Der Hautarzt

, Volume 60, Issue 4, pp 337–344 | Cite as

Extrakorporale Photopherese

CME Weiterbildung • Zertifizierte Fortbildung

Zusammenfassung

Die Photopherese hat sich in den letzten Jahren als eine aus der Dermatologie abgeleitete Therapie fachübergreifend durchgesetzt. Das Grundwissen der Photomedizin und Photobiologie ist ein Grundstein der Dermatologie. Aus diesem Grund sollte bei der Anwendung der Therapie, auch wenn nicht dermatologisch spezifische Indikationen, wie z. B. Graft-versus-Host-Erkrankung oder M. Crohn, gestellt werden, der erfahrene und in Anwendung der Photopherese ausgebildete Dermatologe herangezogen werden.

Schlüsselwörter

Extrakorporale Photopherese Photomedizin Photobiologie T-Zell-mediierte Erkrankungen Indikationen 

Extracorporeal photopheresis

Abstract

Photopheresis, originally developed in dermatology, has become a treatment method accepted across various disciplines. A basic knowledge of photomedicine and photobiology is one of the cornerstones of dermatology. Even if photopheresis is used for indications that are not specifically dermatological, e.g. graft-versus-host disease or Crohn’s disease, an experienced dermatologist trained in the use of photopheresis should therefore always be consulted.

Keywords

Extracorporeal photopheresis Photomedicine Photobiology T-cell-mediated diseases Indications 

Die Photopherese hat sich in den letzten Jahren als eine aus der Dermatologie abgeleitete Therapie fachübergreifend durchgesetzt. Das Grundwissen der Photomedizin und Photobiologie ist ein Grundstein der Dermatologie. Nach Durcharbeitung dieses Beitrags sind die Einsatzmöglichkeiten der Photopherese sowohl innerhalb als auch außerhalb der dermatologischen Disziplin bekannt, sodass der Dermatologe in der Lage ist, auch „fachfremde“ Kollegen bei der Durchführung dieser Therapieform zu unterstützen.

Im Jahr 1985 wurde von Edelson et al. ein neues von der PUVA-Therapie abgeleitetes Therapiekonzept primär zur Behandlung kutaner T-Zell-Lymphome beschrieben. Seither hat sich die extrakorporale Photopherese (ECP) in der Behandlung von kutanen T-Zell-Lymphomen bewährt und konnte erfolgreich in der Therapie von dermatologischen entzündlichen Erkrankungen eingesetzt werden, die ursächlich auf einer Expansion von autoreaktiven T-Zellen basieren, wie z. B. die systemische Sklerodermie. Im Verlauf der letzten Jahre wurde die extrakorporale Photopherese besonders in das Therapieschema bei Abstoßung von Organ- und Knochenmarkstransplantationen aufgenommen. Es bietet als sichere, effektive und nebenwirkungsarme Behandlung eine Begleittherapie zur Kontrolle und Behandlung von akuter und chronischer Graft-versus-Host-Erkrankung (GvHD). Auch in der Therapie von nichtdermatologischen entzündlichen Erkrankungen wie dem M. Crohn könnte die ECP als therapeutische Unterstützung aufgenommen werden ([1, 2, 3, 4, 5] Abb. 1).

Abb. 1

Photopherese im Verlauf der Jahre

Therapieschema

Die Photopheresebehandlung erfolgt, indem eine Isolation von kernhaltigen Blutzellen, hauptsächlich Leukozyten, aus dem peripheren Blut mittels Zentrifugation durchgeführt wird. Die Leukozyten werden außerhalb des Körpers unter Zugabe des Photosensibilisators 8-Methoxypsoralen (8-MOP) mit ultraviolettem Licht A (UVA) bestrahlt und dem Patienten rückinfundiert. Diese Behandlung wird an 2 aufeinanderfolgenden Tagen im Abstand von 1–4 Wochen durchgeführt. Im Rahmen eines Behandlungszyklus werden etwa 10–15% der gesamten zirkulierenden Lymphozyten erreicht.
Die Photopheresebehandlung erfolgt, indem eine Isolation von kernhaltigen Blutzellen aus dem peripheren Blut mittels Zentrifugation durchgeführt wird
Die Zugabe des Photosensibilisators direkt in die leukozytenreiche Suspension verhindert Nebenwirkungen wie Übelkeit und Schwindel, die üblicherweise im Rahmen einer oralen PUVA-Behandlung auftreten können. Die Dosierung entspricht in dieser Form etwa 1/200 der üblichen oralen Dosierung bei PUVA. Nebenwirkungen bei der Behandlung mit ECP sind äußerst gering. In seltenen Fällen kann es durch Volumenänderungen zu blutdruckassoziierten Beschwerden kommen.
Nebenwirkungen bei der Behandlung mit ECP sind äußerst gering

