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Vergleich der Sehschärfenbestimmung mit Landolt-Ringen versus Zahlen

  • Klaus RohrschneiderEmail author
  • Axel R. Spittler
  • Michael Bach
Originalien
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Zusammenfassung

Hintergrund

Die Bestimmung der Sehschärfe besonders zu gutachtlichen Zwecken erfolgt mit Landolt-Ringen. In der klinischen Praxis ist eine solche Sehschärfeprüfung aus verschiedenen Gründen schlecht praktizierbar und nicht üblich. Wir untersuchten deshalb, wie sich der Visus bei Prüfung mit Landolt-Ringen gegenüber dem Visus mit Zahlen unterscheidet.

Methoden

Es erfolgte eine retrospektive Auswertung der Sehschärfeprüfung an 2335 Augen von 1394 Patienten (Alter 5 bis 98 Jahre, Median 51 Jahre) der Sehbehindertenambulanz der Univ.-Augenklinik Heidelberg. Die Patienten hatten unterschiedlichste Augenerkrankungen. Bei allen erfolgte die Sehschärfeprüfung für Zahlen und Landolt-Ringe in identischer Weise DIN-gerecht. Die Sehschärfe wurde als LogMAR angegeben und intraindividuell verglichen.

Ergebnisse

Zwischen den Ergebnissen mit beiden Optotypen bestand zwar eine hohe Korrelation von r2 = 0,927, doch im Mittel unterschieden sich die Sehschärfen deutlich mit 0,13 ± 0,14 LogMAR. Mit Zahlen wurde eine um 0,13 LogMAR höhere Sehschärfe ermittelt, etwas mehr als 1 Zeile. Diese Unterschiede waren weitgehend unabhängig von der Sehschärfe und nahmen mit dem Alter etwas zu. Die Schwankungen waren allerdings für geringe Sehschärfen größer.

Schlussfolgerung

Während die Sehschärfe im klinischen Alltag typischerweise mit Zahlen geprüft wird und wissenschaftlich meist ETDRS-Tafeln zum Einsatz kommen, erlaubt lediglich die Benutzung von Landolt-Ringen eine Untersuchung ohne Einfluss der Formerkennung. Diese sind daher für rechtliche Belange in Europa nach der EN ISO 8596 bzw. in Deutschland nach DIN 58220 gültig. Die Ergebnisse bestätigen frühere Arbeiten zum Vergleich mit E‑Haken oder Lea-Symbolen dahingehend, dass Landolt-Ringe in einer geringeren Sehschärfe resultieren. Im Mittel ist der Visus um etwa 1 Zeile schlechter als mit Zahlen. Dies spricht für einen nicht korrekten Anschluss der Zahlen des Polatests mit einer Abweichung von mehr als den erlaubten 0,05 LogMAR. Es ist daher für eine gutachtliche Beurteilung wichtig, den Visus korrekt mit Landolt-Ringen zu erheben.

Schlüsselwörter

Sehschärfeprüfung Landolt-Ring Begutachtung Optotypen Zahlenvisus 

Comparison of visual acuity measurement with Landolt rings versus numbers

Abstract

Purpose

Landolt rings are commonly used for the measurement of visual acuity, especially for legal purposes. For multiple reasons, in clinical practice these optotypes are not in use and not practical. Therefore, the difference between visual acuity tested with Landolt rings as opposed to numbers was evaluated.

Methods

Visual acuity measurements of 2335 eyes from 1394 patients (aged 5–98 years, median 51 years) were retrospectively analyzed at the Low Vision Department of the University of Heidelberg. The patients had a broad range of ophthalmological disorders. In all patients the measurement of visual acuity was performed with numbers as well as Landolt rings according to DIN 58220. Visual acuity was determined in LogMAR and compared between the two optotypes.

Results

Correlation between both optotypes was high with r2 = 0.927 but there was a pronounced mean difference in visual acuity of 0.13 ± 0.14 LogMAR. Using numbers, visual acuity was 0.13 LogMAR higher, somewhat more than one line. These differences were mostly independent of visual acuity and increased slightly with age; however, the variations were greater for lower visual acuity.

Conclusion

Whereas in clinical practice visual acuity is typically determined using numbers and early treatment diabetic retinopathy study (ETDRS) charts are the gold standard for a scientific assessment of visual acuity, only the use of Landolt rings enables an examination without the influence of form recognition. The use of Landolt rings is therefore valid for legal reasons in Europe according to EN ISO 8596 and in Germany according to DIN 58220. Comparing Landolt rings with the Snellen E chart or LEA symbols, these results confirm previous reports that visual acuity measured with Landolt rings results in lower visual acuity. On average visual acuity is approximately one line worse than when tested with numbers, a fact that has to be taken into account when comparing different examination results. This may be explained by incorrect correlation of the used numbers exceeding the allowed difference in eligibility of 0.05 LogMAR. Hence, it is important for legal assessment to measure visual acuity correctly with Landolt rings.

Keywords

Visual acuity measurement Landolt ring Assessment Optotype Numbers vision 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

K. Rohrschneider: Vortragshonorare Santhera (Germany), Reisekostenerstattung Bayer Vital, Forschungsförderung Novartis, iStar Medical. M. Bach: Consultant Diagnosys LLC A.R. Spittler gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Diese retrospektive Studie erfolgte nach den Richtlinien der Deklaration von Helsinki von 1975 (in der aktuellen, überarbeiteten Fassung) und im Einklang mit nationalem Recht.

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Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Klaus Rohrschneider
    • 1
    Email author
  • Axel R. Spittler
    • 1
  • Michael Bach
    • 2
  1. 1.Ophthalmologische RehabilitationUniv.-Augenklinik HeidelbergHeidelbergDeutschland
  2. 2.Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Freiburg, Medizinische FakultätAlbert-Ludwigs-Universität FreiburgFreiburgDeutschland

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