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Der Nervenarzt

, Volume 71, Issue 8, pp 670–676 | Cite as

“Schlafattacken” bei Parkinson-Patienten Eine Nebenwirkung von Nonergolin-Dopaminagonisten oder ein Klasseneffekt von Dopamimetika?

Eine Nebenwirkung von Nonergolin-Dopaminagonisten oder ein Klasseneffekt von Dopamimetika?
  • J. C. Möller
  • K. Stiasny
  • W. Cassel
  • J. H. Peter
  • H. P. Krüger
  • W. H. Oertel
Aktuelles

Zusammenfassung

Im Zusammenhang mit der Einnahme der Nonergolin-Dopaminagonisten Pramipexol und Ropinirol wurde vor kurzem das Auftreten plötzlicher “Schlafattacken” bei Parkinson-Patienten postuliert. Aufgrund dieser möglichen Nebenwirkung müssen mit Pramipexol oder Ropinirol behandelte Patienten darauf hingewiesen werden, kein Kraftfahrzeug zu führen und keine anderen Aktivitäten, bei denen ein Mangel an Aufmerksamkeit zu Selbst- oder Fremdgefährdung führt, auszuüben. Aus schlafmedizinischer Sicht gilt das Auftreten von “Schlafattacken” jedoch als ungewöhnlich, da ein allmählicher Übergang aus dem Wach- in den Schlafzustand angenommen wird. So ist das z. B. bei der Narkolepsie oder dem Schlafapnoesyndrom beschriebene rasche Einschlafen in der Regel mit vorbestehender Tagesmüdigkeit assoziiert. Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit weisen eine hohe Prävalenz bei der Parkinson-Krankheit auf. Zudem ist Schläfrigkeit als Nebenwirkung der Nonergolin-Dopaminagonisten bereits bekannt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht vorhersagbar, ob es sich bei den “Schlafattacken” um einen plötzlichen Übergang aus dem Wach- in den Schlafzustand handelt oder diese überwiegend als Folge eines subjektiv als plötzlich empfundenen Einschlafens bei vorbestehender Tagesmüdigkeit zu interpretieren sind. Mögliche pathophysiologische Mechanismen des Phänomens der “Schlafattacken” sowie rechtliche Implikationen aus der Aufklärungspflicht des Arztes werden in diesem Beitrag diskutiert.

Schlüsselwörter Pramipexol Ropinirol Narkolepsie Tagesmüdigkeit 

Abstract

Recently, sudden “sleep attacks” have been described in parkinsonian patients taking the nonergoline dopamine agonists pramipexole and ropinirole. Due to this possible side effect, patients must be instructed not to drive vehicles and to refrain from other activities carrying the risk of self-injury. However, the very existence of sleep attacks remains controversial in sleep medicine, since a gradual transition from wakefulness to sleep is normally observed. Accordingly, sudden onset of sleep, e.g., in narcolepsy or sleep apnea syndrome, is usually associated with excessive daytime sleepiness. Prevalence of sleep disorders and daytime sleepiness have been shown to be increased in Parkinson's disease. Nonergoline dopamine agonists are already known to induce somnolence. Currently, it is not predictable whether sleep attacks represent a sudden transition from wakefulness to sleep or result from an increased propensity to fall asleep, with patients perceiving a sudden onset. Possible pathophysiological mechanisms and legal implications of sleep attacks are discussed.

Keywords Pramipexole Ropinirole Narcolepsy Daytime sleepiness 

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2000

Authors and Affiliations

  • J. C. Möller
    • 1
  • K. Stiasny
    • 1
  • W. Cassel
    • 2
  • J. H. Peter
    • 2
  • H. P. Krüger
    • 3
  • W. H. Oertel
    • 1
  1. 1.Klinik für Neurologie, Philipps-Universität MarburgDE
  2. 2.Schlafmedizinisches Labor, Zentrum für Innere Medizin, Philipps-Universität MarburgDE
  3. 3.Interdisziplinäres Zentrum für Verkehrswissenschaften, Institut für Psychologie, Universität WürzburgDE

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