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Prävention von Mangelernährung in der stationären Pflege am Beispiel des DNQP-Expertenstandards „Ernährungsmanagement“

  • Sabine BartholomeyczikEmail author
Leitthema
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Zusammenfassung

Mangelernährung stellt eine große Herausforderung für die Versorgung insbesondere pflegebedürftiger alter Menschen dar. Die Entstehungsgründe sind vielfältig und können gesundheits- oder psychosozial bedingt sein. Mangelernährung wirkt sich gesundheitsschädigend bis existenzbedrohend aus. Prävention ist also dringend geboten und stellt eine wichtige Aufgabe in der Pflege dar.

Dieser Beitrag befasst sich mit der Prävention von Mangelernährung als pflegerische Aufgabe, insbesondere in der stationären Altenpflege, und erörtert diese anhand des Expertenstandards des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP), der ein pflegerisches Leistungsniveau für die orale Nahrungsaufnahme formuliert. Von großer Bedeutung ist ein systematisches Screening zum Mangelernährungsrisiko der Pflegebedürftigen, um bei Hinweisen auf eine unzureichende Nahrungsaufnahme im multiprofessionellen Team die individuellen Gründe erforschen und Abhilfe schaffen zu können. Pflegende müssen Schluckstörungen erkennen und die Kaufähigkeit beurteilen können. Menschen mit Demenz stellen eine besondere Herausforderung dar, weil sie im Laufe der Krankheit die Fähigkeit verlieren, genügend zu essen. Ist eine orale Nahrungsaufnahme nicht möglich, kann diese enteral oder parenteral kompensiert werden, allerdings nur mit einer konkreten Indikation und zeitlich beschränkt. Am Lebensende kann Nahrungsaufnahme quälend sein, eine enterale Ernährung sollte im Rahmen einer Fallbesprechung genau abgewogen werden.

Eine erste gesundheitsökonomische Evaluation zeigt nach der Einführung des Expertenstandards in elf Altenheimen gesundheitliche Verbesserungen bei den Bewohnern. Die Sicherstellung der oralen Nahrungsaufnahme ist ein wichtiger Teil einer personenzentrierten Pflege.

Schlüsselwörter

Orale Nahrungsaufnahme Prävention in der Pflege Gründe für Mangelernährung Folgen von Mangelernährung Methoden von Expertenstandards 

Prevention of malnutrition in institutional long-term care with the DNQP “nutrition management” expert standard

Abstract

Malnutrition is a big challenge in long-term care. There are a variety of reasons for developing malnutrition; they can be disease-related as well as psychosocial. However, the consequences can be seriously health threatening. Therefore, effective prevention is necessary and is an important part of nursing.

The following article deals with the prevention of malnutrition as a nursing task, particularly in institutional long-term care. This is discussed with the evidence-based expert standard on quality criteria for securing oral nutritional intake by the German Network for Quality Development in Nursing (DNQP). Systematic screening is important and after finding signs of insufficient intake, a detailed search for reasons must follow. This should be initiated by nurses and often ends in a multiprofessional task. Nurses have to detect dysphagia and a resident’s ability to chew. People with dementia are at increased risk of malnutrition due to the disease-related declining ability to eat enough. If oral food intake can no longer be secured, artificial nutrition can be recommended based on a clear indication for a limited period of time. In the terminal phase, nutrition can be agonizing. Therefore, the decision about artificial nutrition should be carefully discussed in a case conference.

A first health-economic evaluation of the standard in 11 nursing homes shows a positive impact on the residents’ health. Securing oral nutrition intake is an important part of person-centered care.

Keywords

Oral nutrition Prevention and nursing Reasons for malnutrition Consequences of malnutrition Methods of expert standards 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

S. Bartholomeyczik war wissenschaftliche Leiterin bei der Entwicklung des Expertenstandards.

Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren.

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Department für Pflegewissenschaft, Fakultät für GesundheitUniversität Witten/HerdeckeWittenDeutschland

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