Die gesamte UVA-Dosis, die pro Behandlung appliziert wird, beträgt durchschnittlich 2 J/cm2 (Abb. 2).

Abb. 2

Behandlung eines Patienten mit Graft-versus-Host-Erkrankung mittels UVAR XTSTM an der Universitätsklinik für Dermatologie in Wien

Wirkungsweise der Photopherese

Die Vielfalt der Wirkungsmechanismen, die der Photopherese zugeschrieben werden, sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollständig geklärt.

Man nimmt an, dass der klinische Effekt der extrakorporalen Photoimmuntherapie über mehrere Wirkmechanismen erfolgt. In rezenten Studien konnten neue Erkenntnisse gewonnen werden. Einerseits kommt es zu einer Induktion der Apoptose von T-Zellen. Andererseits führt die Aktivierung von Makrophagen und dentritischen Zellen zu einer gesteigerten Präsentation von T-Zell-Antigenen und in weiterer Folge zur Freisetzung von proinflammatorischen Mediatoren. Die Kombination von UVA und Psoralen induziert Apoptose der Lymphozyten einschließlich der malignen Zellpopulation innerhalb von 48 h sowie die Differenzierung von Monozyten in dendritische Zellen. Makrophagen im peripheren Blut sind hingegen weitaus widerstandsfähiger gegenüber den apoptotischen Stimulationen von UVA und Psoralen. Diese aktivierten Monozyten wiederum können apoptotische Lymphozyten phagozytieren und damit einerseits zytotoxische Reaktionen gegen T-Zell-Klone auslösen und andererseits die Aktivität von autoreaktiven T-Zell-Klonen unterdrücken. Es scheint, dass es zusätzlich durch die Apoptose von klonal expandierten T-Zellen und die Präsentation deren Antigene durch dendritische Zellen zur Induktion einer antiklonalen Immunität durch die Photopherese kommt. Diese Erkenntnisse konnten in rezenten Untersuchungen in einem adaptierten Mausmodell nachgewiesen werden. Eine Immunantwort auf eine Kontaktsensibilisierung konnte mittels 8-MOP- und UVA-behandelter T-Zellen unterdrückt werden. Zellen aus Milz und Lymphknoten einer mittels eines starken Kontaktsensibilisators sensibilisierten Maus wurden in vitro 8-MOP- und UVA-behandelt und anschließend unsensibilisierten Mäusen intravenös infundiert. Dadurch konnte die Unterdrückung einer Immunantwort erreicht werden. Diese Unterdrückung ist zellmediiert und antigenspezifisch. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass die Photopherese ihre Immunmodulation über die Induktion von antigenspezifischen T-Zellen vermittelt [2, 6, 7, 8].
Vermutlich vermittelt die Photopherese ihre Immunmodulation über die Induktion von antigenspezifischen T-Zellen

Kutane T-Zell-Lymphome

Im Jahr 1987 wurde erstmals über eine neue Therapiestrategie zur Behandlung kutaner T-Zell-Lymphome (CTCL) berichtet, und deren Erfolge wurden anschließend in mehrfachen klinischen Studien belegt. Patienten mit erythrodermatischen Varianten dieser Erkrankungsgruppe mit relativ intaktem Immunsystem, mit einem niedrigen CD4:CD8-Verhältnis scheinen am besten auf diese Behandlung anzusprechen. Rezente klinische Untersuchungen deuten darauf hin, dass Kombinationstherapien von ECP-Behandlungen mit Chemotherapien, Interferontherapien wie auch anderen Therapien die Ansprechrate erhöhen.
Kombinationstherapien von ECP-Behandlungen mit Chemotherapien, Interferontherapien wie auch anderen Therapien erhöhen die Ansprechrate

Zur Behandlung des Sezary-Syndroms hat sich die Photopherese als effektiver im Vergleich zu anderen Formen der CTCL erwiesen. Die therapeutische Ansprechrate von ECP in der Behandlung von CTCL liegt bei etwa 70% je nach Einschlusskriterien der Studien.

