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Update Kontrazeption

  • T. StrowitzkiEmail author
  • Barbara Sonntag
Einführung zum Thema
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Update on contraception

Warum ein Heft zur Kontrazeption? Ist da nicht das meiste bekannt und Teil unserer alltäglichen frauenärztlichen Beratung?

Aber das Thema ist sehr facettenreich und genau dies haben wir zum Inhalt des Heftes gemacht. Kontrazeption ist mehr als die Auswahl der geeigneten Pille. Apps zur Empfängnisverhütung werden in großem Stil beworben, der Markt ist fast unüberschaubar. Dabei sind die meisten nicht besser als die alte Kalendermethode. In einer Untersuchung der Stiftung Warentest fielen bis auf 3 Zyklus-Apps alle anderen 20 getesteten durch. Frau Frank-Herrmann aus Heidelberg und Experten der Sektion Natürliche Fertilität der DGGEF (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin) setzen sich im ersten Beitrag zu Recht kritisch mit der Sicherheit dieser in den unüberschaubaren Markt der Gesundheits-Apps einzuordnenden Methodik auseinander.

Orale Kontrazeptiva wirken in ihren Möglichkeiten weit über die reine Empfängnisverhütung hinaus

Der oralen Kontrazeption sind mehrere Beiträge gewidmet. Nach wie vor ist die hormonale Kontrazeption die häufigste Methode der Empfängnisverhütung. Die Verschreibungen sind nach Arzneimittelverordnungsreport leicht rückläufig, erreichten 2017 aber immerhin 269 Mio. DDD (definierte Tagesdosis). Orale Kontrazeptiva wirken in ihren Möglichkeiten weit über die reine Empfängnisverhütung hinaus. Gerade vor dem Hintergrund der bald veröffentlichten neuen S3-Leitlinie Empfängnisverhütung lohnt sich eine vertiefende Betrachtung einzelner Aspekte. Insbesondere die Einnahme monophasischer Kontrazeptiva im Langzyklus hat positive Zusatzeffekte bei zyklusabhängigen Beschwerden wie Dysmenorrhö, prämenstruellem Syndrom und auch Migräne. Dies stellen Keck, Sonntag und Segerer aus Hamburg eindrücklich dar.

Große Unsicherheit besteht oft bei der Verordnung hormonaler Kontrazeptiva bei neurologischen Grunderkrankungen. Hier setzt der Beitrag von Segerer und Keck an. Die multiple Sklerose ist die häufigste neurologische Erkrankung, und es bedarf guter Konzepte zur Kontrazeption. Dass Migräne in Verbindung mit Aura ein erhöhtes Risiko für die Einnahme oraler Kontrazeptiva bedeutet, ist bekannt. Die Definition und die korrekte Diagnose einer Aura sind aber oft komplex, sodass hier ein neurologisches Konsil vor der Wahl der geeigneten Kontrazeption sicher hilfreich ist. Einen neurologisch-psychiatrischen Zusammenhang greift auch der Beitrag von Merki-Feld aus Zürich auf: den nachgewiesenen Einfluss hormoneller Präparate auf die Stimmungslage in Abgrenzung zu einer Depression als relevante, aber seltene Komplikation. Dies ist besonders hilfreich vor dem Hintergrund einer dazu teilweise unsachlich in den Medien geführten Diskussion. Auch wird in dem Beitrag auf Besonderheiten bei der Verordnung hormonaler Kontrazeptiva für Frauen mit vorbekannter Depression als Grunderkrankung eingegangen.

Viele Patientinnen nehmen mehrere Medikamente parallel ein mit zum Teil ungeahnten Wechselwirkungen. Da ist ein Grundverständnis für die Interaktionen oraler Kontrazeptiva mit verschiedenen Medikamentengruppen hilfreich, wie es von den Heidelberger klinischen Pharmakologen Mahmoudi und Haefeli dargestellt wird. Auch auf Selbstmedikation ist in der Anamneseerhebung zu achten, wenn man z. B. an den großzügigen Einsatz von Johanniskrautpräparaten denkt.

Neben oralen Kontrazeptiva kommen intrauterine Langzeitkontrazeptiva immer häufiger zum Einsatz. In Zeiten des globalen Arbeitens mit häufigem Zeitzonenwechsel sind Langzeitkontrazeptiva eine attraktive und durch Vermeidung von Anwendungsfehlern ausgesprochen sichere Option. Schwerpunkte des Beitrages von Römer aus Köln sind weiterhin die bisher vorliegenden Daten zu den neueren kupferhaltigen Systemen sowie der Umgang mit typischen unter einer intrauterinen Kontrazeption auftretenden Problemsituationen, wie Blutungsstörungen oder Expulsionen.

Wie gesagt, Kontrazeption ist mehr als das Verschreiben einer Pille, sie ist facettenreich, muss Risikokonstellationen und individuelle Ansprüche berücksichtigen und weist häufig einen über die Verhütung hinausgehenden Zusatznutzen auf. Wir hoffen, Sie mit der Zusammenstellung dieses Heftes bei dieser täglichen Herausforderung ein wenig zu unterstützen und wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen der Beiträge!
Prof. Dr. med. Dr. h.c. T. Strowitzki

Prof. Dr. med. Barbara Sonntag

Notes

Interessenkonflikt

T. Strowitzki und B. Sonntag geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Abt. Gynäkologische Endokrinologie und FertilitätsstörungenUniversitätsklinikum HeidelbergHeidelbergDeutschland
  2. 2.Facharztzentrum für Kinderwunsch, Pränatale Medizin, Endokrinologie und OsteologieHamburgDeutschland

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