Rechtsmedizin

, Volume 26, Issue 4, pp 255–257 | Cite as

95. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin

Rechtsmedizin 2030
Editorial
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95th Annual congress of the German Society of Legal Medicine

Legal medicine 2030

Im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rechts- und Verkehrsmedizinischen Instituts Heidelberg möchten wir Sie ganz herzlich zur diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin (DGRM) begrüßen.

Universitätssitz Heidelberg

Die schöne Stadt Heidelberg ist nicht nur beliebter Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt, sondern mit der bereits 1386 gegründeten Ruperto Carola auch ältester Universitätssitz im heutigen Deutschland, der auch heute einen exzellenten Ruf in der Wissenschaftslandschaft innehat. Zahlreiche Gelehrte und mehrere Nobelpreisträger gingen aus dieser Universität hervor – zuletzt Stefan Hell, der 2014 gemeinsam mit 2 Forschern aus den USA für die Entwicklung der ultrahochauflösenden Fluoreszenzmikroskopie ausgezeichnet wurde.

Wissenschaft und Lehre haben am Standort Heidelberg schon immer einen außerordentlichen Stellenwert

Neben der Ruprecht-Karls-Universität und dem Universitätsklinikum Heidelberg sind weitere bedeutende Forschungseinrichtungen wie das Deutsche Krebsforschungszentrum (dkfz), welches die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland darstellt, das Europäische Labor für Molekularbiologie EMBL und mehrere Max-Planck-Institute in Heidelberg angesiedelt. Wissenschaft und Lehre haben am Standort Heidelberg schon immer einen außerordentlichen Stellenwert, der sich nicht nur in zahlreichen international erfolgreichen Projekten und dem Erlangen des Rufs einer „Exzellenzuniversität“ im Rahmen der Exzellenzinitiative niederschlägt, sondern insbesondere auch in einer sehr hohen Bereitschaft zu einer instituts- und fachübergreifenden Zusammenarbeit. In diesem Sinne fungiert das dkfz in diesem Jahr erstmals als Mitveranstalter der DGRM-Tagung. Das dkfz (Abb. 1) ist neben dem Universitätsklinikum Heidelberg und dem Ludwig Boltzmann Institut für Klinisch-Forensische Bildgebung in Graz ein wichtiger Forschungspartner des Rechtsmedizinischen Instituts (Abb. 2).
Abb. 1

Besonderen Stärken des Standorts Heidelberg sind die Nähe zu führenden Forschungseinrichtungen wie dem Deutschen Krebsforschungszentrum dkfz (die Abbildung zeigt das Gebäude des dazu gehörenden 7T-Magnetresonanztomographen) und die hohe Bereitschaft zu einer fachübergreifenden Zusammenarbeit. (dkfz, Marco Müller, mit freundl. Genehmigung)

Abb. 2

Das Institut für Rechts- und Verkehrsmedizin befindet sich noch im denkmalgeschützten Areal des Altklinikums in Bergheim; Neubau und Umzug ins Neuenheimer Feld sind derzeit in Planung

Lehrstuhl für Gerichtsmedizin

Der Lehrstuhl für Gerichtsmedizin in Heidelberg feiert in diesem Jahr sein 250-jähriges Jubiläum. Er wurde 1766 als einer von 5 medizinischen Lehrstühlen an der Medizinischen Fakultät in Heidelberg eingerichtet. Erster Inhaber des Lehrstuhls war Hubert von Harrer, Leibmedikus des Kurfürsten Carl-Theodor. Nach seinem Ausscheiden 1793 wurde das Fach in Heidelberg bis in das 20. Jh. hinein von Ärzten verschiedener Disziplinen vertreten, so etwa von 1867 bis 1910 vom Hygieniker Franz Knauff. Diese als „Staatsmedizin“ bezeichnete Verbindung von Gerichtsmedizin und Hygiene war damals in weiten Teilen Deutschlands üblich und wurde in Heidelberg erst mit dem Ende der Amtszeit Franz Knauffs aufgegeben. Es folgte erneut eine Phase, in der das Fach von Ärzten verschiedener Fachrichtungen vertreten und die 1927 durch die Ernennung des Grazers Walter Schwarzacher auf einem eigenständigen Lehrstuhl beendet wurde. Unter Berthold Mueller wurden 1965 die Abteilung für Verkehrsmedizin gegründet und die heutigen Institutsgebäude 1966 bezogen. Auf ihn folgte 1968 Georg Schmidt, der u. a. einen versicherungsmedizinischen Schwerpunkt verfolgte. In seiner Amtszeit wurde, einem allgemeinen Trend folgend, das Institut 1974 in „Institut für Verkehrsmedizin“ umbenannt.

