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Zeitschrift für Rheumatologie

, Volume 78, Supplement 1, pp 1–2 | Cite as

Editorial – S3-Leitlinie Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen

Update 2019
  • U. KiltzEmail author
  • J. Braun
Editorial
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Editorial – S3 guidelines for axial spondyloarthritis including Bechterew’s disease and early forms

Update 2019

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir freuen uns, Ihnen mit dieser Ausgabe das Update 2019 der S3-Leitlinie „Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen“ vorlegen zu können. Damit wird ein insgesamt 2‑jähriger Prozess erfolgreich zum Abschluss gebracht. Wir danken den Mandatsträgern in der Leitliniengruppe, den Mitarbeiterinnen in der Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), vor allem Frau Christiane Weseloh, sowie Frau Styliani Tsiami und Frau Amini vom Rheumazentrum Ruhrgebiet, die die methodenkritische Bewertung sachgerecht und effizient vorgenommen haben. Die Mandatsträger der Leitliniengruppe haben neben den Konsensustreffen viel Zeit für die Bewertung der Literatur sowie die Formulierung der Langfassung aufgewendet und durch die wohl bedachten Kommentare dazu beigetragen, dass auch die Langfassung informativ und lesbar geworden ist. Unser ganz besonderer Dank gilt Frau Dr. Blödt vom Institut für Medizinisches Wissensmanagement der AWMF, die zwischenzeitlich aufkommende methodische Fragen souverän und zeitnah bearbeitet hat. Ganz besonders möchten wir an dieser Stelle auch all unseren Mitarbeitern danken, ohne deren Unterstützung Frau PD Dr. Kiltz ihre verantwortungsvolle Aufgabe als Leitlinienkoordinatorin nicht hätte so gut und auch schnell bewältigen können. In dieser Funktion hat sie viele Stunden damit verbracht, die Literatur zu sichten und zu bewerten, allen Beteiligten die relevante Literatur zeitnah zur Verfügung zu stellen, die Treffen der Leitliniengruppe zu organisieren, Protokolle zu verfassen und die Delphi-Runden zu einem guten Abschluss zu bringen. Die administrativen und organisatorischen Aufgaben wurden zudem von Frau Weseloh eigenverantwortlich und zügig bearbeitet, so dass die Fertigstellung des Leitlinien-Reports transparent und ohne Reibungsverluste gelingen konnte. Zuletzt möchten wir uns auch bei allen Kolleg(inn)en bedanken, die während des öffentlichen Begutachtungsprozesses auf der AWMF Homepage im März/April 2019 die Langfassung der Leitlinie kommentiert und mit ihrer Expertise bereichert haben. Die Vorschläge haben geholfen, Inkonsistenzen zu reduzieren und damit zu einer Verbesserung der Leitlinie und zu besserer Lesbarkeit beizutragen.

Warum brauchen wir eine methodisch und inhaltlich anspruchsvolle Evidenz-basierte Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der axialen Spondyloarthritis?

Aufgrund des chronischen Verlaufes und der Manifestation der Erkrankung in jungen Lebensjahren hat die axiale Spondyloarthritis (SpA) eine erhebliche gesundheitliche und ökonomische Bedeutung für betroffene Patienten, Staat und Gesellschaft. Durch die immer noch lange Diagnoseverzögerung wird das Ziel, strukturelle Läsionen am Achsenskelett zu verhindern, bei vielen Patienten noch nicht erreicht. In kontrollierten Studien wurde gezeigt, dass Patienten mit kurzem Krankheitsverlauf am besten von einer effektive anti-inflammatorischen Therapie profitieren. Um eine frühzeitige Therapie einleiten zu können, ist aber eine richtige und zeitnahe Diagnosestellung essentiell. Seit der Veröffentlichung der S3 Leitlinie „Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen“ im Jahr 2014 hat sich das Wissen diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen erweitert und in Teilen gewandelt, so dass ein Update der interdisziplinären, evidenzbasierten Leitlinie „Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen“ dringend geboten war. Dies sollte ja grundsätzlich nach 5 Jahren ohnehin passieren.

Das Ziel des vorliegenden Updates ist, den aktuellen Status der Diagnostik und Therapie der axialen SpA evidenzbasiert darzustellen und damit dazu beizutragen, dass betroffene Patienten früh- bzw. rechtzeitig diagnostiziert werden und dass eine wirksame entzündungshemmende Therapie symptomorientiert begonnen werden kann. Die Leitlinie soll eine Grundlage darstellen, die medizinische Versorgung der Patienten zu verbessern, indem Schlüsselempfehlungen für Diagnostik und Therapie der axialen SpA unter Berücksichtigung der Kriterien der evidenzbasierten Medizin konsentiert und festgelegt werden. Insgesamt wird eine Optimierung der Versorgung und im Einzelnen eine Reduktion der Zeit bis zur Diagnosestellung, die rasche Einleitung einer adäquaten Therapie, eine Verhinderung struktureller Schäden sowie Verbesserungen der Lebensqualität und die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit angestrebt. Im Sinne der Patienten wurden damit partiell verbundene wichtige Ziele in der Wiederherstellung und Erhaltung der allgemeinen Gesundheit, der Lebensqualität sowie der Teilhabe festgelegt. Zu einer effektiven Behandlung von Patienten mit axialer SpA gehört auch die kontinuierliche Verbesserung des interdisziplinären Managements.

