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Amputation wider Willen?

Ethikberatung in der Gefäßchirurgie – ein Beispiel
  • T. LöbbingEmail author
  • K. Kobert
Leitthema
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Zusammenfassung

Ethikberatung etabliert sich zunehmend im Behandlungsalltag deutscher Krankenhäuser. Der Beitrag stellt den Fall eines Patienten mit Vorfußgangrän bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) vor. Der Patient lehnt die dringend indizierte Unterschenkelamputation ab. Seine Einwilligungsfähigkeit wurde nach gerontopsychiatrischem Konsil als nicht gegeben attestiert, das Betreuungsgericht hat bereits eine Zwangsamputation gestattet und der Betreuer hat in die Durchführung der Operation eingewilligt. Der verantwortliche Oberarzt hat aber erhebliche Bedenken gegen diese Vorgehensweise. Obwohl eine klare Weichenstellung durch den beschriebenen rechtlichen Rahmen gegeben ist, wird ein multidisziplinäres Ethikkonsil durchgeführt. Nach gründlicher Analyse der Situation des Patienten wird dabei empfohlen, von dem durch Gericht und Betreuer zunächst vorgezeichneten Weg abzuweichen. Letztlich erweist sich diese Vorgehensweise als im Sinne und zum Wohle des Patienten sowie als hilfreich für das Behandlungsteam.

Schlüsselwörter

Betreuungsgericht Ethikkonsil Ethische Entscheidungsfindung Gefäßmedizin Zwangsbehandlung 

Amputation against the patient’s will?

Ethics consultation in vascular surgery—An example

Abstract

Clinical ethics consultation has become increasingly established during the past two decades in German hospitals. This article presents the case of a patient who suffered from gangrene of the forefoot because of peripheral arterial occlusive disease (PAOD). The patient declined the urgently indicated transtibial amputation. An initiated gerontopsychiatric examination showed that his capacity to consent was limited. The mental health court had already approved execution of the amputation and the legal guardian had given consent to perform the coercive treatment. The responsible senior physician raised strong concerns against this line of action. Despite the clear therapeutic direction determined by the described juridical preconditions, a multidisciplinary ethics case deliberation was carried out. After a thorough analysis of the situation of the patient, the recommendation was made to deviate from the procedure decided by the court and the legal guardian. In the end the recommended course of action turned out to be in accordance with the patient’s will, most beneficial for the patient and helpful for the treatment team.

Keywords

Compulsory/coercive treatment Clinical ethics consultation Ethical decision making Vascular medicine Mental health court 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

T. Löbbing und K. Kobert geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Für diesen Beitrag wurden von den Autoren keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Der dargestellte Fall wird verfremdet dargestellt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.

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Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Klinische Ethik, Evangelisches Klinikum Bethelv. Bodelschwinghsche Stiftungen BethelBielefeldDeutschland

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