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Grünpatenschaften im Spannungsfeld von neoliberaler Stadtpolitik und urbanen Bürgerbewegungen

  • Miriam GruberEmail author
Angewandte Geographie
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Zusammenfassung

Am Umgang mit städtischem Grün entzünden sich immer wieder Proteste von Bürgerinnen und Bürgern, die sich gegen Entscheidungen von Politik und Verwaltung richten. Umgekehrt hat die öffentliche Hand das Potenzial erkannt, das engagierte Bürgerinnen und Bürger für den Erhalt von Stadtgrün darstellen, insbesondere in Zeiten knapper kommunaler Ressourcen. Eine Form der Zusammenarbeit zwischen Stadtgesellschaft und -verwaltung stellen sogenannte Grünpatenschaften dar, bei denen Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich Flächen des Straßenbegleitgrüns pflegen. Der folgende Beitrag untersucht am Beispiel von Baumscheiben in Bonn, welche Möglichkeiten und Grenzen zivilgesellschaftliches Engagement im Handlungsfeld des Stadtgrüns hat. Mittels quantitativen und qualitativen Methoden wurden unter anderem die Verteilung der Grünpatenschaften im Stadtgebiet und die Bewertung des Patenschaftsmodells aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht. Den theoretischen Hintergrund des Beitrags bilden 2 verschiedene Diskurse: Einerseits können Grünpatenschaften als Ergebnis neoliberaler Stadtentwicklung und neuer Governanceformen betrachtet werden, andererseits können sie aus zivilgesellschaftlichen Initiativen wie dem Do-it-Yourself Urbanism oder dem Urban Gardening hervorgehen.

Schlüsselwörter

Grünpatenschaften Stadtgrün Engagement Neoliberalisierung Zivilgesellschaft 

Abstract

Protests by citizens against political and administrative decisions concerning urban parks have been repeatedly ignited. On the other hand, the public sector has noticed the potential that citizen commitment can have for the maintenance of urban parks, especially during a period of tight communal resources. One possible form of cooperation between the urban community and municipal government is represented by the “Green Godfathers”, in which small green spaces in the roadside environment are cared for by the citizens. The following article shows, using the example of tree slices in the German city of Bonn, the possibilities and limitations of citizen engagement in the field of urban parks. Utilizing quantitative and qualitative methods, the distribution of the “Green Godfathers” in the municipality and the evaluation of the Green Godfathers model were examined from various perspectives. The theoretical background for the article is provided by two different discourses. On the one hand, “Green Godfathers” can be seen as a result of neoliberal urban development and new forms of government. On the other hand, such initiatives may derive from civic initiatives such as Do-it-Yourself Urbanism or Urban Gardening.

Keywords

“Green Godfathers” Urban park Engagement Neoliberalization Civil society 

Notes

Danksagung

Sehr herzlich bedanken möchte ich mich bei der Statistikstelle und dem Amt für Stadtgrün der Stadt Bonn für die Bereitstellung von Kommunalstatistiken und Geodaten und bei meinen Interviewpartner(inne)n. Besonderer Dank gilt außerdem den Betreuern meiner Masterarbeit, auf der dieser Beitrag beruht, Herrn Prof. Dr. Claus-Christian Wiegandt und Herrn Hon.-Prof. Dr. Karl-Heinz Erdmann, sowie Herrn Michael Steier für die sorgfältige Durchsicht des Manuskripts und 2 anonymen Gutachter(inne)n für die umsichtigen und konstruktiven Kommentare.

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Copyright information

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Authors and Affiliations

  1. 1.Geographisches InstitutUniversität BonnBonnDeutschland

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