Patienten mit einem höheren Anteil an neoplastischen Zellen und einer niedrigeren CD4:CD8-Ratio zeigen eine schlechtere Ansprechrate. Es konnte gezeigt werden, dass im Frühstadium des Sezary-Syndroms die Therapieerfolgsquote deutlich erhöht ist. In der Identifizierung von Therapieversagern ist einerseits die Krankheitsdauer, andererseits die Tumorausdehnung in Betracht zu ziehen. Beste Ansprechraten zeigen CTCL-Patienten mit einer Krankheitsdauer unter 2 Jahren und bei denen kein Lymphknotenbefall oder Befall innerer Organe vorliegt. Ebenso kann man bei einer Leukozytose unter 20.000 Zellen pro mm3 mit einem prozentualen Anteil von weniger als 10–20% von Sezary-Zellen mit einem erhöhten Therapieerfolg mittels ECP rechnen. Eine normale Natural-Killer-Zell-Aktivität und eine weitgehend im Normbereich liegende Anzahl von zytotoxischen T-Zellen, wobei CD8-positive T-Suppressor-Zellen anteilsmäßig mehr als 15% ausmachen sollten, lassen vor Therapiebeginn mit ECP auf einen Therapieerfolg schließen. Patienten, die in Folge früherer Therapiestrategien multiple chemotherapeutische Behandlungen erhalten haben, zeigen ein schlechteres Ansprechen auf die ECP ([2, 9, 10, 11]; Abb. 3).
Normale Natural-Killer-Zell-Aktivität und eine im Normbereich liegende Anzahl von zytotoxischen T-Zellen lassen auf einen Therapieerfolg schließen
Abb. 3

Patient mit kutanem T-Zell-Lymphom vor und nach der Behandlung mit Photopherese

Akute und chronische Graft-versus-Host-Erkrankung

Eine weitere sehr vielversprechende Anwendung findet die Photopherese in der Behandlung der akuten wie auch chronischen Graft-versus-Host-Erkrankung (GvHD). Neue immuntherapeutische Ansätze liefern Untersuchungen, die feststellen konnten, dass es nach einer ECP-Behandlung zu einer gesteigerten Immuntoleranz gegenüber dem Transplantat durch immunmodulatorische Vorgänge kommt.
Nach einer ECP-Behandlung kommt es zu einer gesteigerten Immuntoleranz gegenüber dem Transplantat durch immunmodulatorische Vorgänge

Die immunologische Antwort auf Phagozytose von apoptotischen Zellen ist nicht immer – im immunologischen Sinne – neutral. Immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass es im Anschluss an Phagozytose durch dendritische Zellen zu einer starken antiinflammatorischen wie auch immunsuppressiven Antwort kommen kann.

Im Rahmen von Metaanalysen von 31 durchgeführten Studien wurde die Photopherese zur Behandlung der akuten wie chronischen GvHD nach Knochenmarkstransplantation (KMT) evaluiert. Bei den untersuchten Patienten handelt es sich um jene, bei denen keine Besserung ihrer durch die GvHD hervorgerufenen Symptome durch eine konventionelle Therapiestrategie erreicht werden konnte. Bei der Behandlung der akuten GvHD mittels ECP zeigte sich eine Regression der Hautmanifestationen in 83%. Gute Ansprechraten zeigten sich auch bei Affektion von Lunge, Leber und Mundschleimhaut. Bei Auftreten einer chronischen GvHD kam es nach einer Behandlungsdauer von 3–40 Monaten zu einer Regression der Hauterscheinungen bei 76% der Patienten. Erscheinungsfreiheit an der Haut wurde in 38% verzeichnet. Die Überlebensrate der Patienten lag bei 79%. Diese Analysen zeigen auf, dass es sich bei der ECP um eine effektive und nebenwirkungsarme Therapie zur Behandlung sowohl der akuten als auch der chronischen GvHD handelt.
Bei der Behandlung der akuten GvHD mittels ECP zeigte sich eine Regression der Hautmanifestationen in 83%

In rezenten Studien hat sich die ECP auch als effektive adjuvante Therapie für die akute, steroidrefraktäre GvHD nach KMT mit Haut- und Lebermanifestationen erwiesen. Weniger effizient war diese als Begleittherapie bei sehr fortgeschrittenen Stadien der GvHD (Stadium IV) sowie bei Vorliegen ausgeprägter gastrointestinaler Beteiligung [4, 12, 13].