Die Leitlinie richtet sich an Ärzte, insbesondere Rheumatologen, Orthopäden und orthopädischen Unfallchirurgen, Allgemeinmediziner, Dermatologen, Internisten, Gastroenterologen, Ophthalmologen, Neurochirurgen, Rehabilitationsmediziner und Fachärzte für manuelle Medizin sowie Angehörige nicht-ärztlicher Berufsgruppen, die an der Versorgung dieser Patienten in allen Sektoren betroffen sind. Die Leitlinie bezieht sich somit sowohl auf die primärärztliche Versorgung als auch auf die fachärztliche Versorgung. Die vorliegende Leitlinie betrifft alle Patienten mit axialer SpA inklusive der ankylosierenden Spondylitis (AS = M. Bechterew). Soweit es die Verständlichkeit notwendig macht, werden Aspekte der peripheren SpA, die sich auf die Diagnostik und Therapie der axialen SpA beziehen, mitberücksichtigt. In der Leitlinie wird der Begriff Rheumatologe für die Facharztgruppe der internistischen Rheumatologen verwendet. Die Patientenzielgruppe umfasst alle erwachsenen Patienten mit einer axialen SpA. Dazu gehören sowohl Patienten mit nicht-röntgenologischen Veränderungen als auch Patienten mit bereits vorhandenen strukturellen Veränderungen. Die speziell für Betroffene und deren Angehörige erstellte Patientenleitlinie dient der Information und Erläuterung der Empfehlungen der Leitlinie.

Das Update der S3-Leitlinie „Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen“ wurde auf der Basis einer systematischen Literaturrecherche und Literaturbewertung konzipiert und in einem interdisziplinären mehrstufigen Konsensus-Prozess verabschiedet. Grundlage dieses Prozesses war das Regelwerk der AWMF (http://www.awmf-leitlinien.de) sowie die im Deutschen Instrument zur methodischen Leitlinien-Bewertung von AWMF und ÄZQ formulierten Anforderungen (DELBI, http://www.delbi.de). Bei der Abfassung wurden neben 7 Quell-Leitlinien eine Vielzahl von Metaanalysen und randomisierten Studien berücksichtigt.

Bei der Darstellung der Inhalte wurde zwischen Empfehlungen (in Tabellen), deren Herleitung (Fließtext, Quellenangaben) und der Darstellung der Primärliteratur (Evidenztabellen) unterschieden. Bei den Empfehlungen wird zwischen drei Empfehlungsgraden unterschieden, deren unterschiedliche Qualität bzw. Härte durch die Formulierung („soll“, „sollte“, „kann“) ausgedrückt wird (Tab. 1). Empfehlungen gegen eine Intervention werden entsprechend sprachlich ausgedrückt („soll nicht“, „sollte nicht“) bei Verwendung der gleichen Symbole.
Tab. 1

Grad der Empfehlung, AB0-Schema

A

„Soll“-Empfehlung: Zumindest eine randomisierte, kontrollierte Studie von insgesamt guter Qualität und Konsistenz, die sich direkt auf die jeweilige Empfehlung bezieht und nicht extrapoliert wurde (Evidenzebenen Ia und Ib)

B

„Sollte“-Empfehlung: Gut durchgeführte klinische Studien, aber keine randomisierten klinischen Studien, mit direktem Bezug zur Empfehlung (Evidenzebenen II und III) oder Extrapolation von Evidenzebene I, falls der Bezug zur spezifischen Fragestellung fehlt

0

„Kann“-Empfehlung: Bericht von Expertenkreisen oder Expertenmeinungen und/oder klinische Erfahrung anerkannter Autoritäten (Evidenzebene IV) oder Extrapolation von Evidenzebene IIa, IIb oder III. Diese Einstufung zeigt an, dass direkt anwendbare klinische Studien von guter Qualität nicht vorhanden oder nicht verfügbar sind

Der nächste Schritt ist die konsequente Verbreitung und Implementierung der Leitlinie im deutschsprachigen Raum und zwar sowohl bei professionellen Anbietern von Gesundheitsleistungen als auch bei Patienten und Angehörigen. Hierfür sind sowohl die Fachgesellschaften als auch die Patientenorganisationen in der Pflicht.

In der Regel bestimmt die Qualität der Evidenz (Evidenzstärke) den Empfehlungsgrad. Die aufgeführten Empfehlungen richten sich nach der jeweils verfügbaren Evidenz. Empfehlungen mit fehlender oder lückenhafter Evidenz wurden nach breiter interdisziplinärer Diskussion als Expertenkonsens aufgeführt.

Die S3-Leitlinie „Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen“ gliedert sich inhaltlich in zehn große Kapitel zur klinischen Symptomatik, Überweisungsstrategie, Diagnostik, medikamentösen Therapie, Prognose, Teilhabe sowie zu Patienteninformation. Innerhalb der einzelnen Kapitel werden sog. Schlüsselfragen beantwortet, die bei der ersten Konsensuskonferenz nach dem PICO (Patient, Intervention, Control, Outcome) Schema konsentiert worden waren.

In diesem Heft der Zeitschrift für Rheumatologie wird nun erstmals das bereits auf der Homepage der AWMF online verfügbare Update der Langfassung der S3-Leitlinie „Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen“ publiziert. Neben der Langfassung ist die Kurzversion der Leitlinie sowie die Patientenleitlinie auf der AWMF Homepage publiziert.

Die Leitliniengruppe wünscht sich eine breite Akzeptanz der konsentierten Empfehlungen. Es ist zu hoffen, dass die Leitlinie zu einem besseren Verständnis der Diagnostik und Therapie der axialen Spondyloarthritis beitragen wird.

Mit den besten Grüßen

Uta Kiltz und Jürgen Braun

Notes

Interessenkonflikt

U. Kiltz und J. Braun geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Rheumazentrum RuhrgebietRuhr-Universität BochumHerneDeutschland

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