Der Nervenarzt

, Volume 87, Issue 1, pp 88–90 | Cite as

Erratum zu: Psychische Störungen in der Allgemeinbevölkerung. Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland und ihr Zusatzmodul „Psychische Gesundheit“ (DEGS1-MH)

  • F. Jacobi
  • M. Höfler
  • J. Strehle
  • S. Mack
  • A. Gerschler
  • L. Scholl
  • M.A. Busch
  • U. Maske
  • U. Hapke
  • W. Gaebel
  • W. Maier
  • M. Wagner
  • J. Zielasek
  • H.-U. Wittchen
Erratum

Erratum to: Mental disorders in the general population. Study on the health of adults in Germany and the additional module mental health (DEGS1-MH)

In diesem Beitrag wurden zentrale Prävalenzdaten zu psychischen Störungen der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1-MH) vorgestellt, die z. T. auf Imputationen von Werten derjenigen Studienteilnehmer beruhten, für die lediglich Informationen zu den diagnostischen Stammfragen des eingesetzten Interviews (CIDI) vorlagen. Im Rahmen einer Überprüfung dieser Imputationen wurde von den Autoren entschieden, nachträglich 14 dieser vormals 834 Studienteilnehmer von den Analysen auszuschließen, da mehr als 20 % der Stammfragen nicht beantwortet waren. Zudem zog ein Teilnehmer nachträglich seine Einwilligung zur Studienteilnahme zurück. Ferner identifizierte eine nachträgliche Qualitätskontrolle einen Kodierungsfehler im Algorithmus der Major-Depression, dessen Korrektur zu Veränderungen gegenüber der Originalpublikation führte.

Dies hat die folgenden Konsequenzen:
  1. 1.

    Die Stichprobengröße von DEGS1-MH reduziert sich von n = 5318 auf n = 5303 (vollständige CIDI-Information: nun n = 4483 statt vormals n = 4484).

     
  2. 2.

    Einige Prävalenzen und deren Vertrauensintervalle verändern sich geringfügig. Die Gesamtprävalenz beträgt nun 27,8 % (vormals 27,7 %). Deutliche Abweichungen finden sich nur bei der Major-Depression mit 6,8 % (statt vormals 6,0 %; Frauen: 9,5 statt 8,4 %, Männer: 4,0 statt 3,4 %).

     

Da es sich bei DEGS1-MH um Referenzdaten für Deutschland handelt und zukünftig weitere Forschergruppen hiermit arbeiten werden, haben sich die Autoren entschlossen, alle Änderungen, ergänzt um entsprechende weitere methodische Erläuterungen, in einem ergänzenden Artikel zum englischsprachigen Artikel im International Journal of Methods in Psychiatric Research zu publizieren [1].

Die Aussagen, die im Originalbeitrag in Der Nervenarzt getroffen wurden, werden durch die Änderungen an keiner Stelle wesentlich beeinflusst. Lediglich Tab. 1 „12-Monats-Prävalenzen psychischer Störungen (DSM-IV-TR) in der erwachsenen Allgemeinbevölkerung“ muss neu erstellt werden, ansonsten sei auf Jacobi et al. [1] verwiesen. Zitiert wird nach wie vor der Originalbeitrag.

Tab. 1

12-Monats-Prävalenzen psychischer Störungen (DSM-IV-TR) in der erwachsenen Allgemeinbevölkerunga

Störung bzw. Störungsgruppe (mit ICD-10-Code)

12-Monats-Prävalenz: % (95 %-KI)

Frauen

Männer

Gesamt

In Millionenb

Psychische Störung aufgrund medizinischem Krankheitsfaktor oder substanzinduzierte Störung (F06)

1,2 (0,8–1,9)

1,2 (0,8–1,8)

1,2 (0,9–1,6)

0,8

Störung durch Substanzgebrauch (F1)c

14,0 (12,5–15,7)

19,4 (17,6–21,4)

16,7 (15,5–18,0)

10,7

Störung durch Substanzgebrauch (ohne Nikotinabhängigkeit)

3,5 (2,8–4,5)

8,0 (6,7–9,4)

5,7 (5,0–6,6)

3,7

– Alkoholmissbrauch

0,4 (0,2–0,9)

3,1 (2,4–4,1)

1,8 (1,4–2,3)

