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Rechtsmedizin

, Volume 29, Issue 1, pp 13–20 | Cite as

Auswertung der Untersuchungsdaten der Bayerischen Kinderschutzambulanz des Instituts für Rechtsmedizin der Universität München aus den Jahren 2014–2017

  • B. ZinkaEmail author
  • S. Schick
  • E. Mützel
Originalien
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Zusammenfassung

Einleitung

An der Bayerischen Kinderschutzambulanz des Instituts für Rechtsmedizin der Universität München (BKSA) werden seit 2011 – gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales – körperliche und genitale Untersuchungen von Kindern und Jugendlichen beim Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung durchgeführt, aber auch telefonische und Onlineberatungen von Ärzten, Jugendamtsmitarbeitern, Privatpersonen etc. Die Inhalte und Ergebnisse dieser Untersuchungen und Beratungen aus einer vierjährigen Förderungsphase der Jahre 2014–2017 werden vorgestellt.

Material und Methoden

Es wurden die Ergebnisse von 242 Untersuchungen von Kindern und Jugendlichen sowie 1212 Telefonaten und 302 Onlineberatungen ausgewertet.

Ergebnisse

Mehr als die Hälfte (52 %) der Untersuchungen wurden wegen des Verdachts auf einen sexuellen Missbrauch durchgeführt, wobei Mädchen deutlich häufiger vorgestellt wurden als Jungen. In etwa der Hälfte der Fälle waren Kinder unter 6 Jahren betroffen. Die meisten telefonischen Anfragen erfolgten durch Ärzte und betrafen ebenfalls am häufigsten Aspekte zum sexuellen Missbrauch, wobei sich die Telefonate auf ca. 900 verschiedene Kinder bezogen. Auch bei den Onlineberatungen erfolgten die meisten Anfragen durch Ärzte. In etwa der Hälfte der Anfragen waren auch aus rechtmedizinischer Sicht gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung vorhanden.

Diskussion und Ausblick

Durch die BKSA werden verschiedene Professionen und Privatpersonen angesprochen und unterstützt, die mit dem Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung konfrontiert wurden. Die intensive Nutzung des Angebots bestätigt, dass weiterer Beratungs- und Fortbildungsbedarf besteht. Zudem konnte in vielen Fällen durch die Beratungen und Untersuchungen ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Kindeswohls geleistet werden.

Schlüsselwörter

Kinderschutzambulanz Kindeswohlgefährdung Sexueller Missbrauch Misshandlung Befunddokumentation 

Evaluation of examination data 2014–2017 of the Bavarian Child Protection Outpatient Department at the Institute of Forensic Medicine of the University of Munich

Abstract

Introduction

At the Bavarian Child Protection Outpatient Clinic (BKSA) at the Institute of Legal Medicine of the University of Munich sponsored by the Bavarian Ministry of State for Family, Labour and Social Affairs, since 2011 physical and genital examinations of children and adolescents are performed in cases of suspected welfare risk. Counseling of doctors, staff of the Youth Welfare Office and private persons is also carried out. The contents and results of these examinations and counseling from a 4-year period from 2014 to 2017 are presented.

Material and methods

The results of 242 examinations of children and adolescents as well as 1212 telephone calls and 302 online counselings were evaluated.

Results

Of the examinations 52% were carried out due to the suspicion of sexual abuse with girls being presented more frequently than boys. In approximately half of the cases children under the age of 6 years were affected. Most of the telephone inquiries were made by doctors and also mostly concerned aspects of sexual abuse with the telephone calls referring to approximately 900 different children. In the cases of online consultations, the majority of inquiries were made by doctors. Approximately half of the inquiries presented strong indications for a welfare risk for the child from a forensic point of view.

Discussion and perspective

The BKSA addresses and supports various professions and private individuals who are confronted with the suspicion of a child’s welfare risk. The frequency of consultations confirmed that further education and counseling is needed. Moreover, in many cases the deliberations and investigations have made an important contribution to secure the welfare of a child.

Keywords

Child Protection Outpatient Clinic Children’s welfare risk Sexual abuse Abuse Documentation 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

B. Zinka, S. Schick und E. Mützel geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren.

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Copyright information

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für RechtsmedizinUniversität MünchenMünchenDeutschland

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