwerkaufbau und die Umsetzung der Aufgaben

  • Die Berufsgruppen erarbeiten vor Ort (z. B. in der ambulanten Versorgung, in der stationären Pflegeeinrichtung, im Krankenhaus) gemeinsam eine Verteilung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten, damit Synergieeffekte maximal genutzt werden können.

  • Eine Standardisierung aller erforderlichen Prozessschritte garantiert dabei ein hohes Maß an Sicherheit und Qualität.

  • Die umfassende Dokumentation aller durchgeführten Schritte ist essenziell, um eine maximale Transparenz und Reproduzierbarkeit für alle Beteiligten und für Dritte zu gewährleisten.

  • Alle beteiligten Versorgungsteams übernehmen die Verantwortung für die von ihnen durchgeführten Prozessschritte auf dem aktuellen Stand des medizinischen Wissens, d. h. sie tragen dafür Sorge, dass diese in der geforderten Sorgfalt, Vollständigkeit, Richtigkeit und Qualität zeitgerecht durchgeführt werden.

  • Eine Vereinheitlichung der verwendeten Begrifflichkeiten fördert die Kommunikation zwischen den Berufsgruppen und gewährleistet ein einheitliches Verständnis und eine standardisierte Dokumentation der Prozessschritte.

  • Eine gemeinsame Kommunikationsplattform ist unverzichtbar, um einen routinemäßigen, niedrigschwelligen und strukturierten Informationsaustausch zwischen den Beteiligten, z. B. Ärzte und Fachärzte, Medizinische Fachangestellte, Pflegefachkräfte und Patienten/Angehörige zu ermöglichen.

  • Es sollte jede Möglichkeit genutzt werden, den persönlichen Austausch zwischen den Berufsgruppen zu fördern, z. B. durch interdisziplinäre Visiten oder Qualitätszirkel.

  • Das Netzwerk gibt sich ein Leitbild und eine Geschäftsordnung.

  • Die Netzwerkbildung, die Netzwerkteilnahme und die Zusammenarbeit im Netzwerk müssen mit Interessenvertretern nach rechtlichen Grundlagen erfolgen. Wirtschaftsunternehmen achten die Health Care Compliance.

Netzwerkpartner: Eignung und Qualifikation

Die folgenden Empfehlungen legen dar, über welche notwendigen Qualifikationen die einzelnen Partner verfügen sollten. Grundlage dazu ist die interprofessionelle, interdisziplinäre und transsektorale Zusammenarbeit in einem kooperierenden Verbund unterschiedlicher Berufsgruppen und Institutionen/Strukturen. Darüber hinaus geben die Experten Hinweise darauf, welche Ausstattung die eingebundenen Partner für die Versorgung chronischer Wunden mitbringen sollten.

Einrichtungen

Arztpraxis: Hausarzt/allgemein hausärztliche Versorgung, praktischer Arzt, Arzt für Allgemeinmedizin, Internist ohne Schwerpunkt, Kinder- und Jugendmediziner, Palliativmediziner:
  • Behandlungserfahrung im Umgang mit Menschen mit chronischen Wunden unterschiedlicher Genese und/oder palliativen Wunden

  • Basiswissen über Diagnostik und Behandlung entsprechend der medizinischen Leitlinien:
    • Daraus Ableitung der Entscheidung, bis zu welchen Diagnostik- und Behandlungsschritten diese vom Arzt selbst durchgeführt werden, wann sie nötig sind und ab welchem Schritt weitere Fachdisziplinen hinzugezogen werden

  • Behandlung:
    • Beherrschung verschiedener Débridement-Techniken

    • Auswahl der adäquaten, medizinisch notwendigen Wundtherapie

    • Erkennung und Beherrschung von Wundinfektionen

    • Kompressionsanwendung und -techniken einleiten

    • Hilfsmittelversorgung

  • MFA/Pflegefachkräfte:
    • Kompressionsanwendung und -techniken beherrschen

    • Wünschenswert: Zusatzqualifikation Wundversorgung

    • Nichtärztliche Praxisassistenz (NäPa) als Schnittstelle in der Versorgung sinnvoll

Spezialisten in alphabetischer Reihenfolge, vorausgesetzt werden Erfahrung in der Behandlung von chronischen Wunden sowie Basiswissen über Diagnostik und Behandlung:
  • Allgemeinmediziner mit spezieller wundärztlicher Ausrichtung

  • Angiologen

  • Chirurgen/Fußchirurgen (DFS)