Systemische Sklerodermie/rheumatische Erkrankungen

Bei der systemischen Sklerodermie werden autoimmunologische Prozesse als pathogenetischer Mechanismus diskutiert. Das Vorliegen einer Infiltration von T-Zellen der betroffenen Organe sowie autoreaktive Antikörper unterstützen diese Theorien. Diese Überlegungen führten zum Einsatz der Photopherese zur Behandlung der systemischen Sklerodermie. Es konnte nachgewiesen werden, dass es im Rahmen der ECP zu einer signifikanten Erhöhung von Tumornekrosefaktor (TNF) kam. Aus früheren Untersuchungen war bekannt, dass erhöhte TNF-Spiegel zu einer Unterdrückung der im Rahmen der systemischen Sklerodermie erhöhten Kollagensynthese führen.
Im Rahmen der ECP kommt es zu einer signifikanten Erhöhung von Tumornekrosefaktor

In klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass die Photopherese eine gut verträgliche Therapieoption darstellt, die einerseits den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann, andererseits die klinischen Symptome auch verbessert. Patienten wurden entweder mit ECP oder mit D-Penicillamin über mindestens 6 Monate behandelt. Im Anschluss daran zeigte sich im Skin-Score eine signifikante Verbesserung in der Patientengruppe, die mit ECP behandelt wurde. Diese Verbesserung korrelierte mit den im Rahmen von Hautbiopsien erhobenen histologischen Befunden. Die bei der Photopherese auftretenden Nebenwirkungen waren unbedeutend und führten in keinem der Fälle zu einer Therapieunterbrechung.

Im Verlauf einer langfristigen Photopheresetherapie zur Behandlung der systemischen Sklerodermie konnte nachgewiesen werden, dass es zu einer Stabilisierung oder sogar Verbesserung des Krankheitsverlaufs bezüglich der Hautveränderungen kam. Viszerale Manifestationen hingegen konnten durch eine lang andauernde Behandlung kaum beeinflusst werden. Die positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufes war umso deutlicher, je früher mit der ECP-Therapie begonnen wurde.

In laborchemischen Untersuchungen auf klonale T-Zell-Rezeptor-Rearrangements bei systemischer Sklerodermie ist das Vorhandensein einer Klonalität einer T-Zell-Population mit einer besseren Ansprechrate auf ECP vergesellschaftet.

Auch konnte nachgewiesen werden, dass durch Photopherese nicht nur eine Verbesserung der kutanen Symptomatik der Sklerodermie erreicht wurde, sondern es kam auch zu einer signifikanten Verbesserung der Gelenksmitbeteiligung im Rahmen der Grundkrankheit [3, 14].
Durch Photopherese kommt es nicht nur eine Verbesserung der kutanen Symptomatik der Sklerodermie, sondern auch zu einer Verbesserung der Gelenksmitbeteiligung

Morbus Crohn/Colitis ulcerosa

Nachdem sich die Photopherese in der Behandlung von verschiedenen T-Zell-mediierten Erkrankungen durch eine antigenspezifische Immunantwort als effektiv erwiesen hatte, wurden klinische Studien durchgeführt, in denen die Wirksamkeit der ECP im Hinblick auf M. Crohn untersucht wurde.

