Advertisement

Der Hautarzt

, Volume 70, Issue 3, pp 156–157 | Cite as

Luftverschmutzung und Haut

  • J. KrutmannEmail author
Einführung zum Thema
  • 238 Downloads

Air pollution and the skin

Die Haut ist ein Grenzflächenorgan. Ähnlich wie die Lunge und der Darm ist die menschliche Haut zahlreichen Umweltfaktoren ausgesetzt. Seit Jahrzehnten hat sich die umweltdermatologische Forschung mit dieser Thematik beschäftigt und hierbei z. B. wesentlich zur Aufklärung der hautschädigenden Wirkung von ultravioletter Strahlung des Sonnenlichtes beigetragen. Relativ neu ist jedoch die Erkenntnis, dass Luftverschmutzung die menschliche Haut beeinträchtigen kann. Diese Entdeckung ist von unmittelbarer klinischer Relevanz. So tragen Luftschadstoffe einerseits zum extrinsischen Hautalterungsprozess des Menschen bei, andererseits scheinen sie auch an der Entstehung bzw. am Verlauf einiger der häufigsten Hautkrankheiten beteiligt zu sein. Entsprechend wird diese Thematik von wissenschaftlichen, aber auch von nichtwissenschaftlichen Medien aufgegriffen mit der Folge, dass Wissenschaftler, Kliniker, Verbraucher und Patienten sich hiermit zunehmend beschäftigen [1]. Um dem klinisch tätigen Dermatologen einen möglichst fundierten, aktuellen Überblick über diese Thematik zu geben, wurden für diesen Schwerpunkt einige der weltweit führenden Experten zu dieser Thematik um Übersichtsbeiträge gebeten, in denen der Stand der Forschung zusammengefasst wird.

Luftschadstoffe beeinflussen die menschliche Haut und tragen so zu Hautalterung und -krankheiten bei

Die Erkenntnis, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Manifestation von Hautalterungszeichen, wie z. B. Pigmentflecken im Gesicht oder Gesichtsfalten, und einer Exposition mit verkehrsrelevanten Luftschadstoffen, geht auf umweltepidemiologische Untersuchungen zurück, die vor mehr als 8 Jahren von Vierkötter et al. publiziert wurden [2]. Der erste Beitrag dieses Schwerpunktes von Schikowski und Krutmann fasst die aktuell existierende umweltepidemiologische Evidenz hierfür zusammen und zeigt zudem auf, dass zwischenzeitlich der Zusammenhang zwischen einer Feinstaubbelastung der Haut und einem verstärkten Hautalterungsprozess auch mechanistisch belegt worden ist. Die Autoren diskutieren in ihrem Beitrag zudem die sich hieraus ergebenden Konsequenzen für einen wirksamen Schutz der Haut mit entsprechenden kosmetischen Produkten.

Der zweite Beitrag von Fuks et al. beschäftigt sich mit einem anderen Luftschadstoff, nämlich dem Gas Ozon, das uns allen bestens durch den regelmäßigen wiederkehrenden „Ozonalarm“ an heißen Sommertagen bekannt ist. Beim Vergleich der beiden Beiträge fällt auf, dass sich die Themen Feinstaub und Haut und Ozon und Haut sozusagen gegenläufig entwickelt haben. Während der Zusammenhang zwischen einer Feinstaubbelastung und Hautveränderungen zuerst epidemiologisch beschrieben und dann erst im Nachgang mechanistisch bewiesen wurde, verhält es sich beim Ozon genau andersherum. So wissen wir bereits seit den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts, dass eine Ozonbelastung schädigende Wirkungen an der menschlichen Haut hervorrufen kann, indem z. B. in der Hornschicht vorhandene Antioxidanzien aufgebraucht werden. Die klinische Relevanz dieser und sich anschließender Untersuchungen war jedoch lange Zeit unbekannt. Es gelang erst in diesem Jahr in einer umweltepidemiologischen Untersuchung, den durch eine chronische Ozonbelastung hervorgerufenen Gesundheitseffekt an der Haut zu identifizieren. Jetzt wissen wir, dass eine chronische Exposition mit erhöhten Ozonwerten dazu führt, dass ebenfalls der Hautalterungsprozess verstärkt wird [3]. Im Gegensatz zur Feinstaubbelastung kommt es jedoch nicht zu Pigmentanomalien, sondern vielmehr zu einer verstärkten Faltenbildung der menschlichen Haut.

Der dritte Beitrag von Krämer und Behrens beschäftigt sich mit der Bedeutung von Luftverschmutzung für die Pathogenese einer der häufigsten entzündlichen Hauterkrankungen überhaupt, nämlich des atopischen Ekzems. In einer qualitativ herausragenden systematischen Analyse der existierenden Literatur zeigen die beiden Autorinnen auf, ob und welche Zusammenhänge zwischen Luftverschmutzung und atopischem Ekzem bei Kindern, Erwachsenen und älteren Menschen bestehen. Dieser Beitrag ist aus meiner Sicht der bislang umfassendste kritische State-of-the-Art Review zu dieser Thematik und insofern von unmittelbarer Bedeutung für jeden klinisch tätigen Dermatologen.

Der abschließende Beitrag von Lademann beschäftigt sich mit der Frage, ob, wie und welche Luftschadstoffe in die Haut penetrieren können. So stellen viele der in umweltepidemiologischen Studien untersuchten Luftschadstoffe Gemische dar. Dieselpartikel bestehen z. B. aus Kohlenstoffpartikeln unterschiedlicher Größe, auf deren Oberfläche sich eine Vielzahl von organischen Verbindungen, insbesondere von polyaromatischen Hydrocarbonen befindet. Wir wissen heute nur ansatzweise, welche dieser Bestandteile in die Haut penetrieren können und über welche Penetrationsrouten dies geschieht. Jürgen Lademann und sein Team an der Charité in Berlin haben sich mit dieser Thematik seit vielen Jahren intensiv beschäftigt. Der Beitrag zeigt aber auch, dass viele, insbesondere auch mechanistische Fragen bislang nur unvollständig aufgeklärt wurden und daher weiterhin ein großer Forschungsbedarf besteht, wenn es um die Frage geht: Wie kann die menschliche Haut optimal gegen Schäden geschützt werden, die durch eine Belastung mit Luftschadstoffen hervorgerufen werden?

Abschließend möchte ich allen Autoren herzlich für ihre wertvollen Beiträge danken und wünsche Ihnen als Lesern eine erkenntnisreiche Lektüre.

Prof. Dr. J. Krutmann

Notes

Interessenkonflikt

J. Krutmann gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Literatur

  1. 1.
    Svoboda E (2018) When the first defence fails. Nature 563:89–S90CrossRefGoogle Scholar
  2. 2.
    Vierkötter A, Schikowski T, Ranft U, Sugiri D, Matsui M, Krämer U, Krutmann J (2010) Airborne particle exposure and extrinsic skin aging. J Invest Dermatol 130(12):2719–2726CrossRefGoogle Scholar
  3. 3.
    Fuks KB, Hüls A, Sugiri D, Altug H, Vierkötter A, Abramson M, Goebel J, Wagner GG, Demuth I, Krutmann J, Schikowski T (2018) Tropospheric ozone and skin aging: results from two German cohort studies. Environ Int. (im Druck)Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.IUF – Leibniz-Institut für umweltmedizinische ForschungDüsseldorfDeutschland

Personalised recommendations