Advertisement

Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie

, Volume 42, Issue 4, pp 287–291 | Cite as

„Rente mit 67“

Voraussetzungen für die Weiterarbeitsfähigkeit älterer Arbeitnehmerinnen
  • V. Leve
  • G. Naegele
  • M. Sporket
Beiträge zum Themenschwerpunkt

Zusammenfassung

Die Anhebung der Regelaltersgrenze von 65 auf 67 Jahre durch die Bundesregierung im Frühjahr 2007 stellt Arbeitnehmende und Betriebe vor neue Herausforderungen. Gerade für ältere Arbeitnehmerinnen gestaltet sich aufgrund kumulierender Risiken die Weiterarbeitsfähigkeit bis zur individuellen neuen Regelaltersgrenze u. U. problematisch. Sie sind zum einen alterstypischen Beschäftigungsrisiken ausgesetzt, wie beispielsweise altersselektiven Rekrutierungsansätzen und einer überwiegend altersdiskriminierenden Personalpolitik in Betrieben. Zum anderen gibt es geschlechterspezifische Risiken, mit denen die Arbeitnehmerinnen über den Verlauf ihrer Erwerbsbiographie immer wieder konfrontiert werden und die häufig die Beschäftigungssituation im späteren Erwerbsverlauf stark beeinflussen. So sind ihre Erwerbsbiographien häufig von Unterbrechungen aufgrund von Vereinbarkeitsproblematiken, aber auch durch branchen- und arbeitsorganisationsabhängige geringere Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten sowie geringere Einkommen bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit geprägt. Darüber hinaus sind Frauen signifikant häufiger in Teilzeitbeschäftigung und zeitlich begrenzten Arbeitsverhältnissen tätig. Gelingt es nicht, auch für benachteiligte Frauen die Weiterarbeit zu ermöglichen, droht nicht nur individuell ein unzureichendes Alterseinkommen, sondern der Volkswirtschaft auch ein kostspieliger Verlust an Humankapital und Sozialversicherungsbeiträgen.

Schlüsselwörter

Beschäftigung Geschlecht Beschäftigungsfähigkeit Rentenalter Arbeitnehmerin 

“Retirement at 67”

Prerequisites for the ability of older female jobholders to continue working

Abstract

The new Retirement Age Adjustment Act, enacted by the Federal Government in spring 2007 to raise the statutory retirement age to 67 years in Germany, poses a challenge for the jobholders concerned as well as for the companies. Especially older female jobholders are exposed to particular risks regarding their ability to continue working due to the cumulative concurrence of age-specific but also additional gender-specific employment patterns and risks. Their employment situation is influenced by age discrimination in terms of recruitment and human resource management. Furthermore, women were and are confronted with specific obstacles in the course of their working lives, such as, the problem of reconciling work and family life and care giving, lesser opportunities for development and advancement due to sectoral and work organizational circumstances and lower incomes. There has been an increase in part-time arrangements, marginal employment, and temporary jobs, which are all predominantly filled by women. If women do not manage to stay in gainful employment, they do not only individually face an insufficient old-age income but the national economy is also in danger of losing valuable human resources and social security contributions.

Keywords

Employment Gender Employability Age of retirement Female jobholder 

Notes

Interessenkonflikt

Der korrespondierende Autor weist auf folgende Beziehung/en hin: Des Forschungsprojekt „Rente mit 67 – Voraussetzungen für die Weiterarbeitsfähigkeit älterer Arbeitnehmerinnen“ wurde von der INQA finanziert.

