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Der einwilligungsunfähige Patient ohne Bevollmächtigten oder Betreuer in der Akutgeriatrie

  • M. SchulerEmail author
Originalarbeit
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Zusammenfassung

Hintergrund

Ausgestellte Vollmachten und eingerichtete Betreuungen gewinnen für die Behandlung von Patienten im Krankenhaus an Bedeutung. Fehlen diese im Bedarfsfall, werden Krankenhausbehandlung und Entlassung schwieriger. Ziel der Untersuchung war, das Problem erstmals aus Sicht einer akutgeriatrischen Abteilung zu beschreiben und in Bezug auf Verweildauer und Erlössituation zu diskutieren. Zudem wurde versucht, die Zusammenarbeit mit Betreuungsbehörde und dem Amtsgericht zu verbessern, mit dem Ziel, die Dauer bis zur Bestellung eines Betreuers zu beschleunigen.

Material und Methode

Insgesamt wurden 24 konsekutive Patienten, bei denen während des Krankenhausaufenthalts eine Betreuung angeregt wurde, mit 25 konsekutiven Patienten nach der Intervention verglichen.

Ergebnisse

In Bezug auf die Gesamtzahl der behandelten Patienten wurde im Jahr 2008 bei 2,1% und 2009 bei 4,6% eine Betreuung angeregt. Im Vergleich zu allen Patienten waren sie schwerer krank und wurden länger behandelt. Durch die Intervention konnte eine mittlere, nichtsignifikante Verkürzung der Behandlungszeit von 2,8 Tagen erreicht werden. Unabhängige Risikofaktoren für lange Behandlungsdauern waren schwerere Erkrankungen und ein seit Aufnahme späterer Zeitpunkt des Betreuungsantrags. Bei Patienten, die über der oberen Grenzverweildauer nach der Abrechnungssystematik für deutsche Krankenhäuser behandelt wurden, waren der Umzug in ein Pflegeheim nach Entlassung und die Notwendigkeit eines professionellen Betreuers einzig bedeutend für die Länge der Behandlung im Vergleich zu denen, deren Behandlungsdauer unterhalb der oberen Grenzverweildauer lag.

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse belegen, dass im deutschen Abrechnungssystem für Krankenhäuser soziale Problemstellungen nicht ausreichend berücksichtigt werden. Die Betreuungsverfahren bis zum Bestellen eines professionellen Betreuers dauern für Krankenhauspatienten zu lange. Die Notwendigkeit einer rechtzeitig ausgestellten Vorsorgevollmacht muss in der Bevölkerung mit Nachdruck propagiert werden. Dem Krankenhaus bleibt momentan nur, die Patienten mit fehlender, aber notwendiger Betreuung frühzeitig zu identifizieren und mit den zuständigen Vor-Ort-Behörden in engem Kontakt zu bleiben.

Schlüsselwörter

Geriatrie Hospitalisierung Gesundheitsleistungen für die Alten German Diagnosis-Related-Groups-System Gesetzliche Betreuer 

Patients unable to give consent and without a power of attorney or legal guardian in the geriatric department

Abstract

Background

The importance of powers of attorney and legal guardians for patients in hospitals who are unable to make decisions for themselves is growing. Without an authorized person in these cases, treatment and discharge are more difficult. The goal of this study was to describe the problem from the point of view of an acute geriatric department and discuss the problems with respect to duration and expense of hospitalization. In addition, an attempt was undertaken to improve cooperation with the legal authorities in order to reduce the time required to process the request for the appointment of a legal guardian.

Materials and method

A total of 24 consecutive patients appointed a legal guardian during their hospitalization were compared with 25 patients after the intervention.

Results

Of all patients treated in 2008, 2.1% needed an application for an appointed legal guardian (4.6% in 2009). These patients were more seriously ill and treated longer in the hospital compared to all patients. The intervention reduced the length of stay on average by 2.8 days. Independent risk factors for longer treatment were more seriously ill patients and later submission of the application after admittance to the hospital. For patients above the maximum length of stay, the move to a nursing home and the need of a professional legal guardian prolonged significantly the hospital treatment compared to those below the maximum length of stay.

Conclusion

The data demonstrate that the German DRG system does not sufficiently consider the difficult management caused by patients without the ability to give consent to treatment and without a valid power of attorney. The time required until a professional legal guardian is appointed is too long for patients in a hospital. The necessity of a power of attorney has to be promoted more intensely to the public. Currently, the only two ways to minimize the problem is to identify the patients without, but needing a power of attorney as quickly as possible and to remain in close contact with the legal authorities.

Keywords

Geriatrics Hospitalisation Health services for the aged Diagnosis-related groups Legal guardians 

Notes

Interessenkonflikt

Der Autor ist an einem Klinikum angestellt und versichert, dass kein Interessenkonflikt mit Krankenkassen besteht.

Copyright information

© Springer-Verlag 2011

Authors and Affiliations

  1. 1.AkutgeriatrieDiakoniekrankenhaus Mannheim GmbHMannheimDeutschland

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