  • Dermatologen

  • Diabetologen:
    • DDG-Zusatzqualifikation diabetisches Fußsyndrom – als anerkannte Schwerpunktpraxis/Fußambulanz/Klinikabteilung, Anforderungsmerkmale der AG-Fuß der Deutschen Diabetologischen Gesellschaft

    • Teilnahme am Disease-Management-Programm „Diabetes“

    • Kenntnis der Grundlagen der Druckentlastung, des „Filzens“ und der Wundtherapie (sog. „Filzen“ dient der Druckentlastung beim diabetischen Fußsyndrom)

  • Gefäßchirurgen

  • Orthopäden/technische Orthopäden

  • Palliativmediziner

  • Phlebologen

  • Plastische Chirurgen/Wiederherstellungschirurgen

  • Schmerztherapeuten

  • Eingebundenes Fachpersonal in den Einrichtungen (wünschenswert: Behandlungserfahrung von chronischen Wunden, Basiswissen über Prävention, Wund- und Kompressionstherapie):
    • MFA

    • Pflegefachkräfte

    • Physician Assistants

Spezielle Einrichtungen und weitere Anlaufstellen

Ambulante Pflegeeinrichtungen (inkl. spezieller Palliativpflege):
  • Unter anderem Einsatz von qualifiziertem Pflegefachpersonal zur Wundversorgung, EDV zur Wunddokumentation, Qualitätsmanagementsystem für Behandlung chronischer Wunden

  • Umsetzung und Einhaltung der Expertenstandards bzw. zertifiziert, zum Beispiel von der Initiative Chronische Wunden e. V. (ICW), Deutsche Gesellschaft für Wundversorgung e. V. (DGfW), der Akademie Kammerlander, Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) oder analoge Standards

  • Pflegefachkräfte:
    • Beherrschung von Kompressionsanwendung und -techniken

    • Beratungs- und edukative Kompetenz

  • Pflegefachkräfte mit Zusatzqualifikation:
    • Zum Beispiel zertifiziert von ICW, DGfW, Kammerlander, DDG oder analoge Standards

    • Beratungs- und edukative Kompetenz

Stationäre Pflegeeinrichtungen:
  • Unter anderem Einsatz von qualifiziertem Pflegefachpersonal zur Wundversorgung, EDV zur Wunddokumentation, Qualitätsmanagementsystem für Behandlung chronischer Wunden

Stationäre Hospize.

Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV).

Einrichtungen der Eingliederungshilfe.

Bedarfsorientierte, ergänzende Professionen

Podologen:
  • Spezielle Kenntnisse zur Prävention, Lokaltherapie, Druckentlastung und zu Risiken beim diabetischen Fuß

Physiotherapeuten:
  • Spezielle Kenntnisse zur Ödemtherapie

  • Manuelle Lymphtherapie

Ernährungsberatung:
  • Schwerpunkt Diabetes

Sonstige Leistungserbringer nach § 126 SGB V

Kenntnisse zur Anwendung und Anleitung für Produkte zur Wundversorgung und Zusatzschulungen für spezifische Hilfsmittel (Kompression, Lagerung, Anti-Dekubitus, Gehhilfen etc.):
  • Orthopädische Fachgeschäfte

  • Apotheken

  • Homecare/Sanitätshaus

  • Orthopädieschuhmacher:
    • DFS-ausgerichtet

    • Spezielle Schuhzurichtung wie TCC, Orthesen, Diabetic-Walker

Netzwerkstrukturen

Das Netzwerk zur Behandlung chronischer Wunden sollte einheitlichen Strukturen folgen. Die Erfordernisse orientieren sich dabei an ICW-Wundsiegelkriterien, der Zertifizierung AG diabetischer Fuß DDG und der Akademie Kammerlander.