Literatur

  1. 1.
    Aust F, Schröder H (2006) Weiterbildungsbeteiligung älterer Erwerbspersonen. In: Deutsches Zentrum für Altersfragen (Hrsg) Beschäftigungssituation älterer Abreitnehmer. Expertisen zum fünften Altenbericht der Bundesregierung, Bd 1. LIT, Berlin, S 93–128Google Scholar
  2. 2.
    Bäcker G, Naegele G, Bispinck R et al (2008) Sozialpolitik und soziale Lage in Deutschland. Bd 1: Grundlagen, Arbeit, Einkommen und Finanzierung. VS, WiesbadenGoogle Scholar
  3. 3.
    Barkholdt C (2003) Frauen und Alterssicherung in NRW. In: Reichert M, Maly-Lukas N, Schönknecht C (Hrsg) (2003) Älter werdende und ältere Frauen heute. Zur Vielfalt ihrer Lebenssituationen. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden, S 151–167Google Scholar
  4. 4.
    Bellmann L, Leber U (2003) Betriebliche Weiterbildung: Denn wer hat, dem wird gegeben. IAB-Materialien 1:15–16Google Scholar
  5. 5.
    Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2005) Lebenslagen in Deutschland – der 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. BMAS, BerlinGoogle Scholar
  6. 6.
    Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2006) Informationen zur Anpassung der Regelaltersgrenze an die demografische Entwicklung und zur Stärkung der Finanzierungsgrundlagen der gesetzlichen Rentenversicherung. BMAS, BerlinGoogle Scholar
  7. 7.
    Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2002) Die Rolle des Vaters in der Familie. Kohlhammer, StuttgartGoogle Scholar
  8. 8.
    Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2006) Fünfter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland. Potenziale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft – der Beitrag älterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen. Drucksache 16/2190, BMFSFJ, BerlinGoogle Scholar
  9. 9.
    Burchell B, Fagan C, O’Brien C, Smith M (2007) Gender and working conditions in the European Union. European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions, LuxembourgGoogle Scholar
  10. 10.
    DGB-Bundesvorstand (2006) Vereinbarkeit von Beruf und Pflege – Positionen und Hintergründe Nr. 6. Bereich Gleichstellungs- und Frauenpolitik. DGB, BerlinGoogle Scholar
  11. 11.
    Expertenkommission Finanzierung Lebenslangen Lernens (2004) Finanzierung Lebenslangen Lernens – der Weg in die Zukunft. Schlussbericht. Schriftenreihe der Expertenkommission Finanzierung Lebenslangen Lernens, Band 6. Expertenkommission, BielefeldGoogle Scholar
  12. 12.
    Fischer U L (2001) Frauenarbeit in der Transformation. Staatliche Regulation – regionale Arbeitsmärkte – geschlechtsbezogene Deutung. Leske & Budrich, OpladenGoogle Scholar
  13. 13.
    Ilmarinen J (2005) Towards a longer worklife! Ageing and the quality of worklife in the European Union. FIOH, HelsinkiGoogle Scholar
  14. 14.
    Jansen R, Müller R (2000) Arbeitsbelastungen und Gesundheit älterer Arbeitnehmer im Dienstleistungsbereich. Z Gerontol Geriatr 33:256–261CrossRefPubMedGoogle Scholar
  15. 15.
    Maier G (2000) Erwerbstätigkeit von Frauen in der zweiten Lebenshälfte. Z Gerontol Geriatr 33:276–283CrossRefPubMedGoogle Scholar
  16. 16.
    Morschhäuser M (2007) Berufsbegleitende Weiterbildung für Ältere. Zukunftsaufgabe für Betriebe, Beschäftigte und Gesellschaft. Soziale Sicherheit 4:141–148Google Scholar
  17. 17.
    Naegele G (1988) Zur Zukunft älterer Arbeitnehmer – Die Entscheidung für oder gegen die Alterserwerbsarbeit fällt in den Betrieben und ist dort zu beeinflussen. Soziale Sicherheit 6Google Scholar
  18. 18.
    Naegele G (2004) Verrentungspolitik und Herausforderungen des demografischen Wandels in der Arbeitswelt. In: Cranach MV, Schneider H-D, Ulich E, Winkler R (Hrsg) Ältere Menschen im Unternehmen. Chancen, Risiken, Modelle. Haupt, Bern, S 189–219Google Scholar
  19. 19.
    Naegele G (2005) Nachhaltige Arbeits- und Erwerbsfähigkeit für ältere Arbeitnehmer. WSI-Mitteilungen 4:214–219Google Scholar
  20. 20.
    Naegele G, Walker A (2006) A guide to good practice in age management. European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions, LuxembourgGoogle Scholar
  21. 21.
    Naegele G, Kowalski I, Leve V et al (2008) Rente mit 67 – Voraussetzungen für die Weiterarbeitsfähigkeit älterer Arbeitnehmerinnen. Unveröffentlichter Forschungsbericht. Technische Universität, DortmundGoogle Scholar
  22. 22.
    Parent-Thirion A, Macías EF, Hurley J, Vermeylen G (2007) Fourth European working conditions survey. Office for Official Publications of the European Communities, LuxembourgGoogle Scholar
  23. 23.
    Pietrzyk U (2002) Brüche in der Erwerbsbiografie – Chancen und Risiken für die Entwicklung beruflicher Kompetenz. Dr. Kovac, HamburgGoogle Scholar
  24. 24.
    Puchert R, Höyng S (2000) Die Ausbremser – wie Männer die Gleichstellung verhindern. Kreuz, ZürichGoogle Scholar
  25. 25.
    Reichert M (2003) Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Pflege – ein Überblick zum neuesten Forschungsstand. In: Reichert M, Maly-Lukas N, Schönknecht C (Hrsg) Älter werdende und ältere Frauen heute. Zur Vielfalt ihrer Lebenssituationen. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden, S 123–148Google Scholar
  26. 26.
    Reichert M, Naegele G (1998) Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Pflege. Nationale und internationale Perspektiven, Bd. I und II. Dortmunder Beiträge zur angewandten Gerontologie, Band 8. Vincentz, HannoverGoogle Scholar
  27. 27.
    Sauer M (2004) Arbeitswelten und Geschlechterdifferenz. Anreize zur sozialen Dekonstruktion in politischen Zukunftskonzepten. Utz, MünchenGoogle Scholar
  28. 28.
    Scherger S (2007) Destandardisierung, Differenzierung, Individualisierung. Westdeutsche Lebensläufe im Wandel. VS, WiesbadenGoogle Scholar
  29. 29.
    Sporket M, Reichert A (2005) Das berufliche Lernen Älterer. In: Schönberg F, Naegele G (Hrsg) Alter hat Zukunft. 15 Jahre gerontologische Forschung in Dortmund. LIT, Münster, S 77–88Google Scholar
  30. 30.
    Statistisches Bundesamt (2006) Bevölkerung Deutschlands bis 2050. 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. Statistisches Bundesamt, WiesbadenGoogle Scholar
  31. 31.
    Statistisches Bundesamt (2007) Pflegestatistik 2005. Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung 2. Bericht: Ländervergleich–Pflegebedürftige. Statistisches Bundesamt, WiesbadenGoogle Scholar
  32. 32.
    Stiehr K, Spindler M (2006) Lebensbedingungen von Frauen 50 plus in Europa. Ergebnisse einer Sekundäranalyse in zwölf westeuropäischen Ländern. Z Gerontol Geriatr 39:5–12CrossRefPubMedGoogle Scholar
  33. 33.
    Walker A (2006) Active ageing in employment: its meaning and potential. Asia-Pacific Review 13:78–93Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag 2009

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Gerontologie an der Technischen Universität DortmundDortmundDeutschland

Personalised recommendations