Advertisement

Der Internist

, 52:923 | Cite as

Geriatrie

  • W. SwobodaEmail author
  • C.C. Sieber
Einführung zum Thema
  • 3.7k Downloads

Geriatrics

Die Geriatrie ist aufgrund der demographischen Entwicklung ein stark wachsender Fachbereich der Inneren Medizin mit innovativen Versorgungsangeboten beispielsweise in der Gerontotraumatologie oder in der interdisziplinären Zusammenarbeit mit der Gerontopsychiatrie. Weiterer Wachstumsbedarf in bewährten Versorgungsstrukturen besteht nach dem „Weißbuch Geriatrie“ des Bundesverbands Geriatrie e. V. nicht nur stationär in der Akutgeriatrie mit der geriatrischen Frührehabilitation, bei den geriatrischen Tageskliniken und in der geriatrischen Rehabilitation sondern v. a. auch im ambulanten Bereich. Der geriatrisch fort- und weitergebildete Internist wird dabei in Zukunft auch im Sinne einer allgemein-internistischen Versorgung eine wichtige Funktion übernehmen. Ebenso ist davon auszugehen, dass geriatrische Forschungsergebnisse und praktische Erfahrungen aus der Geriatrie für die anderen internistischen Fachbereiche wegen der dort ebenfalls zunehmenden Zahl älterer Patienten an Bedeutung gewinnen werden. Deshalb wurden für dieses Heft ausgewiesene Geriater gebeten, den aktuellen Forschungs- und Entwicklungsstand in wichtigen Teilbereichen der Geriatrie darzustellen.

Forschungsergebnisse und Erkenntnisse aus der Geriatrie sind für alle internistischen Fachbereiche von zunehmender Bedeutung

Das geriatrische Assessment und Screening ist das zentrale, wissenschaftlich evaluierte Diagnostikinstrument der Geriatrie, dessen Aussagekraft und Bedeutung für den Patienten mit der internistischen Labordiagnostik oder den bildgebenden Verfahren vergleichbar ist. D. Lüttje et al. stellen in ihrem Beitrag die Entwicklung des geriatrischen Basisassessments mit dem Ziel, körperliche, geistige und soziale Funktionen und Aktivitäten sowie daraus resultierende Partizipationseinschränkungen zu erfassen, in allen seinen Dimensionen dar. Besondere Bedeutung kommt zukünftig dabei dem geriatrischen Screening zur Definition von alten Patienten mit geriatrischen Risikofaktoren zu.

Für viele multimorbide ältere Patienten wird bereits in der Notaufnahme oder auf der Intensivstation die Grundlage für den Erfolg einer funktionserhaltenden Behandlung geschaffen. Wie von K. Singler et al. gezeigt, ermöglichen verschiedene Risikoscores die Berücksichtigung der Multimorbidität, und die Beurteilung der Patienten durch ein geriatrisches Assessment und Screening erlaubt die Identifikation geriatrischer Patienten. Dies gestattet eine an den Ressourcen des Patienten orientierte Entscheidung, ob Bedarf für das spezialisierte Behandlungsangebot einer geriatrischen Abteilung oder für eine geriatrische Frührehabilitation besteht.

Stürze älterer Patienten gehören in Krankenhäusern nicht nur in geriatrischen Abteilungen zu den häufigsten Schadensereignissen, die zwingend ein Risikomanagement zur Prävention erfordern. Auch im ambulanten Bereich muss das Thema Sturz aktiv angesprochen werden, um im Sinne der Gesundheitsförderung eine Sturzprävention zu etablieren, die nachgewiesen bis zu 40% der Stürze verhindern kann. C. Becker und K. Rapp fordern deshalb überzeugend, mit einer „Bundesinitiative Sturzprävention“ flächendeckend in Deutschland qualifizierte Trainingsangebote für ältere Menschen selbst in Alten- und Pflegeheimen zu etablieren.

Die im Alter zunehmende Prävalenz der Mangel- und Fehlernährung ist in allen Fachdisziplinen der Inneren Medizin bei einer Vielzahl von Erkrankungen zu berücksichtigen. J.M. Bauer weist zu Recht auf die besondere Bedeutung der Ernährung als Grundlage für den Erhalt von Funktionalität und Lebensqualität im Alter hin. In der Ernährungstherapie ist eine gute Zusammenarbeit zwischen stationärer und längerfristiger ambulanter Behandlung erforderlich, die das Zusammenwirken von Ernährung und körperlicher Bewegung berücksichtigen muss.

Eine große Herausforderung wird zukünftig die Versorgung älterer Menschen im ambulanten Bereich, zu Hause und in Alten- und Pflegeheimen darstellen. Mehr als die Hälfte der Hausärzte, die diese Aufgabe übernehmen, sind niedergelassene, hausärztlich tätige Internisten. W. Swoboda und Th. Hermens stellen die aktuelle Situation der ambulanten geriatrischen Versorgung und erprobte Versorgungsmodelle vor. Diese können helfen, den wachsenden ambulanten Versorgungsbedarf zu decken, und eröffnen hausärztlich tätigen Internisten neue aktive Arbeitsfelder als Kooperationspartner oder Träger ambulanter Einrichtungen.

Die Beiträge unter dem Leitthema „Geriatrie“ zeigen, wie die Altersmedizin als Querschnittsfach interdisziplinär vernetzt ist und unter dem Dach der Inneren Medizin mit den anderen Fachbereichen in Verbindung steht. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Geriatrie und geriatrisches Fachwissen können in diesem Sinne auch zukünftig dazu beitragen, die Diagnostik und Therapie älterer Patienten zu verbessern.

W. Swoboda

C.C. Sieber

Copyright information

© Springer-Verlag 2011

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Biomedizin des AlternsFriedrich Alexander Universität Erlangen NürnbergNürnbergDeutschland

Personalised recommendations