Advertisement

Rechtsmedizin

, Volume 29, Issue 6, pp 484–490 | Cite as

Anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftaten in Köln und Umgebung – Erfahrungen aus mehr als 7 Jahren aus rechtsmedizinischer Perspektive

  • K. FeldEmail author
  • C. Schulte
  • M. Bogus
  • M. A. Rothschild
  • S. Banaschak
Originalien
  • 33 Downloads

Zusammenfassung

Hintergrund

Sexuelle Gewalt ist ein präsentes Problem in unserer Gesellschaft. Doch viele Übergriffe werden von den Betroffenen nicht angezeigt. Um ihnen trotz erst späterer Anzeigenerstattung eine Spurensicherung zu ermöglichen, wurden in NRW und anderen Bundesländern unterschiedlich organisierte und unterschiedlich finanzierte Strukturen aufgebaut.

Ziel der Arbeit

Die im Institut für Rechtsmedizin registrierten Fälle sollen unter statistischen Gesichtspunkten betrachtet und zu den allgemeinen Erfahrungen über diese Zeit in Beziehung gesetzt werden.

Material und Methoden

Retrospektiv wurden für den Zeitraum vom 05.06.2011 bis zum 31.12.2018 alle Fälle mit anonymer Spurensicherung nach Sexualstraftaten (ASS) des Instituts für Rechtsmedizin der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln analysiert. Das Fallkollektiv wurde wissenschaftlich aufgearbeitet.

Ergebnisse

Die registrierten Fälle (insgesamt bisher 275) zeigen eine Häufung im Stadtgebiet von Köln gegenüber den umgebenden Städten und weisen einen Gipfel in den Altersgruppen der 14- bis 20-jährigen sowie der 21- bis 30-jährigen Patientinnen auf. Es sind bislang ausschließlich Proben weiblicher Personen eingegangen. Durchschnittlich werden pro Fall 5,9 Asservate registriert, hierunter Abstriche, Kleidung und Blut- sowie Urinproben. In 28 Fällen kam es anschließend zu einer Anzeigenerstattung. Als problematisch haben sich im Rahmen der Asservierung hauptsächlich Formalien (Beschriftung, Versiegelung) ergeben. Grundsätzlich hat sich über den gesamten Zeitraum eine gute Annahme und Verbesserung in der Dokumentation der ASS-Fälle gezeigt.

Schlüsselwörter

Probenasservierung Gewalt gegen Frauen Vergewaltigung Beweisführung Anzeigenerstattung 

Anonymous sample collection after sexual crimes in Cologne and the surrounding area—experiences over more than 7 years from a medicolegal perspective

Abstract

Background

Sexual violence is a present problem in our society; however, many assaults are not reported by those affected. In order to make it possible for forensic evidence to be obtained from the persons concerned despite the fact that the incidents were only reported at a later date, different organizational structures have been set up in North Rhine-Westphalia and other federal states.

Objective

The cases registered at the Institute of Forensic Medicine were examined from a statistical point of view and related to the general experience gained over this period.

Material and methods

Retrospectively, all cases with anonymous evidence collection (ASS) at the Institute of Forensic Medicine of the Medical Faculty of the University of Cologne were analyzed for the period from 5 June 2011 to 31 December 2018. The case collective was scientifically analyzed.

Results

The registered cases (total so far 275) showed an accumulation in the urban area of Cologne compared to the surrounding towns and showed a peak in the age groups of 14–20 years old as well as 21–30 years old. So far, only samples from female persons have been received. On average 5.9 evidential items were registered per case, including swabs, clothing, blood and urine samples. In 28 cases, a complaint was subsequently filed. Formalities (e.g. labelling and sealing) were the main problems in the course of evidence collection. In principle, good acceptance and improvement in the documentation of cases of anonymous forensic evidence after sexual offences was shown over the entire period.

Keywords

Sample collection Violence against women Rape Evidence Incident report 

Notes

Danksagung

Wir danken Frau I. Kopetzky (Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen Köln, https://www.notruf-koeln.de/) für die langjährige und gute Zusammenarbeit.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

K. Feld, C. Schulte, M. Bogus, M. A. Rothschild und S. Banaschak geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Diese retrospektive Studie erfolgte nach Konsultation der zuständigen Ethikkommission und im Einklang mit nationalem Recht.

