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Der Ophthalmologe

, Volume 116, Issue 2, pp 108–108 | Cite as

Neurotrophe Keratopathie – Unterdiagnostiziert und unheilbar?

  • G. GeerlingEmail author
Einführung zum Thema
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Neurotrophic keratopathy—Underdiagnosed and incurable?

Manche Krankheitsbilder existieren mehr am Rand der Wahrnehmung, bis sie durch innovative diagnostische oder therapeutische Ansätze in das Bewusstsein des Ophthalmologen gerückt werden. Das gilt aktuell auch für die neurotrophe Keratopathie. Sie galt mit einer Prävalenz von geschätzt 5 auf 10.000 als „orphan disease“, eine seltene Erkrankung.

Zwar sollte jeder Augenarzt im Rahmen seiner Weiterbildung gelernt haben, wie die Hornhautsensibilität zu prüfen ist (mit ausgezogenem Wattetupfer oder Ästhesiometer nach Cochet-Bonnet). In der klinischen Routine, ob aufgrund der Seltenheit oder auch Zeitnot, wurde die Diagnose in dieser Form selten gesichert. Das lag möglicherweise an der Vielzahl der potenziellen Ursachen, von der Herpeskeratitis über Systemerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus) bis hin zu unerwünschten Wirkungen von Medikamenten, aber evtl. auch am Mangel spezifischer Therapiemaßnahmen.

Mit der Zulassung eines – zugegebenermaßen für die Augenheilkunde sehr teuren – Präparates im Jahr 2017 und der Einordnung seines Nutzens durch den Gemeinsamen Bewertungsausschuss in diesem Jahr hat sich das geändert. Die neurotrophe Keratopathie ist vermehrt in den Fokus des Interesses wissenschaftlicher Arbeiten und klinischer Therapiekonzepte geraten.

Aus diesem Grund greift das Titelthema dieses Heftes dieses Krankheitsbild von der Pathogenese und Epidemiologie (S. Mertsch) über die Klinik und Diagnostik (E. Messmer) bis hin zur Therapie (J. Alder) systematisch auf. Dabei wird letztendlich klar, dass die Erkrankung vermutlich häufiger, als primär erwartet, ist und auch mehr als nur eine Therapiemöglichkeit besteht.

Die neurotrophe Keratopathie ist vermehrt in den Fokus des wissenschaftlichen Interesses geraten

Dennoch gibt es weiter Fragen und Handlungsbedarf zum Thema neurotrophe Keratopathie: Welcher Augenarzt hat in seiner Praxis schon ein Ästhesiometer zur Verfügung? Wie effizient sind neue (teure) Medikamente im Alltag außerhalb von klinischen Studien – auch im Vergleich zu weiteren Verfahren – und welche ökonomische Auswirkung hat ihre Einführung?

Letztendlich ist die aktuelle Aufmerksamkeit auf diese Erkrankung aber positiv zu werten. Die Diagnose wird vermutlich häufiger gestellt und eine sachgerechte Therapie frühzeitiger eingeleitet werden. Die Autoren der 3 Schwerpunktbeiträge wünschen in diesem Sinn eine erhellende Lektüre.

G. Geerling

Notes

Interessenkonflikt

G. Geerling gibt an, Honorar als Referent und Drittmittel für wissenschaftliche Arbeiten von der Fa. Dompé erhalten zu haben.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Universitätsaugenklinik DüsseldorfHeinrich-Heine-UniversitätDüsseldorfDeutschland

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