Strukturerfordernisse, orientiert an ICW-Wundsiegelkriterien, Zertifizierung AG diabetischer Fuß DDG, Akademie Kammerlander:

Einrichtungen

Arztpraxis:
  • Praxisausstattung zur Wundversorgung: Hygiene, Diagnostik, Behandlungsraum

  • EDV-System zur Wunddokumentation

  • Telematik-Infrastruktur

  • Qualitätsmanagementsystem für Behandlung chronischer Wunden

Klinik/Krankenhaus:
  • Krankenhausinternes Wundmanagement (zum Beispiel Wundkonsildienst mit zugeordneten Wundexperten bzw. qualifizierten Ärzten und Pflegefachkräften in der Wundversorgung) – dezentral/zentral organisiert

  • Entlassmanagement mit Wundmanagement

  • EDV-System zur Wunddokumentation

  • Perspektivisch: regelhaft telemedizinische Technik und Voraussetzungen

  • Telematik-Infrastruktur

  • Qualitätsmanagementsystem für Behandlung chronischer Wunden in Anlehnung an die ICW-Wundsiegelkriterien

  • Realisation der nationalen Expertenstandards (Dekubitus/chronische Wunden/Schmerz) und der entsprechenden Leitlinien

Ambulante Pflegeeinrichtungen: zum Beispiel zertifiziert von ICW, DGfW, Kammerlander, DDG oder analoge Standards.

Spezialisierte Einrichtungen zur Versorgung chronischer Wunden:
  • Zum Beispiel Wundzentrum, Wundambulanz, spez. Pflegedienste etc. zum Beispiel zertifiziert von ICW, DGfW, Kammerlander, DDG oder analoge Standards

Fazit für die Praxis

Ziel der vorgelegten Empfehlungen ist es, die Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden zu verbessern. Ausgehend von der These, dass eine möglichst frühe Intervention bei den Patienten zu einer schnelleren Diagnose und Therapie führt, die ihre Situation erleichtert, haben die beteiligten Experten die Empfehlungen als möglichen Rahmen für eine zukünftige Struktur zur Wundversorgung formuliert. In einem weiteren Schritt wird angestrebt, in möglichst breitem Konsens weitere Maßnahmen zur Versorgungsverbesserung auf Basis dieser Empfehlungen breit zu diskutieren.

Als Übersicht wurde die Darstellung der Zielsetzung für eine optimierte Versorgung chronischer Wunden entsprechend den vorgenommenen Ergänzungen modifiziert. Anstelle der ursprünglich dargestellten Therapieziele wurden die beteiligten interprofessionellen und interdisziplinären Kooperationspartner integriert.
Abb. 6

Weiterentwickeltes Schema zur optimierten Versorgung chronischer Wunden (hier: Indikation Ulcus cruris). (Mod. nach Augustin, M., AOK-BV Abschlussbericht, pers. Mitteilung). HA Hausarzt, FA Facharzt

Notes

Mitglieder des Expertenrats Strukturentwicklung Wundmangement

  • Prof. Dr. Matthias Augustin, Deutscher Wundrat e. V., UKE Hamburg, CV Derm

  • Prof. Dr. Joachim Dissemond, Initiative Chronische Wunden e. V., Deutsche Dermatologische Gesellschaft e. V.

  • Veronika Gerber, Initiative Chronische Wunden e. V.

  • Dennis Grimm, Bundesministerium für Gesundheit

  • Bernd Gruber, Deutscher Pflegerat

  • Michaela Hach, Fachverband SAPV Hessen e. V.

  • Uwe Imkamp, mamedicon GmbH

  • Christiane Lehmacher-Dubberke, AOK-Bundesverband

  • Dr. Stephan Morbach, Chefarzt Diabetologie und Angiologie, Marienkrankenhaus gGmbH

  • Daniela Piossek, Bundesverband Medizintechnologie e. V. (BVMed)

  • Maik Stendera, mamedicon GmbH

  • Prof. Dr. Martin Storck, Deutscher Wundrat e. V., Direktor der Klinik für Gefäß- und Thoraxchirurgie, Städt. Klinikum Karlsruhe

  • Dr. Martin Wieland, Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e. V. (MDS)

  • Dr. Wolfgang Paul Tigges, Wundzentrum Hamburg

  • Moderation: Christof Fischoeder, Fischoeder Kommunikationsberater

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

M. Storck, J. Dissemond, V. Gerber und M. Augustin geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Für diesen Beitrag wurden von den Autoren keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.

Literatur

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Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • M. Storck
    • 1
    • 3
    Email author
  • J. Dissemond
    • 1
    • 2
  • V. Gerber
    • 1
    • 2
  • M. Augustin
    • 1
    • 2
  • Expertenrat Strukturentwicklung Wundmanagement
  1. 1.Deutscher Wundrat GmbHHamburgDeutschland
  2. 2.Initiative Chronische Wunden e. V.QuedlinburgDeutschland
  3. 3.Klinik für Gefäß- und ThoraxchirurgieStädt. Klinikum KarlsruheKarlsruheDeutschland

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