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psychopraxis. neuropraxis

, Volume 22, Issue 2, pp 39–39 | Cite as

Wechselbeziehungen: Neurologie und Psychiatrie

  • Peter KapellerEmail author
Herausgeberbrief
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Correlations: Neurology and Psychiatry

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Schön, dass Sie wieder Zeit finden, in unserem Journal zu blättern, herzlich willkommen!

Die Zeitschrift hat sich 2019 in ihrem Herausgeberteam leicht verändert. Die Funktionen wurden etwas neu verteilt und neue Kräfte konnten gewonnen werden, die ihr Bestes versuchen werden, die Zeitschrift psychopraxis/neuropraxis in bewährter Tradition weiterzuführen.

Der wohl augenscheinlichste Wechsel ist der der Chef-Herausgeberschaft von Univ.-Prof. DDr. Peter Fischer zu Univ.-Prof. Dr. Martin Aigner und meiner Wenigkeit. Alleine die Tatsache, dass nun zwei Personen die Funktion von Prof. Fischer tragen werden, zeigt die enorme Leistung, die er seit 2010 erbrachte. Wir schätzen uns überaus glücklich, Prof. Fischer weiter an unserer Seite zu wissen und auf seine Expertise via Editorial Board zurückgreifen zu können. Zur Gestaltung der Zeitschrift arbeiteten ja bereits unter Prof. Fischers Leitung die Bereiche „Herausgeber“ und „Editorial Board“ als Einheit. Dieser bewährte Führungsstil, das Arbeiten als „Herausgeberteam“, ist wohl wesentlicher Teil des Erfolgskonzeptes von psychopraxis/neuropraxis.

Diese vorliegende Ausgabe zeigt einmal mehr den engen Zusammenhang zwischen den nunmehr getrennten Fachgebieten Psychiatrie und Neurologie.

Diesen Zusammenhang zu pflegen und bei aller Interdisziplinarität die Facetten darzustellen, welche Erkrankungen des Zentralnervensystems klinisch bieten können, ist und bleibt ein zentrales Anliegen dieser Journals.

Die Fatigue und andere psychiatrische Komorbiditäten in Zusammenhang mit multipler Sklerose sind dafür ebenso hervorragende Beispiele, wie die Komorbiditäten bei Schizophrenie-Betroffenen. Besonders Erstere weist so viele Eigenheiten auf, die darauf hinweisen, wie Psyche und Soma bei chronischen Erkrankungen, eigentlich bei Krankheiten generell, Hand in Hand gehen. Dabei scheint es keine Rolle zu spielen, ob die Erkrankung der Psyche oder die des Soma im Vordergrund steht. Untersucht man von Fatigue betroffene Patienten objektiv auf ihr Können und vergleicht dieses mit dem, was sie subjektiv als möglich erachten, so findet man eine ausgeprägte Diskrepanz in Richtung viel mehr können als erwartet. Soma und Psyche stehen in einem komplexen Zusammenhang. Somatische Hirnerkrankungen zeigen häufig psychiatrische Symptome, wie Halluzinationen, Verhaltensstörungen oder Denkstörungen. Umgekehrt kennt man somatische Veränderungen bei chronisch psychiatrisch Erkrankten bis hin zur Kachexie.

Und so findet sich auch der Versuch der Beantwortung der Frage „Kennt der Psychiater seinen Patienten?“ am richtigen Platz. Eine Frage, die natürlich genauso für alle anderen Fächer gilt. Vielleicht sogar noch viel häufiger. Ist doch der „Nicht-Psychiater“ sehr oft auf das Soma seiner Patienten konzentriert. Wer hinterfragt bewusst die Ängste, die oftmals hinter Krankheiten stehen? Wer hinterfragt, wie sich ein Leben mit chronischer Krankheit oder Schmerz anfühlt? Und wer bietet schon zu Beginn Menschen, die in einen chronischen Krankheitsprozess gefallen sind, Bewältigungsstrategien?

Immerhin schaffen wir das schon bei malignen Bedrohungen bzw. neuerdings immer öfter auch im Zusammenhang mit Demenzerkrankungen, wo die Betreuenden und die Familien Unterstützung benötigen.

Bei anderen somatischen Erkrankungen, wie zum Beispiel schwere Behinderung nach Schlaganfall, Umgang mit Krampfleiden oder multipler Sklerose brauchen wir wohl noch etwas Bewusstsein, um die Möglichkeit einer solchen Unterstützung in unser therapeutisches Denken zu integrieren.

Wichtig ist, dass uns Ärztinnen und Ärzten, die wir uns mit dem Organ Gehirn beschäftigen, bewusst bleibt, dass die Faszination der Hirnleistung eigentlich erst beginnt, wo das bloße Soma endet.

Ich hoffe, Sie finden auf den nächsten Seiten möglichst viel Inspiration!

Mit besten Grüßen,

Ihr Peter Kapeller

Notes

Interessenkonflikt

P. Kapeller gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Austria, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Abteilung für NeurologieLandeskrankenhaus VillachVillachÖsterreich

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