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Qualifizierte Leichenschau – Erfahrungen aus Bremen

  • Olaf CordesEmail author
Leitthema
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Zusammenfassung

Am 01.08.2017 wurde in Bremen mit der Änderung des Gesetzes über das Leichenwesen (BremGLw) die qualifizierte Leichenschau eingeführt. Wesentliche Änderung ist, dass nach der reinen Todesfeststellung, die wie bisher von jedem approbierten Arzt durchgeführt werden darf, bei jeder verstorbenen Person eine Leichenschau durch einen entsprechend qualifizierten Arzt durchgeführt werden muss. Für die Stadt Bremen wurde die Aufgabe dem Institut für Rechtsmedizin (IRM) übergeben (in Bremerhaven dem Gesundheitsamt).

In diesem Beitrag sollen die praktische Umsetzung, Probleme sowie Vor- und Nachteile des neuen Gesetzes dargestellt werden. Für das Jahr 2018 werden statistische Daten des IRM zur qualifizierten Leichenschau ausgewertet.

Nach Meldung eines Todesfalls an das IRM wird überwiegend am selben oder folgenden Werktag die Leichenschau durch einen Arzt des IRM durchgeführt. Im Jahr 2018 fanden hier insgesamt 7585 Leichenschauen statt, die in 300 Fällen (4 %) zu einer Änderung der vorher festgestellten Todesart (natürlich/nichtnatürlich) führten.

Die Durchführung der qualifizierten Leichenschau gestaltet sich mitunter schwierig, wenn auswärtige Bestatter involviert sind. Weitere Herausforderungen entstehen bei der Erhebung der Anamnese, der Umsetzung nach verlängerten Wochenenden und bei fehlenden Erkenntnissen zum Leichenfundort. Generell besteht die Schwierigkeit, im Rahmen einer äußeren Leichenschau auf die Todesursache zu schließen. Als Vorteile sind zu nennen, dass jede verstorbene Person relativ zeitnah durch einen qualifizierten Arzt einer Leichenschau unterzogen wird und sich insgesamt die Qualität der Leichenschau verbessert hat. Als nachteilig sind die gestiegenen Kosten zu nennen.

Schlüsselwörter

Qualifikation Leichenschau Todesursache Todesart Obduktion 

Qualified post-mortem examination—experiences from Bremen

Abstract

On 1 August 2017, the qualified post-mortem examination was introduced in Bremen by changing the relevant law. A substantial change is the separation of the pure death determination, which can be done by any physician, and the subsequent execution of the post-mortem examination by a suitably qualified physician. For the city of Bremen, the Institute for Legal Medicine (IRM) was charged with this task (in Bremerhaven, the health department).

In this article, practical implementation, problems, and advantages and disadvantages of the new law are presented. For the year 2018 we did a statistical evaluation of the qualified post-mortem examination.

After notification of a case of death to the IRM, the post-mortem examination will be carried out on the same or the following working day by an IRM doctor. In 2018, 7585 post-mortem examinations took place. In nearly 300 cases (4%) the type of death had to be changed (natural/not natural).

Problems arise if external undertakers are involved. Further challenges arise in the collection of the anamnesis and implementation after extended weekends as well as due to the lack of knowledge about the death scene and generally the difficulty to conclude on the cause of death within the scope of an external post-mortem examination. One advantage to mention is that every deceased person is relatively promptly subjected to a post-mortem examination by a qualified doctor and overall the quality of the examination has improved. A disadvantage is the increased cost.

Keywords

Qualification Post-mortem examination Cause of death Manner of death Autopsy 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

O. Cordes gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Für diesen Beitrag wurden von den Autoren keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Instituts für RechtsmedizinKlinikum Bremen-MitteBremenDeutschland

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