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Uro-News

, Volume 23, Issue 11, pp 51–51 | Cite as

Harnwegsinfektionen bei Kindern erhöhen Gefahr für Nierenvernarbung

  • Peter Leiner
Literatur kompakt
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Bereits nach zwei Harnwegsinfektionen steigt bei Kindern das Risiko der Nierenvernarbung drastisch. Nach einer einzigen Infektion lag sie in einer US-Studie deutlich niedriger als in bisherigen Studien.

US-amerikanische Mediziner haben mögliche Folgen von Harnwegsinfektionen bei Kindern auf deren Nieren erforscht. Für ihre Post-hoc-Analyse verwendeten die Pädiater die Daten der beiden Studien RIVUR (Randomized Intervention for Children With Vesicoureteral Reflux) sowie CUTIE (Careful Urinary Tract Infection Evaluation), an denen Kinder mit Harnwegsinfektionen, aber ohne urogenitale Veränderungen teilgenommen hatten. Die Kinder in der RIVUR-Studie waren zwischen sieben und 71 Monate alt, die in der CUTIE-Studie zwischen zwei Monaten und sechs Jahren. Das Follow-up lag bei etwa zwei Jahren. Zu Studienende erfolgte eine DMSA-Szintigrafie (Technetium99m-Dimercapto-Succinat) der Nieren, um das Ausmaß einer möglichen Nierenvernarbung zu bestimmen.

Insgesamt 345 Kinder nahmen an der Studie teil, 221 mit und 124 ohne vesikoureteralen Reflux. 50 Kinder hatten keine fiebrige Harnwegsinfektion. Die meisten Kinder (n = 246) hatten eine einzige derartige Infektion, 35 Kinder erkrankten zweimal, 13 dreimal und ein Kind hatte sogar vier Harnwegsinfektionen. Da die Inzidenz der Nierenvernarbung in beiden Studiengruppen ähnlich war, wurden für die Endauswertung alle Studiendaten zusammengefasst analysiert.

Wie die US-Kinderärzte berichten, lag die Inzidenz der Nierenvernarbung bei nur 2,8 % nach nur einer Harnwegsinfektion. Hatten Kinder jedoch zwei derartige Infektionen, lag die Inzidenz bereits bei 25,7 %, und nach mindestens drei Infektionen sogar bei 28,6 %.

Aus den Daten errechneten die Ärzte eine Wahrscheinlichkeit für die Vernarbung nach einer zweiten Harnwegsinfektion, die fast zwölfmal höher lag als bei Kindern mit nur einer einmaligen Infektion (Odds Ratio [OR]: 11,8; 95 %-Konfidenzintervall[KI]: 4,1–34,4). Nach mindestens drei Infektionen lag die Wahrscheinlichkeit fast 14-mal höher (OR: 13,7; 95 %-KI: 3,4–54,4). Kinder ohne fiebrigen Verlauf der Harnwegsinfektion hätten keine Nierenvernarbung gehabt, so die Ärzte.

Warum es nach wiederholten Harnwegsinfektionen eher zur Nierenvernarbung kommt, ist noch nicht ganz geklärt. Möglicherweise trage bei Kindern ein Remodelling von Blasen- und/oder Nierengewebe nach einer ersten fiebrigen Harnwegsinfektion zur klinischen Verschlechterung bei. Vielleicht sei auch das Immunsystem nach einer solchen Infektion geschwächt.

Dass die Inzidenz der Nierenvernarbung in der aktuellen Studie deutlich niedriger ist als in früheren Untersuchungen, liegt nach Ansicht der Ärzte möglicherweise an unterschiedlichen klinischen Charakteristika der Studienteilnehmer oder an den ungleichen Auswertungen bei der Beurteilung der Nierenvernarbung. Die Studienautoren empfehlen, nach Biomarkern etwa im Serum zu fahnden, die Hinweise für das Risiko von rezidivierenden Harnwegsinfektionen im Kindesalter anzeigen.

Fazit: Die Studie zeigt, dass Harnwegsinfektionen für die Nieren bei Kindern schnell gravierende Folgen haben können: Das Risiko einer Vernarbung der Nieren war schon nach einer zweiten Harnwegsinfektion fast zwölfmal höher als bei einer nur einmaligen Infektion dieser Art. Nach mindestens drei Infektionen lag die Wahrscheinlichkeit einer Vernarbung fast 14-mal höher.

Literatur

  1. Shaikh N et al. Association of Renal Scarring With Number of Febrile Urinary Tract Infections in Children. JAMA Pediatr. 2019;  https://doi.org/10.1001/jamapediatrics.2019.2504

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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