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Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie

, Volume 52, Issue 8, pp 767–773 | Cite as

Potenziale betreuter Urlaube für die Stabilisierung häuslicher Pflegearrangements

  • Julia BartkowskiEmail author
  • Josefine Heusinger
Originalien
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Zusammenfassung

Hintergrund

Häusliche Pflegearrangements von Menschen, die an Demenz erkrankt sind, gehen für Pflegende und Gepflegte mit vielfältigen Belastungen einher, die schließlich die häusliche Versorgung gefährden können. In dem Kooperationsprojekt ESPRIT, gefördert vom BMG April 2016–März 2018, wurde deshalb untersucht, ob und welche entlastenden Wirkungen betreute Urlaube für pflegebedürftige Menschen und ihre Pflegepersonen (sog. Tandems) auf die Stabilität häuslicher Pflegearrangements entfalten. Dazu wurden 7 von den kooperierenden Alzheimer-Gesellschaften organisierte und durchgeführte Urlaube evaluiert.

Methode

In einem Mixed-methods-Design wurden die Wirkungen der Urlaube sowie der Aufwand für die Durchführung evaluiert. Dazu wurden teilnehmende Beobachtungen und Gruppendiskussionen mit Angehörigen bei fünf Urlauben durchgeführt. Mittels Fragebogenerhebungen zu 4 Zeitpunkten über 12 Monate wurden Daten von 59 Tandems zur Wirkung von insgesamt 7 Urlauben und zur Entwicklung der Pflegearrangements erfasst. Außerdem dokumentierten die Urlaubsanbieter ihren Arbeitsaufwand bei der Vor- und Nachbereitung.

Ergebnisse

Die Urlaube verbessern die Kompetenzen der Pflegenden zur Bewältigung des Pflegealltags auf unterschiedliche Weise. In der Folge nahm die Nutzung entlastender professioneller Angebote zu. Erholung, Kompetenzzuwachs und Anpassungen im Care-Mix tragen zur Entlastung und somit zur Stabilisierung des ambulanten Pflegesettings bei. Eine Förderung der Urlaubsanbieter bei der bislang nichtrefinanzierten Organisation erscheint daher gerechtfertigt.

Schlüsselwörter

Ambulante Pflege Angehörige Demenz Belastung Selbsthilfe Kompetenz 

Benefits of supported holidays for the stabilization of domestic nursing arrangements

Abstract

Background

Situations where people with dementia are cared for at home are associated with a range of stresses and burdens for all involved, potentially endangering the entire arrangement. This article describes the results from the ESPRIT project (funded by the German Federal Ministry of Health from April 2016 to March 2018). The research investigated whether supported holidays for people receiving care and their carers (so-called tandems) positively influence the stability of home-based care arrangements. For this purpose, seven of the holidays organized and carried out by the Alzheimer’s Society were evaluated.

Methods

A mixed-methods design was used to evaluate the effort required to organize the supported holidays and the effects on the participants. During five supported holidays these included participant observation and focus groups with accompanying carers. Questionnaires were distributed at 4 points during the subsequent 12 months to collect data from 59 tandems on the impact of 7 supported holidays and their effects on the care arrangement. In addition, the Alzheimer’s Society branches documented their expenditure of work for preparation and postprocessing.

Results

The holidays improved the carers’ everyday coping skills in different ways. Subsequently, the utilization of relieving professional assistance increased. Rest, competency gains and adjustments to the care mix contributed to stabilizing the home-based care arrangement by reducing workload and stress. Public funding for the organization of supported holidays (which is not currently available) would therefore appear to be justified.

Keywords

Home care Carer Dementia Burden Self-help Competence 

Notes

Förderung

Die Studie Entlastung und Stärkung Pflegebedürftiger und Pflegender – Reisen im Tandem (ESPRIT) wurde durch das Bundesministerium für Gesundheit gefördert.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

J. Bartkowski und J. Heusinger geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren. Von allen an den Befragungen/teilnehmenden Beobachtungen Beteiligten liegt eine schriftliche Einverständniserklärung vor. Die Zustimmung einer Ethikkommission war nicht notwendig.

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Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Gerontologische Forschung e. V.BerlinDeutschland
  2. 2.Fachbereich Soziale Arbeit, Gesundheit und MedienHochschule Magdeburg-StendalMagdeburgDeutschland

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