Es zeigte sich, dass es bei Patienten, die an M. Crohn litten und unter einer Therapie mit peroralen Kortikosteroiden standen, unter einer adjuvanten Photopherese in einem überwiegenden Anteil zu einer Verbesserung der klinischen Symptome, teilweise sogar zu einer kompletten Remission kommt. Eine signifikante Reduktion der Serumspiegel von C-reaktivem Protein sowie der intestinalen Permeabilität konnte nachgewiesen werden. Patienten gaben eine Verbesserung der Lebensqualität an. Ebenso kam es zu einem Anstieg von adrenocorticotropen Hormon im Verlauf der Photopheresebehandlung. Es konnte eine signifikante Reduktion in der Dosierung von peroralen Kortikosteroiden unter der Therapie mit ECP nachgewiesen werden. Zusätzlich wurde eine Färbung für 8-methoxypsoralen-DNA Photoaddukte der Darmmukosa durchgeführt. Hierbei färbten sich 10% der infiltrierenden mononukleären Zellen mit dem spezifischen Antikörper, was einen Hinweis darauf gibt, dass die Leukozyten, die durch die Photopherese behandelt wurden, zum chronisch inflammatorischen Stimulus zurückkehren, um am Ort des Geschehens immunmodulierend einzugreifen.
Eine signifikante Reduktion der Serumspiegel von C-reaktivem Protein sowie der intestinalen Permeabilität konnte nachgewiesen werden
Es konnte eine signifikante Reduktion der Dosierung von peroralen Kortikosteroiden unter der Therapie mit ECP nachgewiesen werden

Bei Patienten mit einem mittelschweren M. Crohn, die entweder mangelhaftes Ansprechen auf eine immunsuppressive Therapie zeigten oder aber aus anderen medizinischen Gründen (z. B. Rektumkarzinom) für eine immunsuppressive oder anti-TNF-Therapie nicht infrage kamen, wurde eine ECP-Therapie durchgeführt. Der überwiegende Anteil der Patienten zeigte ein gutes Ansprechen, in 25% konnte sogar eine komplette Remission erreicht werden. Diese guten Therapieerfolge konnten durch eine Weiterführung der Therapie aufrechterhalten werden. Somit konnte gezeigt werden, dass die Photopherese einerseits als effektive adjuvante nebenwirkungsarme Therapie zur Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen einsetzbar ist und andererseits eine signifikante Reduktion in der Kortikosteroiddosis erreicht werden kann [5, 15].

Allograft-Abstoßung

Die Überlebensrate nach Allograft-Transplantationen beruht auf der Kontrolle der Abstoßungsreaktion gegen Spendermoleküle des Major-Histocompatibility-Komplexes (MHC). Die Unterdrückung der Abstoßungskaskade ist essenziell für Patienten, bei denen eine Organtransplantation durchgeführt wird.
Die Unterdrückung der Abstoßungskaskade ist essenziell für Patienten, bei denen eine Organtransplantation durchgeführt wird
Nachdem sich die Photopherese in der Behandlung von akuter sowie chronischer GvHD als erfolgreich erwiesen hatte, wurden auch klinische Studien durchgeführt, in denen Patienten nach Organtransplantationen einer ECP-Behandlung unterzogen wurden. Im Management der Abstoßungsreaktionen nach Herztransplantationen ist die Photopherese mittlerweile als adjuvante Therapie akzeptiert. Sowohl bei der Behandlung von akuten Abstoßungen als Alternative zu einer Kortikosteroidstoßtherapie, aber auch in der chronischen Abstoßungsreaktion wird die ECP mit zunehmendem Erfolg eingesetzt.
Im Management der Abstoßungsreaktionen nach Herztransplantationen ist die Photopherese als adjuvante Therapie akzeptiert

In mehreren klinischen Studien nach Herztransplantationen konnte einerseits festgestellt werden, dass es zu signifikant weniger Abstoßungsereignissen kommt und man andererseits eine Dosisreduktion der immunsuppressiven Therapie in Kombination mit einer Photopheresebehandlung erreichen kann. Obwohl es keine Unterschiede in der Anzahl oder Art der Infektionen gab, konnte doch Zytomegalievirus-DNA deutlich weniger oft in der Photopheresegruppe detektiert werden.

Somit konnte bewiesen werden, dass die adjuvante ECP nach einer Herztransplantation das Risiko der Organabstoßung reduziert bzw. eine bereits bestehende Abstoßung verbessert, ohne zu einer erhöhten Inzidenz von Zytomegalieinfektionen zu führen [16, 17].

