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Der Orthopäde

, Volume 48, Issue 11, pp 900–901 | Cite as

Menschen mit entzündlichen rheumatischen Erkrankungen brauchen ein interdisziplinäres Behandlerteam

  • Rotraut Schmale-GredeEmail author
  • Erika Gromnica-Ihle
  • Ursula Faubel
Editorial
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People with inflammatory rheumatic diseases need an interdisciplinary care team

Liebe Leserin, lieber Leser,

17 Mio. Menschen in Deutschland leiden an rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen. Die Deutsche Rheuma-Liga als größte Selbsthilfeorganisation im Gesundheitswesen mit über 300.000 Mitgliedern vertritt die Interessen dieser Menschen. Diese Mitglieder leiden an chronischen Rückenschmerzen, Arthrose, Osteoporose, Fibromyalgiesyndrom oder entzündlichen rheumatischen Systemerkrankungen, wie z. B. rheumatoider Arthritis, Spondyloarthritiden, Kollagenosen und Vaskulitiden.

Das Hauptsymptom der Betroffenen ist der Schmerz im Bewegungsapparat, der sie zuerst zum Hausarzt oder zum Orthopäden/Unfallchirurgen führt.

Rechtzeitige Therapie erhöht die Chance auf Remission

Für Betroffene von entzündlichen Systemerkrankungen werden bereits in den ersten Erkrankungswochen die Weichen für eine adäquate Versorgung gestellt. Rheumatologisches Grundwissen muss beim Orthopäden vorhanden sein, um bei Verdacht auf eine entzündliche Erkrankung möglichst schnell an den Rheumatologen zu überweisen. Je früher eine antientzündliche Therapie eingeleitet wird, desto größer ist die Chance der Betroffenen auf ein Leben ohne Behinderung. Untersuchungen zeigen, dass das Zeitfenster, innerhalb dessen die Erkrankung gestoppt werden kann, kurz ist. Bei der Früherkennung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen spielen die Fachärzte für Orthopädie daher eine wichtige Rolle.

Patienten brauchen die gute Zusammenarbeit des Behandlerteams

Etwa 2 % der erwachsenen Bevölkerung leiden an entzündlichen rheumatischen Erkrankungen. Bei 80 % der Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen liegen Komorbiditäten vor. Die meisten Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen bedürfen daher einer interdisziplinären Zusammenarbeit aller Behandler. Hierzu gehören neben dem Hausarzt, dem rheumatologisch weitergebildeten Orthopäden und dem internistischen Rheumatologen je nach Erkrankung auch weitere Fachärzte sowie der Physiotherapeut und der Ergotherapeut. Auch psychologische Begleitung ist bei psychischen Belastungen erforderlich. Die Koordination der Behandlung liegt bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen beim internistischen Rheumatologen.

Im derzeitigen Versorgungssystem gibt es erhebliche Defizite in der nichtmedikamentösen Versorgung. Daten der Kerndokumentation der regionalen Rheumazentren zeigen, dass zu wenige Betroffene Physiotherapie und Ergotherapie verordnet erhalten, obwohl Verordnungen für die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen als langfristiger Heilmittelbedarf bzw. besonderer Verordnungsbedarf anerkannt sind und bedenkenlos verordnet werden können. Diese Regelungen müssen besser genutzt werden, um die Beweglichkeit der Betroffenen zu erhalten.

Obwohl die Rheumatologie zunehmend ein ambulantes Fach wird, kann auf stationäre Behandlungen in vielen Fällen nicht verzichtet werden. Auch hier sind orthopädische Rheumatologen vielfach unverzichtbar, die frühzeitig in die Behandlung einbezogen werden müssen. Bei operativen Eingriffen infolge entzündlich-rheumatischer Erkrankungen muss ein hoher Qualitätsstandard gewährleistet sein. Die Entscheidung, in welcher Einrichtung operiert werden soll, muss sich am Einzelfall orientieren. Eine Gesamtplanung muss unter Einbeziehung rheumatologischen Sachverstandes erfolgen. Auch für komplexe Operationen an Händen und Füßen ist eine spezielle rheumatologische Kompetenz erforderlich.

Hilfe zur Selbsthilfe sollte verbessert werden

Eine medizinische Rehabilitationsmaßnahme sollte nicht nur im Rahmen einer Anschlussrehabilitation durchgeführt, sondern vermehrt auch aus dem ambulanten Bereich beantragt werden.

Auch sollte der Hinweis auf die Angebote der Selbsthilfe verbessert werden. Die Motivation zum eigenverantwortlichen Handeln kann durch die Selbsthilfegruppen erheblich verbessert werden. Die Gruppen der Rheuma-Liga bieten u. a. Funktionstraining an. Die Bewegungsübungen in den Gruppen können den Betroffenen helfen, kontinuierlich ihre Beweglichkeit zu trainieren.

Ob entzündliche oder degenerative Erkrankung des muskuloskelettalen Systems: Neben der Qualität der Behandlung wünschen sich die Betroffenen eine offene Kommunikation mit ihrem Arzt und die Einbeziehung in die Entscheidung über die Behandlung. Die partizipative Entscheidungsfindung setzt eine gute Information der Betroffenen voraus. Die Deutsche Rheuma-Liga stellt eine Vielzahl von gedruckten Informationsmaterialien für die unterschiedlichen muskuloskelettalen Erkrankungen bereit und informiert über die Webseite, mit Videos und über die Social-Media-Kanäle. Die App Rheuma-Auszeit hilft Betroffenen mit Entspannungs- und Bewegungsübungen. Informationsveranstaltungen und Seminare der Deutschen Rheuma-Liga auf Landes- und Ortsebene helfen, die Krankheit zu bewältigen und das Leben selbstbewusst auch mit der Erkrankung zu gestalten.

Im Sinne einer guten Gesamtversorgung bleibt zusammenfassend die Forderung: Der Patient steht im Mittelpunkt aller Aktionen und aller Beteiligten.

Rotraut Schmale-Grede

Erika Gromnica-Ihle

Ursula Faubel

Notes

Interessenkonflikt

R. Schmale-Grede, E. Gromnica-Ihle und U. Faubel geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Rotraut Schmale-Grede
    • 1
    Email author
  • Erika Gromnica-Ihle
    • 2
  • Ursula Faubel
    • 1
  1. 1.Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e. V.BonnDeutschland
  2. 2.BerlinDeutschland

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