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Auch langfristig keine geringere Intelligenz durch künstliche Befruchtung

Kommen Kinder mithilfe moderner Reproduktionsmethoden zur Welt, haben sie deswegen neun Jahre später keine Nachteile bei Intelligenz oder Verhalten.

Nach wie vor gibt es Diskussionen um die Langzeitfolgen einer Befruchtung im Reagenzglas oder per intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI).

Um hier Klarheit zu schaffen, haben Mediziner den IQ und das Verhalten von drei unterschiedlichen Gruppen von Kindern bewertet: Die einen waren über eine künstliche Befruchtung nach ovarieller Stimulation zur Welt gekommen (57 Kinder), die anderen über eine In-vitro-Fertilisation (IVF) oder ICSI im natürlichen Zyklus (46 Kinder). Die dritte Gruppe bestand schließlich aus Kindern von subfertilen Eltern, die nach natürlicher Empfängnis herangewachsen sind (66 Kinder). Deren Eltern standen bereits auf einer Warteliste für eine künstliche Befruchtung, nachdem sie sich mindestens ein Jahr lang erfolglos um eine Schwangerschaft bemüht hatten, schafften dann aber doch noch eine natürliche Empfängnis. Alle Kinder waren zum Zeitpunkt der Untersuchung neun Jahre alt, Kinder aus Mehrlingsgeburten wurden nicht berücksichtigt. Zur IQ-Bestimmung verwendeten die Forscher eine Version des Wechsler-Tests, für das Verhalten den NEPSY-II ("neuropsychological assessment"). IVF/ICSI-Kinder hatten ein etwas geringeres Geburtsgewicht als solche ohne künstliche Befruchtung, erwartungsgemäß hatte es bei ihnen auch länger bis zur Empfängnis gedauert, ansonsten gab es keine größeren Differenzen zwischen den drei Gruppen.

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© Sebastian Kaulitzki / stock.adobe.com

Neue Daten belegen, dass Zeugung per künstlicher Befruchtung keine negativen Folgen für den IQ des Kindes hat.

Wie sich zeigte, hatten die Kinder in allen drei Gruppen im Schnitt einen ähnlichen Gesamt-IQ (zwischen 114 und 115 Punkten), auch gab es beim NEPSY keine größeren Abweichungen, weder beim Gesamtscore noch in unterschiedlichen Subskalen. Tools wie die Child-Behaviour-Checklise förderten keine größeren Differenzen zu Tage, und die Beurteilung der Kinder durch ihre Lehrer über das Teacher-Report-Formular fiel ebenfalls sehr ähnlich aus.

Fazit: Bei Kindern, die mithilfe moderner Reproduktionsmethoden entstanden sind, lassen sich keine Nachteile bei den geistigen Fähigkeiten feststellen. Auch Verhaltensprobleme treten bei ihnen nicht vermehrt auf.

Die künstliche Befruchtung habe demnach offenbar keinen Einfluss auf Kognition oder Verhalten der so entstehenden Kinder, schließen die Studienautoren. Die Teilnehmerzahl der vorliegenden Studie war allerdings gering.

Heineman KR et al. Cognitive and behavioural outcome of children born after IVF at age 9 years. Human Reprod. 2019; 34: 2193-200

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Correspondence to Thomas Müller.

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Müller, T. Auch langfristig keine geringere Intelligenz durch künstliche Befruchtung. Uro-News 24, 47 (2020). https://doi.org/10.1007/s00092-020-4065-1

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