Advertisement

Pädiatrie & Pädologie

, Volume 52, Issue 3, pp 94–97 | Cite as

Was unterscheidet die Tuberkulose bei Kindern und Erwachsenen?

  • Thomas Frischer
Originalien

Zusammenfassung

Die Tuberkulose bei Kindern ist eine seltene Erkrankung in Österreich geworden. Von allen österreichischen Fällen sind nur 3 % jünger als 14 Jahre. Die Prävalenz ist bei jungen Erwachsenen (15–24 Jahre) höher. Die Erkrankung betrifft vor allem nicht-native Österreicher (24 % versus 6 %). Bei Kindern jünger als 14 Jahren lässt sich dieser Unterschied nicht nachweisen. Bei der Erwachsenenform der Lungentuberkulose findet man ausgedehnte Infiltrate sowie Kavernenbildung, während das Kind typischerweise eine hiläre Lymphadenopathie entwickelt. Selbst mit invasiven Verfahren lassen sich Bakterien nicht häufig finden und deshalb sind Kinder auch selten ansteckend. Die Diagnose beruht mehr auf der Anamnese des Kontaktes mit einem Indexpatient sowie immunologischen Verfahren (Tuberkulinhauttest sowie Interferon-gamma-release-Tests) als dem Thorax-Röntgenbild. Vor allem bei sehr jungen Kindern ist das Röntgen wenig sensitiv. Diese Altersgruppe hat jedoch das größte Risiko, eine aktive und dann oft progressive und systemische Tuberkulose zu entwickeln. Nach einem suspizierten Kontakt mit einer Indexperson können zwei immunologische Testungen im Abstand von 8 Wochen eine Infektion nachweisen bzw. ausschließen. Bei einer Infektion sollte dem Kind eine präventive Therapie (Isoniazid 10 mg/kg) für 9 Monate angeboten, bei Kindern unter 5 Jahren darauf gedrängt werden. Die unkomplizierte, aktive Tuberkulose wird für 2 Monate mit INH + Pyrazinamid + Rifampicin sowie weitere 4 Monate mit INH + Rifampicin behandelt. Die Prognose ist exzellent, verschlechtert sich jedoch, wenn es zu einer systemischen Infektion mit Beteiligung anderer Organsysteme (v. a. den Meningen) kommt.

Schlüsselwörter

Kind Tuberkulose Diagnose Therapie Pathophysiologie 

What distinguishes childhood from adulthood tuberculosis?

Abstract

Tuberculosis has become a rare disease among children in Austria. Of all patients diagnosed with tuberculosis, only 3% are below the age of 14 years. Prevalence is higher in young adults (i. e. age group: 15–24 years). The disease mainly affects adolescents not born in Austria (24% versus 6%), although in children younger than 14 years the numbers are similar between native and non-native Austrians. Whereas in the adult form of lung tuberculosis widespread infiltration and cavitation is common, the child typically develops hilar lymphadenopathy. Frequently, bacteria cannot be isolated – even with bronchoalveolar lavage – and children are unlikely to infect others. Diagnosis depends mostly on the history of contact with an index patient and immunologic tests (tuberculin skin test, interferon-gamma release test), while the chest X‑ray is less sensitive, especially in very young children. This age group has the greatest risk to develop active and often progressive systemic Tbc after infection. After suspected contact with an index patient, two consecutive immunologic tests eight weeks apart can confirm (or rule out) that infection has occurred. If infection has occured, preventive therapy (nine months of isoniazid 10 mg/kg) should be offered to all children and should be enforced in children <5 years. Active tuberculosis is treated, when uncomplicated, with two months of INH + pyrazinamide + rifampicin, followed by INH + rifampicin for another four months. The therapy is usually well tolerated by children. Prognosis is excellent if the disease is restricted to the lung, but deteriorates when other organ systems are involved (e. g. meningeal involvement).

Keywords

Child Tuberculosis Diagnosis Therapy Pathophysiology 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

T. Frischer gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren.

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.Abt. für Kinder- und JugendheilkundeWilhelminenspital der Stadt WienWienÖsterreich

Personalised recommendations