1,2

– Alkoholabhängigkeit

1,6 (1,1–2,2)

4,4 (3,5–5,5)

3,0 (2,5–3,6)

1,9

– Medikamentenmissbrauch

1,7 (1,1–2,4)

1,5 (1,0–2,2)

1,6 (1,2–2,1)

1,0

– Medikamentenabhängigkeit

0,7 (0,4–1,3)

0,3 (0,1–0,6)

0,5 (0,3–0,8)

0,3

– Nikotinabhängigkeit

11,8 (10,4–13,4)

14,6 (13,0–16,3)

13,2 (12,1–14,3)

8,5

Mögliche psychotische Störung (F2 und andere Gruppen psychotischer Störungen)d

3,1 (2,3–4,1)

2,1 (1,6–2,9)

2,6 (2,1–3,2)

1,7

Affektive Störungen (F3)

13,1 (11,5–14,8)

6,4 (5,4–7,6)

9,8 (8,8–10,8)

6,3

– Unipolare Depression

11,3 (9,8–12,9)

5,1 (4,3–6,1)

8,2 (7,3–9,2)

5,3

– Major-Depression

9,5 (8,2–11,1)

4,0 (3,3–4,9)

6,8 (6,0–7,7)

4,4

– Dysthyme Störung

2,1 (1,6–2,8)

1,2 (0,8–1,8)

1,7 (1,3–2,1)

1,1

– Bipolare Störung

1,7 (1,2–2,5)

1,3 (0,8–2,0)

1,5 (1,1–2,0)

1,0

– Bipolar I

1,1 (0,8–1,7)

0,9 (0,5–1,5)

1,0 (0,7–1,4)

0,6

– Bipolar II

0,7 (0,4–1,4)

0,5 (0,2–1,1)

0,6 (0,4–1,0)

0,4

Angststörung (F40, F41)

21,4 (19,5–23,4)

9,3 (8,1–10,8)

15,4 (14,2–16,6)

9,9

– Panikstörunge

2,8 (2,2–3,6)

1,2 (0,8–1,8)

2,0 (1,6–2,5)

1,3

– Agoraphobie

5,6 (4,6–6,9)

2,3 (1,7–3,1)

4,0 (3,4–4,7)

2,6

– Soziale Phobie

3,6 (2,7–4,9)

1,9 (1,4–2,6)

2,8 (2,2–3,4)

1,8

– Generalisierte Angststörung

3,0 (2,2–4,0)

1,5 (1,1–2,2)

2,3 (1,8–2,9)

1,5

– Spezifische Phobienf

15,5 (13,9–17,2)

5,1 (4,2–6,2)

10,3 (9,3–11,4)

6,6

Zwangsstörung

4,0 (3,1–5,1)

3,3 (2,5–4,2)

3,6 (3,0–4,3)

2,3

Posttraumatische Belastungsstörung

3,6 (2,8–4,7)

0,9 (0,6–1,5)

2,3 (1,8–2,9)

1,5

Somatoforme Störung (F45)g

5,3 (4,3–6,4)

1,7 (1,3–2,4)

3,5 (3,0–4,2)

2,2

– SSI 4,6

0,9 (0,6–1,6)

0,6 (0,4–1,0)

0,8 (0,6–1,1)

0,5

– Schmerzstörung

5,1 (4,1–6,2)

1,3 (0,9–1,8)

3,2 (2,6–3,8)

2,1

Essstörung (F50)

1,4 (0,9–2,1)

0,5 (0,3–0,9)

0,9 (0,7–1,3)

0,6

– Anorexia nervosa

1,2 (0,7–1,8)

0,3 (0,2–0,8)

0,8 (0,5–1,1)

0,5

– Bulimia nervosa

0,3 (0,2–0,5)

0,1 (0,0–0,3)

0,2 (0,1–0,3)

0,1

– Binge-eating-Störung

0,1 (0,0–0,4)

0,1 (0,0–0,2)

0,1 (0,0–0,2)

0,1

Irgendeine der genannten (ohne Nikotinabhängigkeit)

33,5 (31,4–35,7)

22,1 (20,2–24,1)

27,8 (26,4–29,3)

