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Der Pathologe

, Volume 31, Supplement 2, pp 323–323 | Cite as

Lothar Cossel

13.12.1924–20.03.2010
  • G. Geiler
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Lothar Cossel 13.12.1924–20.03.2010

Am 20. März 2010 verstarb Lothar Cossel, ehemals ordentlicher Professor am Institut für Pathologie der Universität Leipzig (Abb. 1).

Abb. 1

Lothar Cossel

Am 13. Dezember 1924 in Swinemünde geboren, besuchte er dort die Grundschule und das Reform-Realgymnasium, an dem er 1942, im 3. Kriegsjahr, das Abitur ablegte. Unmittelbar anschließend erfolgte die Einberufung zum Kriegsdienst bei der Marine, bei der er Artillerie-Offizier wurde; nach Kriegsende kam er kurzzeitig in englische Gefangenschaft. Von 1946 bis zum Wintersemester 1951 studierte er an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald Medizin. Er konnte dort mit dem Staatsexamen abschließen und zum Dr. med. promovieren. Nach einigen Jahren klinischer und poliklinischer Tätigkeit als Assistenzarzt am Kreiskrankenhaus und der Kreispoliklinik im Seebad Heringsdorf trat er als wissenschaftlicher Assistent in das Pathologische Institut der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald ein, das unter der Leitung von Gottfried Holle stand, dem Lothar Cossel nach Abschluss der Facharztausbildung und nach dessen Berufung an das Pathologische Institut der Universität Leipzig 1960 dorthin folgte.

Schon in Greifswald entdeckte er sein großes Interesse für die damals noch junge Ultrastrukturforschung, gründete 1958 die elektronenmikroskopische Abteilung und wurde deren Leiter. Im Hinblick auf die Schwierigkeit der apparativen Ausrüstung der Institute wenige Jahre nach Kriegsende war dies eine besondere Leistung. Mit großem Engagement baute er nach seinem Wechsel an das Pathologische Institut der Universität Leipzig auch dort eine elektronenmikroskopische Abteilung auf, für deren konsequente Verbesserung in der apparativen Ausstattung mit Ultramikrotomen und Elektronenmikroskopen ein großer persönlicher Einsatz erforderlich war. Trotz erheblicher Finanzprobleme in dieser Aufbauphase gelang ihm die Modernisierung der Abteilung, wobei er sich auf das hohe nationale und internationale Ansehen stützen konnte, das er durch seine Publikationen gewonnen hatte. Bis 1978 war er außerdem Prosektor am Leipziger Institut und hatte in dieser Aufgabe das Sektionswesen, die Ausbildung der Assistenten und die wichtigen Kontakte zu den Kliniken zu pflegen.

1961 habilitierte sich Lothar Cossel mit dem Thema „Elektronenmikroskopische Untersuchungen zur Ultrastruktur der menschlichen Leber“ und wurde ordentlicher Dozent. 1966 erfolgte die Ernennung zum Professor mit Lehrauftrag, 1969 zum Ordentlichen Professor für Allgemeine Pathologie und Spezielle pathologische Anatomie.

Sein wissenschaftliches Werk konzentriert sich auf die Elektronenmikroskopie der Leber, aber auch der Niere, der Lunge, des Pankreas, der Blutgefäße und des lymphatischen Gewebes. Dabei hat er immer wieder die Grenzflächen von Parenchym und Kapillaren unter physiologischen und pathologischen Bedingungen untersucht. Aus seinem Hauptarbeitsgebiet, der Leberpathologie, finden sich Beiträge zur Virushepatitis, zur Leberzirrhose, zum Ikterus und zu toxischen Leberschäden. Untersuchungen an den Pankreasinseln bei experimentellem Diabetes mellitus mit Zelltypisierung der lnselzellen und Untersuchungen der lnselzelltransplantationen in Leber und Milz mit der Wirkung zytotoxischer Lymphozyten sind Hinweise auf seine Beobachtung der damit verknüpften immunologischen Phänomene.

Seine wissenschaftliche Ernte ist durch zahlreiche Publikationen belegt. Sie finden einen Höhepunkt in der Monographie „Die menschliche Leber im Elektronenmikroskop. Untersuchungen an Leberpunktaten“.

Unter den Ehrungen, die Lothar Cossel erfahren hat, sollen die schon 1963 erfolgte Berufung zum Mitglied der „New York Academy of Science“ und die 1984 erfolgte Berufung in die „Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina“ hervorgehoben werden.

Lothar Cossel hat sich in der schwierigen Phase der DDR-Zeit als eine integre, eigenständige und zuverlässige Persönlichkeit erwiesen, der man vorbehaltlos Vertrauen schenken konnte. Dafür wissen ihm Viele Dank.

Gottfried Geiler, Leipzig

Copyright information

© Springer-Verlag 2010

Authors and Affiliations

  1. 1.-LeipzigDeutschland

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