Im Jahr 1991 übernahm Rainer Mattern die Leitung des Instituts. Der von ihm weiterverfolgte verkehrsmedizinische Schwerpunkt fand u. a. seinen Niederschlag in der erneuten Umbenennung des Instituts in „Institut für Rechtsmedizin & Verkehrsmedizin“.

Seit 2011 steht Kathrin Yen dem Institut vor, die dessen bewährte Gliederung in 4 Fachbereiche beibehielt und das Institut um eine klinisch-forensische Ambulanz sowie eine neue Forschungsstruktur ergänzte. Den wissenschaftlichen Schwerpunkt des Fachbereichs forensische Medizin bilden derzeit die modernen bildgebenden Verfahren, insbesondere die Hochfeld-Magnetresonanztomographie, die als Ergänzung zur klassischen Obduktionsmedizin betrieben und vorwiegend im Hinblick auf neurotraumatologische Fragestellungen eingesetzt wird. Daneben prägt die 2012 neu gegründete klinisch-forensische Ambulanz nicht nur das Dienstleistungsspektrum, sondern auch die wissenschaftlichen Aktivitäten der Abteilung. Ein weiterer wesentlicher Forschungsschwerpunkt liegt im Fachbereich forensische Toxikologie in der Entwicklung und Weiterentwicklung von Alkoholabstinenzmarkern, was sich auch auf dem Feld der Dienstleistung mit erheblich steigenden Fallzahlen der Abstinenzkontrollen niederschlägt. Hauptarbeitsfeld der DNA-Abteilung sind die Verbesserung der DNA-Extraktion aus Blutspuren und die Untersuchung telegener Haare. Die verkehrsmedizinische Abteilung ist neben der laufenden Begutachtungstätigkeit zur Fahreignung von Kraftfahrern wissenschaftlich auf den Themenschwerpunkt „der ältere Kraftfahrer“ sowie den Übergang zum zunehmend autonomen und mit Assistenzsystemen ausgerüsteten Fahrzeug fokussiert.

DGRM-Jahrestagung 2016

Für die DGRM-Jahrestagung 2016 wurde als Kongressthema in Kontrast zum traditionsreichen Hintergrund des Standorts Heidelberg das Thema „Rechtsmedizin 2030“ und somit der „Blick in die Zukunft“ gewählt. Welche künftig zu erwartenden gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Entwicklungen werden sich auf das Fach Rechtsmedizin und dessen Nachbargebiete auswirken? Wo werden rechtsmedizinische Dienstleistungen und Forschung künftig benötigt? In welchen Bereichen nimmt die Bedeutung des Faches hingegen eher ab oder entwickeln sich alternative, vielleicht sogar bessere Verfahren? Wo ist es aber auch in Zukunft wichtig, dass mit Sorgfalt und Genauigkeit Beurteilungsgrundlagen erstellt werden, die die Kenntnis der traditionellen forensischen Traumatologie und Morphologie erfordern und somit nur verfügbar sind, wenn eben noch obduziert oder, beispielsweise am Leichenfundort, „eigenhändig“ untersucht wird?

Über die Grenzen des eigenen Fachbereichs hinausblicken

In über die Veranstaltungstage verteilten Plenarsitzungen sollen Themen wie diese aus verschiedenen Fachrichtungen beleuchtet und diskutiert werden. Die wissenschaftlichen Themenblöcke beinhalten das breite Spektrum der Rechtsmedizin; erstmals werden diese nicht nur nach Fachgebiet, sondern nach „fallbezogener“ Zusammengehörigkeit angeordnet, was den interdisziplinären Austausch und das „Hinausblicken über die Grenzen des eigenen Fachbereichs“ fördern soll. Die Poster-Präsentationen werden im „Power-Pitch“-Format abgehalten; jedes Poster wird kurz im Sitzungssaal projeziert und vorgestellt. Damit sollen auch den Poster-Beiträgen ein gebührender Rahmen und hohe Aufmerksamkeit gewährt werden. In Ergänzung zu dem wissenschaftlichen Programm findet ein Ausbau der aus den letzten Jahren bewährten Workshops statt, die sich v. a. an Nachwuchskräfte und Nachwuchswissenschaftler bzw. -wissenschaftlerinnen wenden. Vorträge zu „Drogen und Heidelberg“ sowie „gutachterlichen Schmankerln aus Juristensicht“ runden das wissenschaftliche und Fortbildungsprogramm ab.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme an der diesjährigen DGRM-Tagung, auf einen intensiven wissenschaftlichen, aber auch humorvollen Austausch und ein schönes gesellschaftliches Beisammensein in Heidelberg.

Kathrin Yen

Notes

Interessenkonflikt

K. Yen und R. Bux weisen auf folgende Beziehung hin: Kooperation mit Siemens Healthineers Erlangen.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für RechtsmedizinUniversitätsklinikum HeidelbergHeidelbergDeutschland

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