17,8

– Unter diesen mit einer Diagnose

49,8

63,2

55,0

9,8

– Zwei Diagnosen

22,2

21,8

22,0

3,9

– Drei Diagnosen

12,0

6,9

10,0

1,8

– Vier und mehr Diagnosen

16,0

8,2

13,0

2,3

aDEGS1-MH, nach Korrektur gemäß [1]; n = 5303 (davon imputierte Werte von n = 820 mit fehlenden Werten in diagnostischen Variablen), Daten (% und Konfidenzintervalle) gewichtet nach Alter, Geschlecht und Designfaktoren; ohne Anwendung von DSM-IV-Hierarchieregeln; eine Addition der einzelnen Prävalenzen (insgesamt und in Unterkategorien) ergibt aufgrund Komorbidität der Diagnosen untereinander eine höhere Zahl als die jeweils angegebene Gesamtprävalenz und ist daher nicht zulässig.bBezugsgröße: 64,1 Mio. Deutsche im Alter von 18 bis 79 Jahren zum 31.12.2010. Zu beachten ist, dass sich a) die Häufigkeiten in verschiedenen Gruppen (z. B. Geschlecht, Altersgruppen) ungleich verteilen und sich die Angaben in Millionen hier auf den jeweiligen Gesamtdurchschnitt beziehen; b) auch die Angaben in Millionen sollen mit entsprechendem Vertrauensintervall interpretiert werden (vgl. Spalte „Gesamt“).cOhne Missbrauch/Abhängigkeit illegaler Drogen (nicht erhoben).dScreening für Schizophrenie und andere psychotische Störungen ohne weitere Differenzialdiagnose; enthält psychotische Merkmale bei affektiven Störungen sowie psychotische Störungen aufgrund medizinischem Krankheitsfaktor und substanzinduzierte psychische Störungen.eMit und ohne Agoraphobie.fTierphobien, Phobien vor Naturereignissen (z. B. Gewitter), situationale Phobien (z. B. Höhe), Blut-/Spritzen-/Verletzungsphobien.gSomatic Symptom Index 4,6 (Escobar et al. [42]), Schmerzstörung.

Die Autoren bedauern mögliche Irritationen, die hierdurch entstanden sein mögen.

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt. F. Jacobi, M. Höfler, J. Strehle, S. Mack, A. Gerschler, L. Scholl, M.A. Busch, U. Maske, U. Hapke, W. Gaebel, W. Maier, M. Wagner, J. Zielasek und H.-U. Wittchen geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Alle Patienten, die über Bildmaterial oder anderweitige Angaben innerhalb des Manuskripts zu identifizieren sind, haben hierzu ihre schriftliche Einwilligung gegeben. Im Falle von nicht mündigen Patienten liegt die Einwilligung eines Erziehungsberechtigen oder des gesetzlich bestellten Betreuers vor.

Literatur

  1. 1.
    Jacobi F, Höfler M, Strehle J et al (2015) Twelve-months prevalence of mental disorders in the German Health Interview and Examination Survey for Adults – Mental Health Module (DEGS1-MH): a methodological addendum and correction. Int J Methods Psychiatr Res. [published online in Wiley Online Library (wileyonlinelibrary.com) doi:10.1002/mpr.1479]Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015

Authors and Affiliations

  • F. Jacobi
    • 1
    • 2
  • M. Höfler
    • 1
  • J. Strehle
    • 1
  • S. Mack
    • 1
  • A. Gerschler
    • 1
  • L. Scholl
    • 1
  • M.A. Busch
    • 3
  • U. Maske
    • 1
  • U. Hapke
    • 3
  • W. Gaebel
    • 4
  • W. Maier
    • 5
    • 6
  • M. Wagner
    • 5
    • 6
  • J. Zielasek
    • 4
  • H.-U. Wittchen
    • 1
  1. 1.Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Center of Epidemiology and Longitudinal, Studies (CELOS)Technische Universität DresdenDresdenDeutschland
  2. 2.Psychologische Hochschule BerlinBerlinDeutschland
  3. 3.Abteilung für Epidemiologie und GesundheitsmonitoringRobert Koch-InstitutBerlinDeutschland
  4. 4.Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische FakultätHeinrich-Heine-UniversitätDüsseldorfDeutschland
  5. 5.Klinik für Psychiatrie und PsychotherapieUniversität BonnBonnDeutschland
  6. 6.Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)BonnDeutschland

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