Andere Erkrankungen

Pemphigus vulgaris

Als therapeutische Option bei Pemphigus vulgaris waren bisher v. a. hoch dosierte Immunsuppressiva in Verwendung. Durch die adjuvante Therapie von ECP konnte in klinischen Studien eine signifikante Reduktion in der Dosierung von Immunsuppressiva erreicht werden. Insbesondere bei therapieresistenten Patienten der Pemphigusgruppe konnte durch Einleitung einer ECP-Therapie sowohl eine deutliche Reduktion der hoch dosierten immunsuppressiven Therapie als auch in den meisten untersuchten Fällen eine Langzeitremission erreicht werden. Die Behandlung mit Photopherese selbst war nebenwirkungsfrei.
Durch die adjuvante Therapie von ECP konnte in klinischen Studien eine Reduktion in der Dosierung von Immunsuppressiva erreicht werden

Der Wirkmechanismus der ECP in der Behandlung bullöser Dermatosen ist nicht sicher geklärt. Es wird eine T-Zell-mediierte Unterdrückung der Immunantwort mit subsequenter Reduktion der Antikörperproduktion vermutet. Prospektive, randomisierte Multicenterstudien sind noch ausständig, allerdings sehr schwierig durchzuführen [18].

Atopische Dermatitis

In klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass es bei etwa 65% der Patienten mit atopischer Dermatitis durch eine Therapie mit ECP zu einer Besserung ihrer Symptome kommt.
Bei etwa 65% der Patienten mit atopischer Dermatitis kommt es durch eine Therapie mit ECP zu einer Besserung ihrer Symptome

Es zeigte sich bei Patienten mit schwerer, therapierefraktärer atopischer Dermatitis, dass es im Rahmen der ECP zu einem signifikanten Abfall von Laborparametern, die bei atopischer Dermatitis erhöht sind, kommt. Es fand sich eine durch den SCORAD objektivierbare Verbesserung der Symptome bei 70% der untersuchten Patienten, wobei diejenigen Patienten eine erhöhte Ansprechrate zeigten, die zu Beginn der Behandlung sehr hohe IgE-Spiegel aufwiesen. Somit könnten Patienten mit deutlich erhöhten IgE-Werten vermehrt auf eine Photopheresebehandlung ansprechen. Die Photopheresebehandlung eignet sich zur Therapie von ausgewählten Patienten mit schwerer therapierefraktärer atopischer Dermatitis [19].

Fazit für die Praxis

Weitere intensive Forschungstätigkeiten sind notwendig, um die genauen Wirkmechanismen der Photopherese zu entschlüsseln. Dieses Wissen kann dazu dienen, die Photopherese vermehrt und gezielt bei weiteren T-Zell-mediierten Erkrankungen mit noch genauerer Indikationsstellung einzusetzen.

Die Photopherese hat sich somit in den letzten Jahren als eine aus der Dermatologie abgeleitete Therapie als fachübergreifend durchgesetzt. Das Grundwissen der Photomedizin und Photobiologie ist ein Grundstein der Dermatologie. Aus diesem Grund sollte bei der Anwendung der Therapie – auch wenn nicht dermatologisch spezifische Indikationen gestellt werden – der erfahrene und in Anwendung der Photopherese ausgebildete Dermatologe herangezogen werden.

CME-Fragebogen

Welcher Photosensibilisator wird im Rahmen der extrakorporalen Photopherese zugegeben?

5-Aminolävulinsäure.

5-Methoxypsoralen.

8-Methoxypsoralen.

Protoporphyrin.

Benzophenon.

Welche Erkrankung kann erfolgreich mittels der extrakorporalen Photopherese behandelt werden?

Acne papulopustulosa.

Plattenepithelkarzinom.

Granuloma anulare.

Graft-versus-host-Disease.

Tinea corporis.

Welche Aussage zur extrakorporalen Photopherese trifft nicht zu?

Die Aktivierung von Makrophagen und dentritischen Zellen führt zu einer gesteigerten Präsentation von T-Zell-Antigenen und in weiterer Folge zur Freisetzung von proinflammatorischen Mediatoren.

In der Wirkungsweise der Photopherese spielt vermutlich die Präsentation von T-Zell-Antigenen eine Schlüsselrolle.

Innerhalb von 48 h nach Rückinfusion der mittels Photopherese behandelten Zellen kommt es zur Apoptose von T-Zellen.

Die Dosis des extrakorporal applizierten Photosensibilisators im Rahmen der Photopherese entspricht etwa 10% der üblichen oralen Dosierung bei PUVA.

Die Photopherese vermittelt ihre Immunmodulation über die Induktion von antigenspezifischen T-Zellen.

