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Uro-News

, Volume 23, Issue 4, pp 44–44 | Cite as

Jeder zusätzliche Kathetertag erhöht die Gefahr für Harnwegsinfekt

  • Thomas Müller
Literatur kompakt
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Das Risiko für eine katheterassoziierte Harnwegsinfektion steigt exponenziell mit der Dauer der Katheteranwendung — vor allem bei Frauen, Gelähmten und Patienten nach Schlaganfall.

In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert.

© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

Es ist bekannt, dass das Risiko für katheterassoziierte Harnwegsinfekte (KHI) mit der Dauer der Anwendung steigt. In welchem Maße, war bislang jedoch unklar — ebenso, welche weiteren Faktoren bedeutsam sind. Eine retrospektive Analyse, basierend auf den Daten von knapp 48.000 Patienten mit 61.000 Katheterisierungen an zwei Kliniken zeigt, dass das Risiko für KHI nach zehn Tagen mit Blasenkatheter drastisch steigt.

Insgesamt traten pro 1.000 Kathetertage 1,6 Harnwegsinfekte auf. Bei Kindern war die Rate mit 2,1 Infekten auf 1.000 Kathetertage etwas höher als bei Erwachsenen (1,6 Infekte). Wurden nur die CDC-Kriterien für KHI berücksichtigt, lagen 861 Ereignisse vor. Somit trat eine KHI bei 1,4 % aller Katheterpatienten auf.

Ein Viertel der betroffenen Patienten trägt den Katheter viel zu lange — und riskiert damit gefährliche Harnwegsinfekte.

© SLRadcliffe / Getty Images / iStock

Im Median trugen die Patienten ihren Katheter vier Tage lang, solche mit Infekten sieben Tage. Patienten unter 18 und über 65 Jahren waren häufiger von Infekten betroffen, Frauen öfter als Männer, Patienten mit vielen häufiger als solche mit wenigen Komorbiditäten. Interessant ist der Zusammenhang mit der Anwendungsdauer: Nach zehn Tagen waren weniger als 3 % betroffen, nach 30 Tagen bereits 12 % und nach 60 Tagen 28 %, was auf eine leicht exponenzielle Zunahme der Infektrate mit der Zeit deutet. Allerdings trugen nur wenige Patienten den Katheter länger als zehn Tage, was die Resultate verzerrt haben könnte.

Etwa 10 % der KHI wurden einer Ursachenanalyse unterzogen. Dabei kam heraus, dass ein Viertel der betroffenen Patienten den Katheter viel zu lange trug. Hier hatte es das Personal offenbar versäumt, den Katheter rechtzeitig zu entfernen. Die Forscher gehen davon aus, dass sich zumindest ein Teil der KHI vermeiden ließe, würden die Kathetertragezeiten strenger überprüft.

Unter Kindern waren besonders Mädchen betroffen, sie erlitten rund dreimal häufiger einen KHI als Jungen. Erwachsene Frauen waren nach 30 Tagen doppelt so oft betroffen wie Männer (16 % vs. 8 %). Als weiteren relevanten Risikofaktor erkannten die Forscher eine zerebrovaskuläre Erkrankung. Solche Patienten bekamen mit einem Blasenkatheter etwa 80 % häufiger Infekte, eine Paraplegie ging mit einer um 40 % erhöhten Rate einher, sofern andere bekannte Komorbiditäten und Patientencharakteristika berücksichtigt wurden.

Fazit: Je länger ein Blasenkatheter getragen wird, umso höher ist das Risiko für Harnwegsinfekte. Mit der Tragezeit nimmt dieses exponenziell zu. Die Kathetertragedauer sollte deswegen strenger kontrolliert werden. Frauen, Kinder und Schlaganfallpatienten sind zudem besonders gefährdet.

Literatur

  1. Letica-Kriegel AS et al. Identifying the risk factors for catheter-associated urinary tract infections: a large cross-sectional study of six hospitals. BMJ Open. 2019; http://doi.org/c3gtGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Thomas Müller
    • 1
  1. 1.

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