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Uro-News

, Volume 23, Issue 4, pp 3–3 | Cite as

Stete Forschung löst den Stein

  • Springer Medizin
Editorial
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„Die endourologische Harnsteintherapie stellt das Brot- und Buttergeschäft einer jeden urologischen Klinik dar. Das wird künftig auch so bleiben.“

Dr. med. Dr. habil. Christopher Netsch Oberarzt, Asklepios Klinik Barmbek

Es vergeht derzeit kein Monat, in dem nicht in hochrangigen Journals Studien zur medikamentösen Behandlung urologischer Tumore publiziert werden: sei es zu maßgeschneiderten Immuntherapien oder den geeigneten Therapiesequenzen etwa beim metastasiertem Prostata- oder Nierenzellkarzinom. Daneben bleibt für nicht onkologische, benigne urologische Erkrankungen momentan nur der Platz in zweiter Reihe, also in den weniger hochrangigen, erkrankungsspezifischen Subjournals.

Insbesondere bei der Urolithiasis haben wir in Deutschland dabei eine paradoxe Situation: Zwar werden nach wie vor erhebliche Summen für Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis aufgewendet — bahnbrechende Neuerungen in der Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis haben sich in den letzten zehn Jahren jedoch nicht ergeben. Zwar haben fast alle Modalitäten für die Diagnostik und Therapie der Urolithiasis Verbesserungen erfahren, bei der Metaphylaxe tritt man jedoch auf der Stelle — sei es durch mangelnde Compliance der Harnsteinbildner oder mangelnde Bereitstellung von Forschungsgeldern für die Grundlagenforschung.

So verursacht die Erkrankung einerseits einen immensen volkswirtschaftlichen Schaden (Prävalenz 5 %, Rezidivrate 50 %, Gesamtkosten von etwa 840 Mio. € pro Jahr), während die bereitgestellte Summe an Forschungsgeldern und in der Folge auch die Zahl hochrangiger Publikationen zu dem Thema überschaubar bleibt. Dabei sei daran erinnert, dass einst wichtige Impulse zur Harnsteintherapie aus dem Land der Dichter und Denker in die Welt gingen — man denke an die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie von Christian-Georg Chaussy und Ferdinand Eisenberger sowie die perkutane Nephrolitholapaxie von Peter Alken.

In der aktuellen URO-NEWS mit dem Schwerpunktthema Urolithiasis versuchen wir Ihnen einen Überblick über neueste Entwicklungen auf dem Gebiet zu geben. Herr Dr. Tim Nestler stellt in einem umfassenden Artikel die neuesten Entwicklungen der Computertomografie-Diagnostik bei der Urolithiasis dar — was ist möglich, was kommt noch auf uns zu?

Die Ureterorenoskopie und die perkutane Nephrolitholapaxie — früher die „heiligen Kühe“, die meist nur vom Chef- oder einem Oberarzt durchgeführt wurden — sind in den letzten 15 Jahren zu Standardverfahren geworden und können tatsächlich auch „gelehrt“ werden. Herr Dr. Jan-Thorsten Klein gibt hier einen schönen Überblick über die dazu verfügbaren Trainingsmodelle.

Während Frau Prof. Roswitha Siener, Co-Koordinatorin dieser Ausgabe, über die Standards in der Harnsteinmetaphylaxe referiert, zeigt uns Herr Prof. Walter Strohmeier in seinem Artikel, um welche Summen es bei der Urolithiasis wirklich geht. Sehr anschaulich verdeutlicht er am Beispiel Deutschland die immensen Kosten, die durch die Erkrankung jährlich entstehen und welches erhebliche Einsparpotenzial sich bei einer korrekt durchgeführten Metaphylaxe böte.

Man mag es vor lauter Uroonkologie kaum glauben, aber bedingt durch die hohe Prävalenz der „Volkskrankheit“ Urolithiasis stellt die endourologische Harnsteintherapie das Brot- und Buttergeschäft einer jeden urologischen Klinik dar — außer vielleicht in Prostataspezialkliniken. Dass dies auch zukünftig so bleiben wird, liegt an der stetigen Zunahme der Inzidenz der Urolithiasis in Deutschland: sei es durch die (überalternde) Wohlstandsgesellschaft — Stichwort metabolisches Syndrom — oder durch Migration aus Regionen, die eine höhere Harnsteinprävalenz aufweisen. Es wird also höchste Zeit, sich der Thematik entsprechend anzunehmen!

Beim Lesen dieser „Stein-Ausgabe“ der URO-NEWS wünsche ich Ihnen viel Freude, Ihr

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