Advertisement

Gesundheitskompetenz im Betrieb fördern – aber wie?

  • Clarissa EickholtEmail author
  • W. Hamacher
  • N. Lenartz
Leitthema

Zusammenfassung

Gesundheitskompetenz stellt für den Arbeitsschutz und die betriebliche Gesundheitsförderung ein Schlüsselkonzept für den Erhalt und die Förderung der gesundheitlichen Ressourcen dar. Staatliche und betriebliche Schutz- und Fördermaßnahmen greifen in einer durch Entgrenzung geprägten Arbeits- und Lebenswelt zu kurz, und die Stärkung der Verantwortungsübernahme zum Erhalt der eigenen Beschäftigungsfähigkeit gewinnt an Bedeutung. Um aktuelle Aussagen darüber zu treffen, wie Unternehmen und Beschäftigte Gesundheitskompetenz fördern können, bedarf es neben der Aufarbeitung wissenschaftlicher Grundlagen zur Gesundheitskompetenz und zur Kompetenzentwicklung einer Auseinandersetzung mit dem betrieblichen Stand auf diesen Feldern. Hierzu liefert eine Delphi-Studie mit Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) empirische Erkenntnisse. Als grundlegend für den arbeitsbezogenen Kontext erweist sich die Entwicklung eines umfassenden Verständnisses von Gesundheitskompetenz. Über eine wissensbasierte „Health Literacy“ hinausgehend beinhaltet ein handlungsorientierter Kompetenzbegriff die Fähigkeit und Bereitschaft zu sinnvollem und gestaltendem Handeln in komplexen Situationen. Für die Entwicklung von Gesundheitskompetenz sind entsprechend Lernprozesse notwendig, die im Arbeitsprozess liegen und kompetentes Handeln erfordern. Das Ermöglichen informellen Lernens bildet hierzu einen vielversprechenden neuen Ansatz. Dafür sind abgestimmte Aktivitäten im Betrieb erforderlich. Letztlich geht es darum, dem betrieblichen Bedarf an Gesundheitskompetenz über geeignete Gestaltungsmaßnahmen zu begegnen, die an den Rahmenbedingungen der Arbeit ansetzen. Denn obwohl die Beschäftigten Träger der Gesundheitskompetenz sind, liegt das Entwicklungspotenzial in hohem Maß in den vorherrschenden Arbeitsverhältnissen.

Schlüsselwörter

Gesundheitskompetenz Informelles Lernen Betriebliche Gesundheitsförderung Arbeitsgestaltung Arbeitsschutz 

How to promote health competence at work

Abstract

Health competence is a key concept in occupational health and safety and workplace health promotion for maintaining and enhancing health resources. The effects of governmental or occupational measures to protect or improve health fall short of what is required with regard to the challenges of a changing workplace, e.g., due to the delimitation of work. To secure employability it is becoming more and more important to encourage the personal responsibility of employees. To offer new conclusions on how employers and employees can promote health competence, a survey is required of the research within the fields of health competence and competence development, and of the status quo in enterprises. In this context, a Delphi Study provides an important contribution, with a focus on small and medium-sized enterprises. The development of an extensive understanding of health competence is essential in a work-related context. Beyond knowledge-based health literacy, an action-oriented concept of competence implies the ability and willingness to act in a reasonable and creative manner in complex situations. The development of health competence requires learning embedded in working processes, which challenges competent behaviour. Enabling informal learning is a promising innovative approach and therefore coordinated operational activities are necessary. Ultimately, this is a matter of suitable organisational measures being implemented to meet the health competence needs of an enterprise. Even though the each individual employee bears his or her own health competence, the development potential lies largely within the prevailing working conditions.

Keywords

Health competence Informal learning Workplace health promotion Workplace design Occupational health and safety 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

C. Eickholt, W. Hamacher und Dr. N. Lenartz geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Dieser Beitrag beinhaltet keine Studien an Menschen oder Tieren.

