Advertisement

Psychotherapeut

, Volume 64, Issue 2, pp 89–90 | Cite as

Sexualitäten – Aktuelle psychotherapierelevante Themen

  • Bernhard StraußEmail author
  • Hertha Richter-AppeltEmail author
Schwerpunkt: Sexualität – Editorial
  • 60 Downloads

Sexualities—Current issues relevant for psychotherapy

Wirft man einen Blick auf die Inhalte einiger maßgeblicher psychotherapeutischer Zeitschriften im deutschsprachigen Raum, zeigt sich für die jüngste Vergangenheit, dass das Thema Sexualität im weitesten Sinne eher marginal behandelt wurde. In der Zeitschrift Psychotherapeut jedenfalls finden sich in den Ausgaben der letzten Jahrgänge keine Arbeiten zum Thema, auch da nicht, wo sie vielleicht zu erwarten gewesen wären, etwa im Zusammenhang mit den Themen Digitalisierung, der psychosozialen Prävention oder der Kinder- und Jugendpsychotherapie (Fydrich und Schneider 2018; Strauß und Taubner 2018; Fegert und Freyberger 2017). Die Zeitschrift Psychotherapie im Dialog, ähnlich praxisorientiert wie Psychotherapeut, hat zuletzt 2013 ein Themenheft zu sexuellen Störungen und 2014 ein Heft zu sexuellen Traumatisierungen veröffentlicht.

Manche Themen, die in der öffentlichen Diskussion einen breiten Raum einnehmen, werden in der Psychotherapieforschung kaum aufgegriffen. Einige dieser Themen wurden in das vorliegende Heft aufgenommen und sollen zu einer weiteren Reflexion anregen. Dem in der letzten Zeit vernachlässigten Thema der sexuellen Funktionsstörungen widmen sich die ersten beiden Arbeiten, gefolgt von einem Beitrag, der sich mit dem neuen Gesetz zur Möglichkeit einer dritten Option als Geschlechtseintrag beschäftigt. Neben Ausführungen zur Behandlung von Menschen mit pädophilen Neigungen wurde in die Rubrik „Psychotherapie und Gesellschaft“ ein Beitrag zur MeToo-Debatte aufgenommen. Schließlich präsentieren wir eine Übersicht über Online-Beratungsangebote für Personen mit unerfülltem Kinderwunsch.

Eine umfassende Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Aspekten von Sexualität in der Zwischenzeit selbst in der Politik demonstriert die Wochenzeitung Das Parlament (Deutscher Bundestag 2019), vom Deutschen Bundestag herausgegeben, mit ihrer Ausgabe vom 07.01.2019. Viele ihrer Leser wurden vielleicht insofern überrascht, als sich fast die gesamte Ausgabe mit dem Sonderthema „Liebe und Sexualität“ (Untertitel „Geschlechter, Normen und Identitäten“) befasst. Kurz zusammengefasst, behandelt diese Ausgabe viele Facetten von Sexualität, beginnend mit der Frage, inwieweit Sexualitäten und das Geschlechterverhältnis immer auch politisch seien, welche Gefahren die Digitalisierung für die sexuelle Entwicklung beinhalten, wie sich die Politik sowie die Bürger zur Entwicklung der sexuellen Vielfalt und dem dagegen gerichteten Widerstand positionieren sollten.

Es geht in der Ausgabe aber auch um die negativen Seiten der sexuellen Freiheit, Sexualität bei körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen und um spezifische Themen wie Intersexualität, Formen der Pornografie, Prostitution und Voyeurismus.

Freilich darf in einer aktuellen politischen Zeitung auch nicht fehlen, was in den letzten Jahren besonders intensiv gesellschaftlich diskutiert wird, nämlich die Frage des sexuellen Missbrauchs etwa im kirchlichen Kontext und die Frage, wie dieser sexuelle Missbrauch adäquat aufzuarbeiten sei und die Thematik der sexuellen Gewalt im alltäglichen Umgang der Geschlechter.

Dass ein so weit verbreitetes und primär politisches Veröffentlichungsblatt sich so intensiv mit den Facetten der Sexualität beschäftigt, reflektiert, dass wir uns zwangsläufig wieder mit den hier genannten Themen beschäftigen müssen, die nicht nur von hoher gesellschaftlicher, sondern auch von klinischer Relevanz sind, weswegen eine Ausgabe des Psychotherapeut quasi dem Parlament folgen soll, um einige Aspekte der Sexualität etwas detaillierter darzustellen.

Notes

Interessenkonflikt

B. Strauß und H. Richter-Appelt geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Literatur

  1. Das Parlament (2019) „Liebe und Sexualität“ – Geschlechter, Normen und Identitäten. Ausgabe vom 7.1.2019Google Scholar
  2. Fegert JM, Freyberger HJ (2017) Grenzbereich zwischen Jugend- und Erwachsenenalter. Psychotherapeut 62:1–2CrossRefGoogle Scholar
  3. Fydrich Th, Schneider W (2018) Digitalisierung und Psychotherapie. Psychotherapeut 63:269–270CrossRefGoogle Scholar
  4. Strauß B, Taubner S (2018) Psychosoziale Prävention und Familientherapie. Psychotherapeut 63:353–354CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Psychosoziale Medizin und PsychotherapieUniversitätsklinikum JenaJenaDeutschland
  2. 2.Institut für Sexualforschung und Forensische PsychiatrieUniversitätsklinikum Hamburg-EppendorfHamburgDeutschland

Personalised recommendations