Nicht unsere Geschichte
Zusammenfassung
Im Jahr 1967 sprechen A. und M. Mitscherlich von dem für das Selbstgefühl unerträglichen Schuldmoment, das die deutsche nationalsozialistische Verbrechensgeschichte beinhaltet. Ein Rückblick auf den emotionalen Umgang mit der NS-Vergangenheit seit 1945 belegt ihre so hellsichtige wie pessimistische Diagnose einer emotionalen Überforderung, die Verbrechensgeschichte in das eigene Selbstbild zu integrieren. Als Kontinuität über die Jahrzehnte erweist sich die Abwehr der Schuldvorwürfe von außen statt der Auseinandersetzung mit der Schuld. Aber auch die Autoren von Die Unfähigkeit zu trauern werden ihrem Anspruch nicht gerecht. Bis heute wird immer wieder die Flucht ins Moralisieren, in Schuldverschiebungen oder Identifikationen mit den Opfern angetreten. Man kann der Überforderung nicht entkommen, nur die eigenen Blickverengungen und emotionalen Sperren reflektieren.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus Erinnerung Selbstreflexion Schuld Kontinuität der AbwehrNot our history
Abstract
In 1967 A. and M. Mitscherlich spoke about the unbearable feeling of guilt for the self-awareness that is derived from the German National Socialist criminal history. A retrospective view of emotionally coping with the NS past since 1945 confirms their clear-sighted as well as pessimistic diagnosis of excessive emotional demands to integrate the history of crime into one’s own self-image. The rejection of allegations of guilt from outside instead of trying to analyze the guilt, has proven to be a continuity over decades; however, even the authors of Die Unfähigkeit zu trauern cannot justify their claims. Even up to the present day one reverts over and over again to a flight into moralization, into shifting the guilt or identification with the victims. One cannot escape the excessive demands, only reflect on one’s own tunnel vision and emotional blockage.
Keywords
National Socialism Memory Self-reflection Guilt Continuity of defenceNotes
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt
G. Brockhaus gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Dieser Beitrag beinhaltet keine von der Autorin durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren.
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