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Der Chirurg

, Volume 90, Issue 4, pp 255–256 | Cite as

Qualitätssicherung in der Koloproktologie

  • Felix AignerEmail author
  • Irmgard E. Kronberger
Einführung zum Thema
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Quality assurance in coloproctology

„Der Patient steht im Zentrum des medizinischen Universums, um das sich unsere Arbeit dreht und auf welches unsere Bemühungen abzielen“ – dieser Satz stammt von dem amerikanischen Chirurgen John Benjamin Murphy (1857–1916). Die besten Bemühungen um einen Patienten in einer sehr innovativen Zeit der Chirurgie dürfen demselben nicht schaden und sollten an allen Orten und von allen Ärzten so sorgfältig und erfolgreich wie möglich durchgeführt werden. Dafür bedarf es einer hochwertigen und lebenslangen Aus- und Weiterbildung genauso wie einer objektivierbaren und sinnvollen Qualitätskontrolle.

Qualitätsindikatoren dienen der Sicherung und Beurteilung von Behandlungen

Die Bewertung einer medizinischen Therapie im Allgemeinen und der chirurgischen Therapie im Speziellen richtet sich heutzutage an Qualitätskriterien und deren Sicherung sowie Verbesserungsmaßnahmen und dem Vergleich zwischen verschiedenen Krankenhäusern (Benchmarking). Auf Bundesebene und länderübergreifend legen die Bundesministerien und die entsprechenden Gesundheitsfonds auf Landesebene jährlich Qualitätsindikatoren und deren Evaluierung bzw. daraus abgeleitete und notwendige Verbesserungsmaßnahmen fest (z. B. German Inpatient Quality Indicators [G-IQI], Austrian Inpatient Quality Indicators [A-IQI]). Qualitätsindikatoren wie der Mortalitäts-Transfer-Liegedauer-Index 30 (MTL-30), die Rate an Komplikationen sowie die Rate an positiven zirkumferenziellen Resektionsrändern (CRM) sind bedeutend für die Qualitätskontrolle und -sicherung in der Behandlung des Rektumkarzinoms. Sie werden – wenn nicht von uns als Leistungserbringer und unseren Fachgesellschaften bewertet und empfohlen – früher oder später von anderen Stakeholdern unseres Gesundheitswesens wie den Leistungsfinanzierern bestimmt und an die Leistungsempfänger weitergegeben werden. Buhr et al. haben in dem Leitthema „Qualitätsindikatoren in der Allgemein- und Viszeralchirurgie“ 2018 dazu ausführlich Stellung genommen [1].

Behandlungsqualität hängt von sorgfältiger Aus- und Weiterbildung ab

Die Beurteilung chirurgischer Ergebnisqualität in einem Gebiet wie der Koloproktologie, das wie kein anderes funktionellen Beeinträchtigungen ungleich höheren Ausmaßes bei mangelnder Ausführungsqualität unterlegen ist, hängt gerade in dieser sensiblen Sparte der Viszeralchirurgie von sorgfältiger Aus- und Weiterbildung ab. Das Leitthema dieser Ausgabe von Der Chirurg beschäftigt sich daher mit der Eingliederung der koloproktologischen Weiterbildung in nationale und internationale Ausbildungssysteme und mit der Ermittlung von Qualitätsindikatoren bei der Therapie koloproktologischer Krankheitsbilder. Ninkovic et al. beleuchten die koloproktologische Weiterbildung im grenzüberschreitenden Kontext und stellen den Versuch an, koloproktologische Inhalte in das kompetenzbasierte Kurrikulum der allgemein- und viszeralchirurgischen Weiterbildung zu integrieren. In den Beiträgen von Jongen und Kahlke sowie Schwandner werden evidenzbasierte Qualitätsindikatoren bei der Therapie des Hämorrhoidalleidens und von Analfisteln zur Evaluierung und Bewertung neuer Techniken (Stichwort: Lasertherapie, Stammzellimplantation) behandelt.

Ein Grenzgebiet der Koloproktologie, das publikatorisch in den letzten beiden Jahren intensiv beleuchtet wurde, ist die Therapie des Rektumkarzinoms im mittleren und unteren Rektumdrittel, besonders im Hinblick auf patienten- und tumorbezogene Faktoren wie anatomische Limitationen und komplettes Ansprechen auf die neoadjuvante Radiochemotherapie. Gerade beim Rektumkarzinom hat sich in den letzten Jahren nicht zuletzt durch den bunten Strauß an Therapiestudien ein zunehmend individualisierter Zugang zur Behandlung desselben entwickelt. Diesen nach aktueller Evidenz unter Berücksichtigung der aktualisierten S3-Leitlinie zu bewerten, ist Ziel des letzten Beitrages dieses Leitthemenkomplexes (Aigner et al.).

Wir danken allen Autoren für ihre umfassenden und kritischen Beiträge zur „Qualitätssicherung in der Koloproktologie“. Innovationen in der chirurgischen Technik, der onkologischen Therapieentscheidung genauso wie in der Aus- und Weiterbildung müssen stets patientenorientiert sein und dürfen nicht zu Werkzeugen von Interessengemeinschaften werden.

PD Dr. Felix Aigner

Dr. Irmgard E. Kronberger

Notes

Interessenkonflikt

F. Aigner und I.E. Kronberger geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Literatur

  1. 1.
    Buhr HJ, Hardt J, Klinger C, Seyfried F, Wiegering A, Dietrich A, Bartsch DK, Lorenz D, Post S, Germer CT, Keck T, Wellner U (2018) Qualitätsindikatoren mit Referenz- und Grenzwerten in der Allgemein- und Viszeralchirurgie. Chirurg 89(1):1–3.  https://doi.org/10.1007/s00104-017-0562-5 CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Chirurgische Klinik, Campus Charité MitteCharité – Universitätsmedizin BerlinBerlinDeutschland
  2. 2.Department für operative Medizin, Univ.-Klinik für Viszeral‑, Transplantations- und ThoraxchirurgieMedizinische Universität InnsbruckInnsbruckÖsterreich

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