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Wiener klinische Wochenschrift

, Volume 117, Issue 5–6, pp 188–195 | Cite as

Exzessive Computernutzung im Kindesalter – Ergebnisse einer psychometrischen Erhebung

  • Sabine M. Grüsser
  • Ralf Thalemann
  • Ulrike Albrecht
  • Carolin N. Thalemann
Originalarbeit

Zusammenfassung

Die exzessive Nutzung von Computer- und Videospielen im Kindes- und Jugendalter wird aus pädagogischer und gesundheitspolitischer Perspektive kritisch diskutiert. Im deutschen Sprachraum liegt bislang keine wissenschaftlich fundierte Datenbasis zu diesem Phänomen vor. In der vorliegenden Studie wird davon ausgegangen, dass Kinder und Jugendliche durch ein exzessives belohnendes Verhalten in Form von Computerspielen schon früh lernen, schnell und effektiv Gefühle im Zusammenhang mit Frustrationen, Unsicherheiten und Ängsten regulieren bzw. unterdrücken zu können. Im Rahmen der Studie wurde das Computerspielverhalten von 323 Kinder im Alter zwischen 11 und 14 Jahren erhoben. Die Kriterien für das exzessive belohnende Verhalten sind an die Kriterien für Abhängigkeitserkrankung nach ICD-10 bzw. für pathologisches Glücksspiel nach DSM-IV-TR angelehnt. Die Daten der vorliegenden Studie zeigen, dass 9,3% der untersuchten Kinder (N = 30) die festgelegten Kriterien für exzessives Computerspielverhalten vollständig erfüllen. Diese Gruppe der exzessiv computerspielenden Kinder unterscheidet sich signifikant von ihren nicht-exzessiv computerspielenden Mitschülern im Ausmaß des Fernsehkonsums, des Kommunikationsverhaltens und der Konzentrationsfähigkeit im Unterricht sowie der Bewältigungsstrategien bezüglich negativer Gefühle. Hier zeigen die betroffenen Kinder deutlich geringere Werte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass – analog zu Erkenntnissen aus der Suchtforschung – die Computernutzung für einen Teil der untersuchten Kinder eine spezifische Funktion im Sinne einer inadäquaten Stressbewältigungsstrategie erhalten hat.

Schlüsselwörter

Exzessives Computerspielen Belohnende Verhaltensweisen Schulkinder Inadäquate Stresscopingstrategie 

Excessive computer usage in adolescents – a psychometric evaluation

Summary

Excessive computer and video game playing among children is being critically discussed from a pedagogic and public health point of view. To date, no reliable data for this phenomenon in Germany exists. In the present study, the excessive usage of computer and video games is seen as a rewarding behavior which can, due to learning mechanisms, become a prominent and inadequate strategy for children to cope with negative emotions like frustration, uneasiness and fears. In the survey, 323 children ranging in age from 11 to 14 years were asked about their video game playing behavior. Criteria for excessive computer and video game playing were developed in accordance with the criteria for dependency and pathological gambling (DSM-IV, ICD-10). Data show that 9.3% (N = 30) of the children fulfill all criteria for excessive computer and video game playing. Furthermore, these children differ from their class mates with respect to watching television, communication patterns, the ability to concentrate in school lectures and the preferred strategies coping with negative emotions. In accordance with findings in studies about substance-related addiction, data suggest that excessive computer and video game players use their excessive rewarding behavior specifically as an inadequate stress coping strategy.

Keywords

Excessive computer and video playing Rewarding behavior Adolescents Inadequate stress coping strategy 

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Copyright information

© Springer-Verlag 2005

Authors and Affiliations

  • Sabine M. Grüsser
    • 1
  • Ralf Thalemann
    • 1
  • Ulrike Albrecht
    • 1
  • Carolin N. Thalemann
    • 1
  1. 1.Interdisziplinäre Suchtforschungsgruppe Berlin, Institut für Medizinische PsychologieCharité – Universitätsmedizin BerlinBerlinGermany

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