Literatur

  1. 1.
    Frauen gegen Gewalt e. V. (2014) Kampagne „Vergewaltigung verurteilen“ – Zahlen und Fakten. https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/zahlen-und-fakten-zum-plakat-vergewaltigung-verurteilen.html. Zugegriffen: 14. Mai 2019Google Scholar
  2. 2.
    Deutscher Juristinnenbund e. V. (2007) Anonyme Spurensicherung bei Opfern von Vergewaltigung – ein Beitrag zur Aufhellung des Dunkelfeldes. Aktuelle Informationen, Bd. 3, S 13 (Abrufbar über das Archiv der Verbandszeitschrift „aktuelle informationen“ des Deutschen Juristinnenbundes e. V.)Google Scholar
  3. 3.
    Schulte C, Mensching M, Doberenz E, Madea B (2014) Das Modell der Anonymen Spurensicherung nach Sexualstraftaten (ASS) im Raum Bonn/Rhein-Sieg. http://www.beratung-bonn.de/_downloads/Artikel_ASS_aktuell.pdf. Zugegriffen: 18. Apr. 2019Google Scholar
  4. 4.
    Schulte C (2018) Anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftaten (ASS) im Land NRW: Stand März 2018. Landesverband autonomer Frauen-Notrufe NRW, AachenGoogle Scholar
  5. 5.
    Gahr B, Ritz-Timme S (2017) Empfehlungen für Standards zur Gewaltopferuntersuchung, Verletzungsdokumentation und Spurensicherung in Fällen sexualisierter Gewalt bei Frauen und jugendlichen Mädchen. https://www.mhkbg.nrw/sites/default/files/media/document/file/ASS-Standards-Spurensicherung.pdf. Zugegriffen: 18. Apr. 2019Google Scholar
  6. 6.
    Arbeitskreis gegen Gewalt an Frauen (2018) Flyer ASS. https://www.notruf-koeln.de/wp-content/uploads/2012/04/Flyer-K%C3%B6ln-2018.pdf. Zugegriffen: 25. Apr. 2019Google Scholar
  7. 7.
    Nordrhein-Westfalen (2018) Ausbau der Anonymen/Vertraulichen Spurensicherung für von sexualisierter Gewalt Betroffene mit Unterstützung des Bundes. 28. Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -minister, -senatorinnen und -senatoren der Länder (GFMK). https://www.mhkbg.nrw/sites/default/files/media/document/file/GFMK_201806_Spurensicherung.pdf. Zugegriffen: 23. Apr. 2019Google Scholar
  8. 8.
    Nordrhein-Westfalen (2019) Grundsätze zur Förderung örtlicher/regionaler Kooperationen zur anonymen Spurensicherung nach sexualisierter Gewalt an Frauen und Mädchen im Haushaltsjahr 2019. https://www.mhkbg.nrw/sites/default/files/media/document/file/Foerdergrundsaetze_ASS_Vernetzung_2019_ON.pdf. Zugegriffen: 23. Apr. 2019Google Scholar
  9. 9.
    Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (2018) Ärztliche Versorgung Minderjähriger nach sexueller Gewalt ohne Einbezug der Eltern. https://www.dijuf.de/tl_files/downloads/Forschung%20und%20Projekte%20Seite_neu/Projekt-sexuelle_Gewalt/Expertise_Aerztliche_Versorgung_Minderjaehriger_nach_sexueller_Gewalt_5_2018.pdf. Zugegriffen: 23. Apr. 2019Google Scholar
  10. 10.
    Hornberg C (2015) Bestandsaufnahme regionaler Projekte der Anonymen Spurensicherung (ASS) in NRW und Darstellung von Entwicklungsmöglichkeiten für eine zielgerichtete Flächendeckung. https://www.mhkbg.nrw/sites/default/files/media/document/file/Endbericht_ASS_17122015.pdf. Zugegriffen: 24. März 2019Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • K. Feld
    • 1
    Email author
  • C. Schulte
    • 2
  • M. Bogus
    • 1
  • M. A. Rothschild
    • 1
  • S. Banaschak
    • 1
  1. 1.Institut für Rechtsmedizin, Medizinische FakultätUniversität zu KölnKölnDeutschland
  2. 2.Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Bonn/Arbeitskreis Opferschutz Bonn/Rhein-SiegLandesverband autonomer Frauen-Notrufe NRWBonnDeutschland

Personalised recommendations