Bei welcher Form des kutanen T-Zell-Lymphoms wird die Photopherese hauptsächlich angewendet?

Mucinosis follicularis.

Sézary-Syndrom.

Pagetoide Retikulose.

Subkutanes pannikulitisartiges T-Zell-Lymphom.

Lymphomatoide Papulose.

Wie viel Prozent der zirkulierenden Lymphozyten werden im Rahmen eines Behandlungszyklus erreicht?

70–80%.

3–5%.

95–100%.

10–15%.

25–30%.

Bei der Behandlung der akuten GvHD mittels extrakorporaler Photopherese kommt es nicht zu einer Besserung von:

Hauterscheinungen.

Lebermanifestationen.

Lungenmitbeteiligung.

Mundschleimhautveränderungen.

Gelenksbeschwerden.

Welche Krankheitsmanifestationen der systemischen Sklerodermie können durch die Photopherese nur unbefriedigend beeinflusst werden?

Sklerodaktylie.

Raynaud-Symptomatik.

Lungenfibrose.

Sklerosis cutis.

Gelenksmitbeteiligung.

Welche Aussage zur extrakorporalen Photopherese bei Allograft-Abstoßung trifft nicht zu?

Bei der Behandlung der Allograft-Abstoßung nach Herztransplantation ist die Photopherese als adjuvante Therapie akzeptiert.

Durch die Kombination von Immunsuppressiva und Photopherese können Immunsuppressiva eingespart werden.

Bei Patienten nach Herztransplantation wurde Zytomegalievirus-DNA seltener nachgewiesen, wenn Patienten in Kombination mit Photopherese behandelt wurden.

Bei akuten Abstoßungsreaktionen kann die Photopherese als Alternative zu einer Kortikosteroidstoßtherapie angewendet werden.

Durch eine Photopherese nach Herztransplantation kommt es signifikant seltener zu Infektionen.

Welche Aussage zur Behandlung von M. Crohn mit Photopherese ist nicht zutreffend?

Es kommt zu einer signifikanten Reduktion der Serumspiegel von C-reaktivem Protein.

In einer Färbung mit einem spezifischen Antikörper für 8-Methoxypsoralen-DNA-Photoaddukte konnten mononukleäre Zellen in der Darmmukosa nach Photopherese nachgewiesen werden.

Eine Reduktion der Kortikosteroiddosis konnte unter der Therapie mit Photopherese bei M. Crohn erreicht werden.

Durch die Photopherese kommt es bei 65% der Patienten zu einer kompletten Remission des M. Crohn.

Es kommt zu einem Anstieg von adrenocorticotropem Hormon im Verlauf der Photopheresebehandlung.

Welche Aussage zur extrakorporalen Photopherese bei atopischer Dermatitis ist zutreffend?

Bei 30% Patienten mit einer schweren, therapierefraktären atopischen Dermatitis kommt es zu einer objektivierbaren Verbesserung ihrer Symptome.

Von den mittels Photopherese behandelten Patienten mit atopischer Dermatitis sprechen diejenigen besser auf die Behandlung an, die niedrigere IgE-Spiegel aufweisen.

Nebenwirkungen durch die Behandlung mit Photopherese treten häufig auf.

Die Photopherese eignet sich zur Therapie von ausgewählten Patienten mit schwerer therapierefraktärer atopischer Dermatitis.

Im Rahmen der Photopherese bei atopischer Dermatitis zeigt sich keinerlei Veränderung von Laborparametern.

Notes

Interessenkonflikt

Der korrespondierende Autor gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Literatur

