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Uro-News

, Volume 23, Issue 4, pp 47–47 | Cite as

Längerer Harnröhrenstumpf reduziert Inkontinenzrisiko nach radikaler Prostatektomie

  • Peter Leiner
Literatur kompakt
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Wird bei einer radikalen Prostatektomie oberhalb der Prostata ein langer Harnröhrenstumpf belassen, vermindert dies das Ausmaß der Harninkontinenz nach der Operation.

Urologen aus Japan haben bei 185 Männern mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom (PCA) den Effekt einer vollständigen Entfernung der Prostata auf die Entwicklung einer Harninkontinenz untersucht.

Die nervschonende Operation wurde robotergestützt transperitoneal mit zwei Patientengruppen vorgenommen: In der einen wurde so nah an der Prostata wie möglich geschnitten (langer Harnröhrenstumpf). Die anderen Patienten wurden der Gruppe mit normalem Harnröhrenstumpf zugeordnet. Präoperativ, median zehn Tage nach Katheterentfernung und etwa zwölf Monate nach der Prostatektomie wurden Magnetresonanztomografie(MRT)-Aufnahmen (1,5 Tesla) gemacht. Daraus ging hervor, dass sich das distale Ende der membranösen Urethra zehn Tage nach der Operation durchschnittlich 4 mm nach proximal verlagerte. Ein Jahr nach dem Eingriff wurde diese Verkürzung der Harnröhre nicht mehr gesehen, das distale Ende hatte wieder seine ursprüngliche Position inne. Die Sphinkterfunktion habe sich zwar zehn Tage nach der Operation verschlechtert, ein Jahr nach dem Eingriff jedoch wieder normalisiert, so die Ärzte. Und bei 84 Männern, bei denen dreimal ein Harnröhrendruckprofil erstellt worden war, nahm der postoperative Urethraverschlussdruck in den ersten Tagen im Vergleich zur Situation vor dem Eingriff ab, normalisierte sich jedoch ein Jahr später weitgehend wieder, wenn auch die präoperativen Werte nicht erreicht wurden. Schließlich ermittelten die Ärzte einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Migrationslänge des distalen Endes der membranösen Urethra zehn Tage nach der Prostatektomie und dem verbliebenen Harnröhrenstumpf und der Harninkontinenz. Die Entscheidung für die Schnittposition zwischen Harnröhre und Prostata wurde allerdings nicht randomisiert, sondern karzinomabhängig getroffen. In den beiden Studiengruppen war sie zudem nicht einheitlich definiert. Die Aussagekraft der Studie ist dadurch eingeschränkt.

Fazit: Die Studie untersucht den Einfluss anatomischer Veränderungen nach einer radikalen Prostatektomie auf die Kontinenz. Nach Ansicht der Studienautoren ist die Stumpflänge ein signifikanter (inverser) Prädiktor für Harninkontinenz nach einer radikalen Prostatektomie. Durch die Verlagerung des Urethraendes nach oben komme es zur Inkontinenz. Der Verschlussdruck der Harnröhre erhöhe sich zunächst, weil sich das Harnröhrenende proximal verlagere. Nach einem Jahr werde die ursprüngliche Position wieder erreicht.

Literatur

  1. Kadono Y et al. Investigating the mechanism underlying urinary continence recovery after radical prostatectomy: effectiveness of a longer urethral stump to prevent urinary incontinence. BJU Int. 2018; 122: 456–62CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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