Grundwasser

, Volume 20, Issue 3, pp 161–161 | Cite as

Hydrogeologie und Wasserchemie – So nah und doch so fern

Editorial
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Liebe Leserinnen und Leser,

„So nah und doch so fern“, unter diesem Titel findet man vom Ratgeber „Beziehungsangst und ihre Folgen“ bis zum Kuschelbuch über Liebesbeziehungen so einiges, welches auch unsere beiden Gesellschaften und deren Verhältnis zueinander charakterisieren.

Ich habe selten zwei Gesellschaften erlebt, die so ideal zusammen passen, ohne Konkurrenz, sondern in Ergänzung, aber nach wie vor habe ich keinen wirklichen Grund gefunden, warum es nur einige wenige Kollegen/innen gibt, die in beiden Gesellschaften aktiv sind. Es gibt sie, diese kleine nette Kolonne, die von der jährlichen Tagung „Wasser xy“ zur zweijährigen FH-DGGV-Tagung zieht, aber es sind erstaunlich wenige für die große Schnittmenge.

Die Stärke der Wasserchemischen Gesellschaft liegt eindeutig im Bereich Analytik: Spurenstoffe, Transformationsprodukte, das Aufklären von Strukturen ist das Handwerkszeug der in den letzten Jahren extrem rasch vorangeschrittenen hochauflösenden Massenspektrometrie, kombiniert mit ergänzenden Verfahren wie NMR. Dies eröffnet eine Vielzahl von neuen Fragestellungen, aber auch Werkzeugen, die bestens in der Hydrogeologie eingesetzt werden können. Die Themenbereiche Abwasser, Aufbereitung, Hygiene, Trinkwasser und Industriewasser ergänzen Bereiche, die in der FH-DGGV nicht in der gleichen Tiefe behandelt werden, aber für die Bearbeitung von gesellschaftlichen Fragestellungen unverzichtbar sind. Hingehen ist der Bereich Gewässer in beiden Gesellschaften gut aufgehoben, die Bereiche Grundwasser und Sedimente werden aber eher „stiefmütterlich“ in der Wasserchemie vertreten. Das Systemverständnis als Zusammenspiel zwischen Grundwasserströmung und Chemie, die Wechselwirkungen zwischen Oberflächen- und Grundwässern sowie die Bedeutung von tiefen Grundwässern sind – neben anderen Themen – das Kerngeschäft der FH-DGGV und dort fachlich exzellent vertreten. Erst ein profundes hydrogeologisches Fachwissen ermöglicht die vernünftige Interpretation von Messwerten im Grundwasserleiter und schützt vor Fehlinterpretationen.

So hat sich 2013 der Vorstand der FH-DGGV mit Vertretern des Vorstandes der Wasserchemischen Gesellschaft in Berlin getroffen und eine engere Zusammenarbeit und einen regelmäßigen Austausch begrüßt. Ein Beispiel der Zusammenarbeit war der Arbeitskreis „Verhalten von organischen Umweltchemikalien im Übergangsbereich von Oberflächenwasser und Grundwasser“ unter der Leitung von M. Radke. Die Zusammenarbeit könnte jedoch noch verstärkt mit Leben erfüllt werden, in „echten“ gemeinsamen Ausschüssen, Initiativen, Anträgen und nicht zuletzt in der Anregung der „eigenen“ Doktoranden/innen, doch mal zu der „anderen“ Tagung hinzufahren. Ich mache dies meist, und meine Mitarbeiter/innen kommen sehr inspiriert zurück, gerade weil die Themen so unterschiedlich und doch so ähnlich sind. Unsere beiden Gesellschaften ergänzen sich wirklich perfekt, haben eine gute, nicht zu kleine oder große Schnittmenge und bieten sich nahezu ideal an, den eigenen Horizont über dem Wasser etwas zu verschieben. Vielleicht verlieren sich dann die Beziehungsängste. Konkret würde ich mir wünschen, dass der eine oder andere Fachausschuss in Zukunft von Beginn an gemeinsam gegründet wird und aus diesem gemeinsame Forschungsanträge entstehen. Und dass die Jahrestagungen gegenseitig besser besucht und die Ergebnisse dort vorgestellt werden.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015

Authors and Affiliations

  1. 1.Dep. f. UmweltgeowissenschaftenUniversität WienWienÖsterreich

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