  1. 1.
    Edelson R, Berger C, Gasparro F et al (1987) Treatment of cutaneous T-cell lymphoma by extracorporeal photochemotherapy: preliminary results. N Engl J Med 316(6):297–303PubMedGoogle Scholar
  2. 2.
    Bladon J, Taylor PC (1999) Extracorporeal photopheresis induces apoptosis in the lymphocytes of cutaneous T-cell lymphoma and graft-versus-host disease. Br J Haematol 107:707–711PubMedCrossRefGoogle Scholar
  3. 3.
    Knobler R, French LE, Kim Y et al (2006) A randomized, double-blind, placebo-controlled trial of photopheresis in systemic sclerosis. J Am Acad Dermatol 54:793–799PubMedCrossRefGoogle Scholar
  4. 4.
    Greinix H, Volc-Platzer B, Kahls P et al (2000) Extracorporeal photchemopherapy in the treatment of severe steroid – refractory acute graft-versus-host disease: a pilot study. Blood 96:2426–2431PubMedGoogle Scholar
  5. 5.
    Abreu MT, von Tirpitz C, Hardi R et al (2009) Extracorporeal photopheresis for the treatment of refractory Crohn’s disease: results of an open-label pilot study. Inflamm Bowel Dis 7 (Epub ahead of print)Google Scholar
  6. 6.
    Rook AH, Suchin KR, Kao DM et al (1999) Photopheresis: clinical applications and mechanism of action. J Investig Dermatol Symp Proc 4:85–90PubMedCrossRefGoogle Scholar
  7. 7.
    Biagi E, Di Biaso I, Leoni V et al (2007) Biondi extracorporeal photochemotherapy is accompanied by increasing levels of circulating CD4+CD25+GITR+Foxp3+CD62L+ functional regulatory T-cells in patients with graft-versus-host disease. Transplantation 84(1):31–39PubMedCrossRefGoogle Scholar
  8. 8.
    Berger CL, Xu AL, Hanlon D et al (2001) Edelson induction of human tumor-ioaded dendritic cells. Int J Cancer 91:438–447PubMedCrossRefGoogle Scholar
  9. 9.
    McKenna KE, Whittaker S, Rhodes LE et al (2006) Evidence-based practice of photopheresis 1987–2001: a report of the British Photodermatology Group and the U.K. Skin Lymphoma Group. Br J Dermatol 154:7–20PubMedCrossRefGoogle Scholar
  10. 10.
    Knobler R, Girardi M et al (2001) Extracorporeal photochemoimmunotherapy in cutaneous T cell lymphomas. Ann NY Acad Sci 941:123–138PubMedCrossRefGoogle Scholar
  11. 11.
    Heald P, Rook A, Perez M et al (1992) Treatment of erythrodermic cutaneous T-cell lymphoma with extracorporeal photochemotherapy. J Am Acad Dermatol 27:427–433PubMedCrossRefGoogle Scholar
  12. 12.
    Greinix HT, Volc-Platzer B, Rabitsch W et al (1998) Successful use of extracorporeal photochemotherapy in the treatment of severe and chronic graft-versus-host disease. Blood 92:3098–3104PubMedGoogle Scholar
  13. 13.
    Ferrara JL, Deeg HJ (1991) Graft-versus-host disease. N Engl J Med 324:667–674PubMedGoogle Scholar
  14. 14.
    Krasagakis K, Dippel E, Ramaker J et al (1998) Management of severe scleroderma with long-term extracorporeal photopheresis. Dermatology 196(3):309–315PubMedCrossRefGoogle Scholar
  15. 15.
    Reinisch W, Nahavandi H, Santella R et al (2001) Extracorporeal photochemotherapy in patients with steroid-dependent Crohn’s disease: a prospective pilot study. Aliment Pharmacol Ther 15(9):1313–1322PubMedCrossRefGoogle Scholar
  16. 16.
    Barr ML, Meiser BM, Eisen HJ et al (1998) Photopheresis for the prevention of rejection in cardiac transplantation. Photopheresis Transplantation Study Group. N Engl J Med 339(24):1744–1751PubMedCrossRefGoogle Scholar
  17. 17.
    Dall’ Amico R, Murer L (2002) Extracorporeal photochemopherapy: a new therapeutic approach for allograft rejection. Transfus Apher Sci 26:197–204CrossRefGoogle Scholar
  18. 18.
    Gollnick HP, Owsianowski M, Taube KM, Orfanos CE (1993) Unresponsive severe generalized pemphigus vulgaris successfully controlled by extracorporeal photopheresis. J Am Acad Dermatol 28(1):122–124PubMedCrossRefGoogle Scholar
  19. 19.
    Radenhausen M, Michelsen S, Plewig G et al (2004) Bicentre experience in the treatment of severe generalised atopic dermatitis with extracorporeal photochemotherapy. J Dermatol 31(12):961–970PubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag 2009

Authors and Affiliations

  1. 1.Universitätsklinik für Dermatologie AKH-WienWienÖsterreich

Personalised recommendations