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Gefässchirurgie

, Volume 23, Issue 6, pp 404–405 | Cite as

Innovationen in der Shuntchirurgie

  • M. K. Widmer
Einführung zum Thema
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Innovations in vascular access surgery

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

nun sind sie endlich da. Erstmalig hat die Europäische Gesellschaft für Gefässchirurgie (ESVS) in Zusammenarbeit mit der Vascular Access Society (VAS) im Mai 2018 Richtlinien für die Zugangschirurgie publiziert [1]. Das ist gut so, denn im Alltag von Gefäßchirurgen steht die Shuntchirurgie nicht im Fokus von Wissenschaft und Industrie und auch im Operationssaal kommen die Eingriffe meist am Schluss des Programms. Dabei erfordert gerade die Shuntchirurgie eine feine Operationstechnik und strategisches Denken, da auch immer an einen Plan B gedacht werden muss. Bei Revisionseingriffen ist neben technischen Fertigkeiten Operationstaktik gefragt.

Die Shuntchirurgie erfordert eine feine Operationstechnik und strategisches Denken

Die neu veröffentlichten Richtlinien bringen klar zum Ausdruck, dass sich nur sehr wenige Empfehlungen auf ein Evidenz-Level A, d. h. auf große randomisierte Studien, abstützen [2]. Dies ist ein Manko der Shuntchirurgie neben einem geringen Innovationspotential im vergangenen Jahrzehnt. Man darf gespannt sein, was die Empfehlungen der angekündigten neuen Guidelines der National Kidney Foundation Kidney Disease Outcomes Quality Initiative (NKF-KDOQI) und der European Renal Association – European Dialysis Transplant-Association (ERA-EDTA) beinhalten, welche weniger chirurgisch dafür mehr patientenzentriert sein sollen.

Das oben festgestellte fehlende Forschungsinteresse an Fragestellungen zur Shuntchirurgie und möglicherweise der Druck der Ökonomisierung mit einer Fokussierung auf die Dienstleistung führen dazu, dass der Gefässchirurgie kaum mehr Beiträge zu Themen der Zugangschirurgie eingesandt werden. Enttäuschend auch, wenn eingeladene Autoren zugesagte Beiträge nicht, zu spät oder in ungenügender Qualität einreichen. Dann wird es für den Rubrikverantwortlichen fast unmöglich, sein Ziel zu erreichen – nämlich für die Leserschaft eine attraktive Nummer zu gestalten.

Um der myointimalen Hyperplasie entgegenzuwirken, wurde von der Industrie ein externer Nitinol-Stent entwickelt, der die arteriovenöse Anastomose brachiozephal in einem idealen Winkel halten soll, um möglichst einen laminaren Blutfluss zu garantieren. Frau Verena Müller berichtet in einer konsekutiven Serie von 10 Patienten über erste Erfahrungen in ihrer Klinik mit diesem neuen Device. Mit einer Übersichtsarbeit will Tobias Steinke dem Leser die Technik und die ersten Resultate von Studien zu endovaskulär geschaffenen arteriovenösen Fisteln näherbringen. Die Methode steht noch in den Anfängen der Evaluation. Bekanntlich brauchen aber Innovationen Zeit, bis man deren Stellenwert in der Palette von Gefäßzugangsmodalitäten richtig einordnen kann.

Mit dem von Matthias Widmer verfassten Artikel über einen „Knochenfixierten Port als Dialysezugang“ wird erstmals weltweit über klinische Resultate eines neuen Zugangsweges hinter dem Ohr berichtet. Der mit einer Klappe ausgestattete Port, welcher mit einem herkömmlichen Hämodialysekatheter verbunden ist, erlaubt es, mit einem einfachen Konnektor Zugang zur Dialysemaschine zu schaffen. Man darf gespannt sein, wie sich diese Innovation bewährt. Mit dem Kaleidoskop Nr. 3 von Hassan Hakki sind Sie, lieber Leser, wieder um einen Therapievorschlag gebeten.

Der Rubrikverantwortliche freut sich über zahlreiche Behandlungsvorschläge. Gestalten Sie die Zeitschrift mit, schicken Sie uns Ihren Fall zur Diskussion oder Ihre wissenschaftlichen Arbeiten, damit die Leser animiert werden und vom Ihrem Wissen profitieren können.

Im Frühjahr 2018 hat sich Volker Mickley aus Rastatt als Rubrikverantwortlicher der Shuntchirurgie aus dem Board der Zeitschrift Gefässchirurgie zurückgezogen. Er hat über viele Jahre eigene Artikel in der Zeitschrift publiziert oder Autoren aus seinem Netzwerk animiert Beiträge zu schreiben. Die Leitung der Gefässchirurgie dankt Volker Mickley für seine großen Verdienste und wünscht ihm privat wie beruflich alles Gute.

Als neuen Rubrikverantwortlichen haben wir Richard Kellersmann aus Fulda gewinnen können, der im deutschsprachigen Raum in Sachen Shuntchirurgie kein Unbekannter ist. Wir freuen uns auf seine Unterstützung und auf seine Ideen zur Gestaltung von lesenswerten Seiten.

Zum Abschluss schweift der Blick noch nach Europa. Im April 2018 hat Jan Tordoir aus Maastricht seine klinische Tätigkeit aufgegeben. Er hat über viele Jahre die Shuntchirurgie in Europa vorangebracht, den Bereich Shuntchirurgie im Rahmen des European Vascular Course positioniert und war 1997 Mitbegründer der Vascular Access Society, deren Präsident er von 2005 bis 2007 war. Er hat in diversen Zeitschriften unzählige Originalarbeiten veröffentlicht und durfte deshalb anlässlich seiner Emeritierung von der Universitätsklinik von Maastricht, den „Dutch Honorary Award“ entgegennehmen. Wir gratulieren Jan Tordoir zu dieser hohen und verdienten Ehre, hat er doch entscheidend mitgeholfen, die Shuntchirurgie als Fachbereich zu etablieren.

Mit kollegialen Grüßen

PD Dr. med. M.K. Widmer

Notes

Interessenkonflikt

M.K. Widmer gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Literatur

  1. 1.
    Schmidli J, Widmer MK, Basile C et al (2018) Vascular access: clinical practical guidelines of the European Society of Vascular Surgery. Eur J Vasc Endovasc Surg 55:757–818CrossRefGoogle Scholar
  2. 2.
    Willmink T (2018) Editorial zu vascular access: clinical practice guidelines of the European Society for Vascular Surgery. Eur J Vasc Endovasc Surg 55:753–754CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Universitätsklinik für Herz- und Gefässchirurgie, InselspitalUniversität BernBernSchweiz

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