Literatur

  1. 1.
    DGUV (2012) Fernlehrgang mit Präsenzphasen bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. BG/GUV 80.2 DGUV, Berlin, S 6Google Scholar
  2. 2.
    GDA (2007) Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) Fachkonzept und Arbeitsschutzziele 2008–2012, Stand:12. Dezember 2007. Nationale Arbeitsschutzkonferenz, BerlinGoogle Scholar
  3. 3.
    Kickbusch I (2006) Die Gesundheitsgesellschaft. Verlag für Gesundheitsförderung, HamburgGoogle Scholar
  4. 4.
    Nutbeam D (2008) The evolving concept of health literacy. Soc Sci Med 67:2072–2078PubMedCrossRefGoogle Scholar
  5. 5.
    Kickbusch I (2008) Health literacy. In: Heggenhougen K, Quah S (Hrsg) International encyclopedia of public health. Academic Press, San Diego, S 201–211Google Scholar
  6. 6.
    Hamacher W, Wittmann S (2005) Lebenslanges Lernen zum Erwerb von Handlungskompetenzen für Sicherheit und Gesundheit. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg) Forschungsbericht Fb 1052. Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH, BremerhavenGoogle Scholar
  7. 7.
    Kriegesmann B, Kottmann M, Masurek L, Nowak U (2005) Kompetenz für eine nachhaltige Beschäftigungsfähigkeit. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg) Forschungsbericht FB 1038. Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft GmbH, BremerhavenGoogle Scholar
  8. 8.
    Schwartz SH, Howard JA (1980) Explanations of the moderating effect of responsibility denial on the personal norm-behavior relationship. Soc Psychol Q 43:441–446CrossRefGoogle Scholar
  9. 9.
    Rosenstock IM (1974) The health belief model and preventive health behavior. Health Educ Monogr 2:354–386Google Scholar
  10. 10.
    Becker MH (1974) The health belief model and sick role behaviour. Health Educ Monogr 2:409–419Google Scholar
  11. 11.
    Rippetoe PA, Rogers RW (1987) Effects of components of protection-motivation the-ory on adaptive and maladaptive coping with a health threat. J Pers Soc Psychol 52:596–604PubMedCrossRefGoogle Scholar
  12. 12.
    Schwarzer R (1992) Psychologie des Gesundheitsverhaltens. Hogrefe, GöttingenGoogle Scholar
  13. 13.
    Soellner R, Huber S, Lenartz N, Rudinger G (2010) Facetten der Gesundheitskompetenz – eine Expertenbefragung. Z Pädag 56(Beiheft 56):104–114Google Scholar
  14. 14.
    Lenartz N (2012) Gesundheitskompetenz und Selbstregulation. V & R unipress, GöttingenGoogle Scholar
  15. 15.
    Gnahs D (2007) Kompetenzen – Erwerb, Erfassung, Instrumente. Bertelsmann Verlag GmbH, Bielefeld, S. 21 f.Google Scholar
  16. 16.
    Erpenbeck J, v Rosenstiel L (2007) Einführung. In: Erpenbeck J, v Rosenstiel L (Hrsg) Handbuch Kompetenzmessung. Schäffer-Poeschl, Stuttgart, S XIGoogle Scholar
  17. 17.
    Bengel J (2002) Was erhält Menschen gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese – Diskussionsstand und Stellenwert. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, KölnGoogle Scholar
  18. 18.
    Dehnbostel P (2005) Informelles Lernen in betrieblichen und arbeitsbezogenen Zusammenhängen. In: Künzel K (Hrsg) Internationales Jahrbuch der Erwachsenenbildung, Bd 31/32. Böhlau, Köln, S 149Google Scholar
  19. 19.
    Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) (2004) Strategie für Lebenslanges Lernen in der Bundesrepublik Deutschland, Heft 115. BLK, BonnGoogle Scholar
  20. 20.
    Zürcher R (2007) Informelles Lernen und der Erwerb von Kompetenzen. Theoretische, didaktische und politische Aspekte. Materialien zur Erwachsenenbildung Nr. 2. Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, WienGoogle Scholar
  21. 21.
    Dohmen G (2001) Das informelle Lernen. Die internationale Erschließung einer bisher vernachlässigten Grundform menschlichen Lernens für das Lebenslange Lernen aller.BMBF Publik, BonnGoogle Scholar
  22. 22.
    Overwien B (2005) Informelles Lernen: Ein Begriff zwischen ökonomischen Interessen und selbstbestimmtem Lernen. In: Künzel K (Hrsg) Internationales Jahrbuch der Erwachsenenbildung, Bd 31/32. Böhlau, Köln, S 4 fGoogle Scholar
  23. 23.
    Künzel K (2005) Informelles Lernen – Selbstbildung und soziale Praxis, eine thematische Einführung. In: Künzel K (Hrsg) Internationales Jahrbuch der Erwachsenenbildung, Bd 31/32. Böhlau, KölnGoogle Scholar
  24. 24.
    Kirchhöfer D (2001) Widersprüche in der Herausbildung einer neuen Lernkultur. In: ABWF e. V. (Hrsg) Arbeiten und Lernen. Lernkultur Kompetenzentwicklung und innovative Arbeitsgestaltung, Heft 67. QUEM-report, Berlin, S 119–128Google Scholar
  25. 25.
    Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMBF) (Hrsg) (2001) Das informelle Lernen: Die internationale Erschließung einer bisher vernachlässigten Grundform menschlichen Lernens für das lebenslange Lernen aller. BMBF Publik, BonnGoogle Scholar
  26. 26.
    Faure E et al (1972) Learning to be. The world of education today and tomorrow. UNESCO, ParisGoogle Scholar
  27. 27.
    Dehnbostel P (2003) Informelles Lernen: Arbeitserfahrungen und Kompetenzerwerb aus berufspädagogischer Sicht. SWA-Materialien, Bielefeld, S 2 ffGoogle Scholar
  28. 28.
    Hamacher W, Eickholt C, Lenartz N, Blanco S (2012) Ansätze zur betrieblichen Förderung von Sicherheits- und Gesundheitskompetenz durch informelles Lernen im Prozess der Arbeit.Forschungsbericht Fb 2141. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, DortmundGoogle Scholar
  29. 29.
    Hamacher W, Eickholt C, Lenartz N, Blanco S (2012) Ansätze zur betrieblichen Förderung von Sicherheits- und Gesundheitskompetenz durch informelles Lernen im Prozess der Arbeit. Forschungsbericht Fb 2141.Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund Anhang 1, S 269 ffGoogle Scholar
  30. 30.
    Hinding B, Krauss-Hoffmann P, Kastner M (2010) Gestaltung von lernförderlichen Unternehmenskulturen hinsichtlich Sicherheit und Gesundheit. In: Kastner M (Hrsg) Leistungs- und Gesundheitsmanagement – psychische Belastung und Altern, inhaltliche und ökonomische Evaluation.Pabst, Lengerich, S 266–285Google Scholar
  31. 31.
    Arnold R (2001) Kompetenz. In: Arnold R, Nolda S, Nuissl E (Hrsg) Wörterbuch Erwachsenenpädagogik. Klinkhardt, Bad HeilbrunnGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015

Authors and Affiliations

  1. 1.systemkonzept GmbHKölnDeutschland
  2. 2.working well: gute Arbeit!KonstanzDeutschland

Personalised recommendations