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Zum Vorgehen bei Candidurie und der Nitroxolin-Empfindlichkeit von Candidaisolaten

On the treatment of candiduria and nitroxoline sensitivity of Candida isolates

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FormalPara Kommentar zu:

Hof H (2017) Candidurie! Was nun? Zur Therapie von Harnwegsinfektionen durch Candida. Urologe 56:172–179. doi:10.1007/s00120-016-0219-x

Sehr geehrte Damen und Herren,

H. Hof greift in seinem Artikel das wichtige Thema des Vorgehens bei Candidurie und der Nitroxolin-Empfindlichkeit von Candidaisolaten auf. In diesem Zusammenhang bleiben einige Aussagen unklar.

In der Zusammenfassung schreibt H. Hof: „In der deutschen S3-Leitlinie wird zwar apodiktisch behauptet, dass es keine aszendierende Harnwegsinfektion durch Candida gibt. Zweifellos kann dies aber durchaus bei Risikopatienten, z. B. im Alter, Diabetes oder Fremdkörper im Harntrakt, geschehen.“

Der Autor hat wohl übersehen, dass es in der S3-Leitlinie „Harnwegsinfektionen Epidemiologie, Diagnostik, Therapie und Management unkomplizierter bakterieller ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten“ von 2010 (AWMF-Register-Nr. 043/044) um unkomplizierte Harnwegsinfektionen geht. Ein Befall mit Candida ist aber fast ausschließlich bei komplizierten Harnwegsinfektionen zu erwarten. Aus diesem Grunde ist also nicht verwunderlich, dass in der S3-Leitlinie zu unkomplizierten Harnwegsinfektionen die Candidurie nur am Rande erwähnt wird, nämlich dass ein Nachweis einer Candidurie bei Diabetikern in vielen Fällen eine Kolonisation und keine Infektion darstellt.

In der Diskussion geht der Autor von einer Candidurierate von 3 % in unselektionierten Urinen von ambulanten und stationären Patienten aus, obwohl in seiner eigenen Untersuchung (Tab. 1) lediglich eine Rate von 0,3 % (380/128271 Urinisolate) gefunden wurde, wobei die Keimzahl (KZ) unklar bleibt (Überschrift KZ >104 (pro Milliliter?); Tabellentext KZ >105/ml).

Mit Recht weist der Autor darauf hin, dass die klinische Relevanz eines Nachweises von Candida im Urin oft schwierig zu beurteilen ist. Auch aus diesem Grund ist eine Nachweisrate von 0,3 % noch lange nicht mit einer Infektionsrate gleichzusetzen, da in seiner Untersuchung keine klinischen Angaben zu den untersuchten Isolaten vorliegen. Trotzdem erscheint die in vitro gemessene Empfindlichkeitsrate (nicht Wirksamkeitsrate!) von Nitroxolin mit 100 % ermutigend. Eine Vergleichsuntersuchung gegenüber Standardantimykotika wäre zwar wünschenswert gewesen, aber die Untersuchung zeigt, dass zumindest aus mikrobiologischer Sicht Nitroxolin eine gute Alternative zu den Antimykotika für die Therapie einer Candidurie darstellen könnte, entsprechend dem Fazit des Autors für die Praxis.

Literatur

  1. 1.

    Wagenlehner FM, Schmiemann G, Hoyme U, Fünfstück R, Hummers-Pradier E, Kaase M, Kniehl E, Selbach I, Sester U, Vahlensieck W, Watermann D, Naber KG (2010) S-3 Leitlinie Harnwegsinfektionen Epidemiologie, Diagnostik, Therapie und Management unkomplizierter bakterieller ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-044l_S3_Harnwegsinfektionen.pdf

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Vahlensieck, W. Zum Vorgehen bei Candidurie und der Nitroxolin-Empfindlichkeit von Candidaisolaten. Urologe 56, 658 (2017). https://doi.org/10.1007/s00120-017-0377-5

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