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Psychotherapeut

, Volume 64, Issue 6, pp 429–429 | Cite as

Narzissmus und Grenzverletzungen in der Psychotherapie

  • Carsten SpitzerEmail author
  • Bernhard StraußEmail author
Schwerpunkt: Narzissmus und Grenzverletzungen in der Psychotherapie – Editorial
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Narcissism and boundary violations in psychotherapy

Als wir uns seinerzeit mit der Frage beschäftigten, welche Themen Sie, die Leserinnen und Leser, als Schwerpunkt der Zeitschrift Psychotherapeut interessieren könnten, haben wir nicht geahnt, wie politisch und damit gesamtgesellschaftlich aktuell unser Vorschlag „Narzissmus und Grenzverletzungen“ sein wird. Die in diesem Kontext immer wieder diskutierten Phänomene von Macht(missbrauch) und somit das destruktive Potenzial von Narzissmus begegnen uns allen tagtäglich und prägen gleichermaßen unseren beruflichen und persönlichen Alltag. Daher erscheint es uns immens wichtig, dieser Thematik mit einem Schwerpunktheft Raum zu geben und auch die konkreten Auswirkungen auf und für die Psychotherapie zu beleuchten.

Der erste Beitrag von C. Lammers (Hamburg) liefert zunächst eine Übersicht zu den Schwierigkeiten der therapeutischen Beziehungsgestaltung mit narzisstisch gestörten Patienten. Die empirische Arbeit von Mota et al. (Münster) stellt das „narcissistic admiration and rivalry concept“ (NARC) und die psychometrische Evaluation eines Selbstbeurteilungsinstruments zu dessen Erfassung und klinischer Bedeutung vor. In ihrer Auseinandersetzung mit dem Film Toni Erdmann illustriert Löwer-Hirsch (Berlin/Düsseldorf) den „Jahrmarkt der Eitelkeiten“ und weist auf die wechselseitigen Bedingtheiten von gesellschaftlichen und persönlichen Zuständen hin.

Dies leitet über zu dem (oft narzisstisch motivierten) Machtmissbrauch in der Psychotherapie, der Gegenstand der folgenden drei, aufeinander bezogenen Beiträge ist. Sie stammen ausnahmslos aus der Kooperation des Ethikvereins e. V. (in Person von Andrea Schleu) und des Instituts für Psychosoziale Medizin des Universitätsklinikums Jena. Im ersten Beitrag beschäftigt sich Andrea Schleu (Essen) intensiv und systematisch mit dem Spektrum von Grenz- und Abstinenzverletzungen in der Psychotherapie. Es folgen die Ergebnisdarstellungen von zwei Master-Arbeiten, wobei zunächst Kontny et al. mithilfe eines inhaltsanalytischen Ansatzes die „Komplexität doppelter Beziehungsangebote“ in psychotherapeutischen Behandlungen beschreiben und Hannah Stuhler et al. abschließend auf die langsam eskalierenden Prozesse zunehmender Grenzverletzungen eingehen, die schlimmstenfalls zu sexuellem Missbrauch in einer Psychotherapie führen.

Trotz und gerade wegen aller Schwere und deprimierenden Grundtönung der Thematik von Narzissmus und Grenzverletzungen halten wir es für eminent wichtig, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten für diese unterschätzte und sowohl wissenschaftlich wie klinisch unterrepräsentierte Problematik gleichermaßen zu interessieren und zu sensibilisieren.

Wir wünschen uns, dass dieses Schwerpunktheft zumindest ein wenig dazu beitragen kann, und wünschen Ihnen eine interessante und hoffentlich für Ihre Arbeit gewinnbringende und fruchtbare Lektüre.

Carsten Spitzer (Rostock) und Bernhard Strauß (Jena)

Notes

Interessenkonflikt

C. Spitzer und B. Strauß geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische MedizinUniversitätsmedizin RostockRostockDeutschland
  2. 2.Institut für Psychosoziale Medizin und PsychotherapieUniversitätsklinikum JenaJenaDeutschland

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