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Wiener klinisches Magazin

, Volume 22, Issue 1, pp 1–1 | Cite as

Reformen allerorten

Der Personalmangel bleibt davon unberührt
  • Verena KienastEmail author
Editorial
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Reforms Everywhere

The Personnel Shortage Remains Unaffected

Naturgemäß bringt das neue Jahr einige Veränderungen. Der schlichte Wechsel der Jahreszahl bietet offenbar seit beträchtlicher Zeit einen guten Zeitpunkt, um nicht nur die persönlichen guten Vorsätze in Angriff zu nehmen, sondern auch, um offizielle formale Regelungen in Kraft zu setzen. So wird beispielsweise das Antrittsalter für die Altersteilzeit um zwei Jahre angehoben, Kinder können ab der 2. Klasse Volksschule wieder „sitzen bleiben“ und die wild umstrittene Krankenkassenreform tritt in Kraft. Letzteres hat künftig unter anderem zur Folge, dass die Arbeitgeber ein wesentlich stärkeres Entscheidungsgewicht haben werden – obwohl die Hauptklientel die Arbeitnehmer sind. Die traditionelle Selbstverwaltung dürfte also zugunsten des Verwaltetwerdens geschwächt werden. Man wird sehen, mit welchen Folgen für die Patienten, aber auch für die im Gesundheitswesen Beschäftigten und für das Gesundheitssystem als Ganzes. Die mit der Reform angepeilten Einsparungen standen ja bereits in hohem Maße in der Kritik und wurden nicht nur von der Opposition, sondern auch von manchen Wirtschafts- und Sozialexperten in Zweifel gezogen.

Zahlen und ziehen lassen

Ob die Attraktivität des österreichischen Gesundheitssystems für die darin Beschäftigten dadurch gewinnen wird, stellte in der Diskussion jedenfalls einen vernachlässigbaren Faktor dar. Dafür wäre es jedoch allerhöchste Zeit: Im Spital wie im niedergelassenen Bereich fehlen bereits jetzt nicht nur Pflegepersonen, sondern auch Ärzte – und der Mangel wird sich aus derzeitiger Sicht und nach realistisch scheinenden Prognosen deutlich verschärfen. Das liegt nicht nur an der in wenigen Jahren bevorstehenden Pensionierungswelle der sogenannten geburtenstarken Jahrgänge der End-50er und 60er des vorigen Jahrhunderts, sondern auch an der Sorglosigkeit, mit der man in Österreich mit den fertigen Medizinern umgeht. Immerhin gehen etwa 20 % der Absolventen des Medizinstudiums weg von Österreich, um im Ausland zu arbeiten bzw. ihre Facharztausbildung zu machen – weil die Angebote dort sowohl finanziell als auch hinsichtlich der Rahmenbedingungen besser sind. Österreich finanziert also das – teure – Studium und lässt die Mediziner, die es selbst dringend brauchen würde, dann ziehen.

Ein doppelt schlechtes Geschäft. Und eine Situation, die zwar bekannt ist, für deren Verbesserung aber seit Jahren nichts oder doch zu wenig gemacht wird, zumindest nicht in Form eines durchdachten österreichweiten Konzepts für eine gedeihliche, motivierende und klar strukturierte sowie didaktisch und fachlich gut betreute Fachausbildung. Rasterzeugnisse sind zwar grundsätzlich ein gutes Instrument, die Erfüllung mit Leben hängt aber weiterhin an der Person des jeweiligen Betreuers.

„Hier lässt sich’s gut leben“

Vorarlberg in seiner harten Konkurrenzsituation mit dem Nachbarn Schweiz und dessen attraktiveren Arbeitsbedingungen wirbt nun auf der Suche nach Fachärzten nicht nur mit guten Rahmenbedingungen im Krankenhaus, sondern mit den Schönheiten des ganzen Bundeslandes. Zu den „vielen guten Seiten“, so die Verlockung, „gehören zum Beispiel rund 40 Klettergärten und drei Kletterhallen sowie 7 Golfplätze. Hier lässt sich’s gut leben. Und hier lässt sich’s auch wunderbar arbeiten“, heißt es da. Nicht immer muss es also nur das Geld sein. Die viel zitierte Work-Life-Balance sollte stimmen und die Rahmenbedingungen. Permanent schwelende Konflikte, Respektlosigkeit oder die Nichtbeachtung von jungen Medizinern auf ihrem Weg in die Berufsrealität werden den Ärztemangel eher nicht mildern. Klientelpolitik und vordergründige Einsparungen werden dagegen langfristig teuer werden,

meint Ihre

Notes

Interessenkonflikt

V. Kienast gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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Authors and Affiliations

  1. 1.SpringerMedizinWienÖsterreich

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